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Kultur

Auf den Schnabel geschaut

Ein Schwabe hat seinen Traumberuf gefunden: Er übersetzt die Abenteuer von Donald Duck und Micky Maus ins Deutsche. Er ist einer von sechs Übersetzern in Deutschland.

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Peter Daibenzeiher bei der Arbeit

Schon als Junge hat Peter Daibenzeiher Comics geliebt. Seine Leidenschaft machte er später zum Beruf: Seit über elf Jahren ist der schwäbische Übersetzer aus Sachsenheim für die deutschen Sprüche des knausrigen Milliardärs Dagobert Duck, Donalds und auch Micky Maus' samt Angehöriger mitverantwortlich. "Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen", sagt der 42-Jährige. Der Sprechblasen-Spezialist ist einer von sechs Übersetzern, die im Auftrag des Egmont Ehapa Verlags die englischen oder auch italienischen Fassungen ins Deutsche übertragen.

Eine Stunde für eine Seite

Donald Duck auf Deutsch

Die Übersetzung der Texte in den Bildergeschichten ist eine diffizile Arbeit. "Der Humor ist von Sprache zu Sprache anders", sagt der Übersetzer. Bis zu einer Stunde sitzt er an der Übertragung einer Seite ins Deutsche. "Wenn man Glück hat mit dem Original, kann man es klassisch übersetzen." Doch das sei nicht so oft der Fall. Sprachlich sei alles verboten, was unter der Gürtellinie sei. Aber durch seine beiden 13 und 16 Jahren alten Söhne ist der 42-Jährige mit der Jugendsprache vertraut. Und so sind nun auch die Worte "krass" und "voll fett" von den Comicfiguren aus Entenhausen aufgeschnappt worden.

Daibenzeiher ist Autodidakt, er studierte nie Sprachen an einer Universität. Basis für die Anfänge sei sein Schulenglisch gewesen, erklärt er. Italienisch habe er sich später im Selbststudium beigebracht. Zuerst brachte er den Comic-Figuren Tom und Jerry und Bugs Bunny Deutsch bei. Eine Übersetzung für eine Bildergeschichte in einem Micky Maus-Heft umfasst zwischen zehn und 16 Seiten, ein Taschenbuch bis zu 50 Seiten.

Comics haben lange Vorlaufzeit

Donald Duck und der Euro

Das undatierte Handout zeigt die Comic-Figur Dagobert Duck, der auf einem Geldsack mit Euro sitzt. Geld macht doch gluecklich, jedenfalls, wenn man eine Menge davon besitzt. Das geht aus einer am Dienstag, 8. Januar 2002, veroeffentlichten britischen Studie hervor.

Die Lieblingsfigur des Schwabens unter den Disney-Helden ist Donald. Er sei sehr vielschichtig und reichhaltig und habe ein großes Spektrum, erklärt Daibenzeiher. "Das geht vom Tollpatsch, dem etwas zustößt, bis hin zum findigen Problemlöser, der am Ende an seiner eigenen Naivität scheitert und zum Schluss auf den Schnabel fällt." Auch Onkel Dagobert hat der 42-Jährige ins Herz geschlossen. Der Geizkragen und mehrfache Milliardär sei ein "schöner klassischer Großkapitalist aus der Gründerzeit." Ihm gefällt auch, wie beharrlich der Raffzahn ist.

Die Texte von Daibenzeiher liest immer noch einmal ein Redakteur des Verlags gegen. "Zu Problemen ist es noch nie gekommen", sagt der Übersetzer. Die Comics haben ein lange Vorlaufzeit, bis sie am Kiosk verkauft werden. Manchmal vergeht eine Zeitspanne von bis zu einem Jahr. Der Übersetzer hat zurzeit eine Ausgabe in Arbeit, die in rund drei Monaten erscheinen soll. Den Inhalt verrät er natürlich nicht.

Gute Literatur für Kinder

Als "wirklich gute Literatur" für Kinder sieht Daibenzeiher die Geschichten um Donald und seine drei Neffen Tick, Trick und Track. Seine beiden fünfjährigen Töchter blättern schon eifrig in Papas übersetzten Geschichten. Ein getreues Abbild des Alltags könnten die Texte aber nie sein. Die Realität sei einfach in ein Märchen verpackt, betont der Spezialist für Sprechblasen. AP/(pg)

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