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Kultur

Auf dem Weg zur Weltkarriere

33 Jahre ist sie alt, die Sopranistin Annette Dasch aus Berlin. Im Herbst gibt sie ihr Debüt an einem der bedeutendsten Opernhäuser der Welt: der New Yorker Metropolitan Opera.

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Natürlicher Klassikstar: die Sopranistin Annette Dasch

Das "Radialsystem" ist der jüngste Konzertort Berlins im Bezirk Friedrichshain, direkt an der Spree gelegen. Wer am Sonntag Nachmittag hierher kommt, kann die Sopranistin Annette Dasch ganz in ihrem Element erleben: Sie begrüßt die Gäste des von ihr gegründeten "Dasch-Salons", einer Mischung aus Talkshow und Liederabend. Sie moderiert und singt, begleitet von ihrer Schwester Katrin und dem Schwager Ulrich Naudé - allerdings nicht nur allein, sondern gern auch vor Gästen. Enger Kontakt zu ihrem Publikum ist Annette Dasch in ihrem Salon wichtig. Die Idee zu dem Salon entstand 2007 ganz spontan und ist typisch für die engagierte junge Sopranistin: "Ich hatte Hunderte von Interviews hinter mich gebracht, da habe ich gedacht: So, jetzt erstmal kurz Stopp, jetzt ist es an der Zeit etwas zu machen, was nichts mit Geld zu tun hat, bei dem man sich darauf zurückbesinnt, warum man ursprünglich diesen Beruf machen wollte."

Erst singen, dann sprechen

Portrait der Sängerin in wei-bunter Bluse, die Hände zum Gesicht gestreckt. EPA/Hans Klaus Techt +++(c) dpa - Report+++

Die Sängerin während einer Probenpause 2007 in Salzburg

Mittlerweile ist der "Dasch-Salon" ein Höhepunkt im Programm des "Radialsystems" und erfreut sich begeisterten Zuspruchs beim Publikum. Hier kann Annette Dasch mit ihrer natürlichen, frischen Art direkt auf ihre Fans zugehen und sie zum Mitsingen animieren. Das Singen ist der in Berlin geborenen Künstlerin quasi in die Wiege gelegt worden: In der Familie wurde immer Hausmusik gepflegt oder in Chören gesungen. Das Niveau im Hause Dasch war aber keineswegs laienhaft: Ihre Mutter ist Sängerin, die ältere Schwester Pianistin und Liedbegleiterin, der nächstjüngere Bruder Sänger einer Popgruppe. Die Entscheidung für ein Gesangsstudium sei erst allmählich gefallen, sagt Annette Dasch: "Ich habe eigentlich schon als kleines Kind gesungen, auch schon bevor ich sprechen konnte. Da gibt es lustige Kassetten-Aufnahmen, das Singen hat ganz früh angefangen."

Auf Vorbilder unter den berühmten Kolleginnen will sich Annette Dasch, die in München und in Graz studierte, nicht festlegen lassen, ebenso wenig wie auf ein Rollenklischee. "Eigentlich habe ich immer eher Ausschau gehalten nach Sängerinnen, bei denen ich das Gefühl hatte, sie sind individuelle Wege gegangen. Und ich habe versucht, mich darin zu bestärken, dass wenn man ein Stück liebt und das spielen möchte, dass das auch geht", erzählt die Sopranistin und rückt dann doch mit einem konkreten Vorbild heraus: "Felicity Lott ist für mich so ein Beispiel, denn die hat im 'Rosenkavalier' drei Rollen gesungen, bei denen man nicht sagen würde: Das ist typisch. Die hat einfach alles gemacht, weil sie es musste!"

Salzburger Entdeckung

Annette Dasch

Stimme mit barocker Opulenz

Den Durchbruch zur internationalen Karriere brachten drei Wettbewerbs-Erfolge im Jahr 2000 in Barcelona, Zwickau und in Genf. Mittlerweile ist Annette Dasch nicht nur als Konzertsängerin gefragt, sondern auch als Operninterpretin. 2006 debütierte sie bei den Salzburger Festspielen in Mozarts Oper "Il re pastore", ein Jahr später wurde sie in der Titelpartie der "Armida" von Joseph Haydn stürmisch gefeiert.

Die Kritiker loben vor allem ihren warmen Ton, ihre bewegliche Stimme und die Intensität des Ausdrucks. Zu ihren Lieblingskomponisten gehören eindeutig Mozart, Schubert und Schumann, deren Musik sie seit ihrer Kindheit begleitet hat. Wenn Annette Dasch im Herbst an der Metropolitan Opera in New York mit der Gräfin in Mozarts "Figaro" debütiert, wird das eindeutig ein neuer Höhepunkt ihrer Karriere. Doch von äußerlichem Glamour lässt sich die junge, selbstbewusste Sängerin nicht blenden: "Ich finde, so ein Haus muss sich beweisen durch inhaltliche Qualität. Ob die dort stimmt, muss ich erstmal in Erfahrung bringen. Das Haus ist schon toll, ich war noch nie dort."

Mit beiden Beinen auf der Erde

Annette Dasch mit rotem Pullover, heller Bluse, vermutlich vor einem Spiegel in der Garderobe. 01.04.2009 DW-TV TYPISCH DEUTSCH Annette Dasch

Bodenhaftung ist für sie wichtig: Annette Dasch

Mit ihren Auftritten in Talkshows wie jüngst beim Entertainer Stefan Raab will die Sopranistin helfen, Brücken zwischen Klassik und Popkultur zu schlagen. Ihre Bodenhaftung wird Annette Dasch bei allem Erfolg so schnell nicht verlieren. Trotzdem: Höhepunkte dürften gern so viele kommen, wie sie sich einstellen und leider werde man auch so ein bisschen süchtig nach ihnen, meint die Sopranistin, aber: "Ehrlich gesagt, lerne ich immer mehr, dass die Höhepunkte eher so inhaltliche Sachen sind, die einen tiefer berühren, als dass die größtmögliche Masse Leute einem zujubelt, dazu sind wir keine Popkünstler."

Autorin: Sigrid Hoff

Redaktion: Katja Lückert