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Reise

Auf den Spuren der Spione

Wer wollte nicht schon einmal in die Rolle von James Bond schlüpfen? Oder galant einen feindlichen Agenten enttarnen? In Bonn kann man ein lange unbekanntes Kapitel der Stadtgeschichte auf ungewöhnlichem Weg entdecken.

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Auf die Plätze, fertig, los!

Spione der ungewöhnlichen Art trieben jahrelang in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn ihr Unwesen: Unzählige "Romeos" verführten Sekretärinnen in Bundesministerien, um ihnen geheime Informationen zu entlocken. Diese Charmeure wurden von der ostdeutschen Staatssicherheit als Spitzel angeworben. "Bonn war während des Kalten Krieges ein bedeutendes Schlachtfeld. Dieses Kapitel der Stadtgeschichte wird erst jetzt langsam beleuchtet", sagt Norbert Volpert von StattReisen Bonn. Der Verein veranstaltet für Touristen eine Tour in die mysteriöse Vergangenheit der Stadt. Auf den Spuren von echten Spionen müssen die Teilnehmer als Hobby-Agenten verschollene Dokumente wiederbeschaffen.

Süßer Start ... "Verschwiegenheit und Teamgeist sind das oberste Gebot der Spione", flüstert Volpert auf dem Bonner Marktplatz und kramt eine Schachtel Mozartkugeln hervor. Unter den Süßigkeiten versteckt liegt darin ein Schlüssel für ein Schließfach im Bahnhof. Nach einem kurzen Fußmarsch öffnen die "Spione" gespannt das Fach, in dem sich ein Aktenkoffer befindet. Sein Inhalt: Eine schwarze Sonnenbrille als Profi-Ausrüstung und weitere Hinweise auf einem Zettel. Die Jagd kann beginnen.

Hobby-Agenten streifen durch Bonn

Auf Schleichwegen durch die Innenstadt erreicht die Gruppe das frühere Auswärtige Amt. Dort wartet schon eine ehemalige Chefsekretärin – gespielt von der Schauspielerin und Historikerin Jolanta Altman. In russisch-rollendem Tonfall erzählt sie ihre Geschichte: Sie von einem Stasi-"Romeo" verführt worden und habe bald blind vor Liebe für die DDR spioniert.

Geheimnisvolle Luftaufnahmen

"Ich helfe euch weiter, aber ich möchte mit diesem dreckigen Geschäft nichts mehr zu tun haben", sagt die Frau den "Spionen", die schnell zur U-Bahn rennen sollten. Dort werden der Gruppe vergilbte Luftaufnahmen übergeben. Nach längerer Beratung ist man sich einig: Das kann nur das Bundeskanzleramt sein. Damit ist das Rätsel um die "verschollenen Dokumente" gelöst. "Dass es in Bonn früher so heiß herging, hätte ich nicht gedacht", meint einer der "Agenten auf Zeit".

Ein Vergnügen für jedermann

Schon mehrere hundert Mal zogen Volpert und seine Mitarbeiter mit Hobby-Agenten aus ganz Deutschland durch Bonn. Kegelvereine waren ebenso dabei wie Studenten oder Schulklassen aus dem Ausland.

Intensive Recherche

Mehr als ein Jahr lang hatte das StattReisen-Team Bücher gewälzt, Gespräche mit Zeitzeugen geführt und eine Route durch die Bundesstadt ausgearbeitet. Dabei kamen interessante historische Details ans Licht: "Ein hochrangiger deutscher Politiker spionierte vermutlich in den 80er Jahren für die DDR. Und noch immer gibt es 110 nicht enttarnte Romeos", so Volpert.

Die nächsten Termine:
Sonntag, 2. Juni 2002
Samstag, 13. Juli 2002

dpa/(pf)

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