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Nahost

Auf dem Weg zum Westjordanland Valley

Der palästinensische IT-Sektor boomt. Günstige Dienstleistungen, motivierte und talentierte Unternehmer locken internationale Auftragsgeber. Ob der Trend anhalten wird?

Nur wenige Kilometer östlich der Wirtschafts- und Lifestylemetropole Tel Aviv beginnt das Westjordanland. In den meisten Städten und Dörfern im Palästinensergebiet liegt die Wirtschaft brach, es gibt keine freie Exportwirtschaft und Investitionen bleiben aus. Nicht so in Ramallah, hier macht eine neue Erfolgsgeschichte die Runde: "Es gibt einen Boom der palästinensischen IT-Branche und eine hohe Nachfrage. Sehr viele Unternehmer gründen Startups", erklärt Husni Abu Samrah, Geschäftsführer des jungen Unternehmens Mobistine.

Das Startup ging 2010 an den Markt, Mobistine entwickelt Smartphone- und Tablet-Applikationen im Gesundheitsbereich für den arabisch- und englischsprachigen Markt. Zielgruppe sind Ärzte, Patienten und allgemein Interessierte. Mittlerweile beschäftigt Abu Samrah schon fünf Mitarbeiter.

Neue Chancen für junge Palästinenser

Husni Abu Samrah und zwei seiner Mitarbeiterinnen (Foto: Florian Mebes/DW)

Die IT-Branche zieht vor allem junge Palästinenser an

Die technische Entwicklung der vergangenen Jahre eröffnet jungen Palästinensern neue Perspektiven. Die internetaffine Generation drängt mit innovativen Ideen auf den Markt, der sonst wenige Alternativen bietet. Die Wirtschaft der Region sei schwach, sagt Abu Samrah, nicht alle Universitätsabsolventen fänden eine Beschäftigung. "Die IT-Branche ermöglicht es jungen Menschen, für internationale Unternehmen zu arbeiten, ohne Palästina verlassen zu müssen." Zwei Absolventen der "Bir-Zeit-Universität" bei Ramallah arbeiten für den Jungunternehmer.

2008 betrug der Anteil der IT-Branche am Bruttosozialprodukt Palästinas noch weniger als ein Prozent. Vier Jahre später sind es schon sieben Prozent - Tendenz steigend. Ein weiterer Grund für den Boom, glaubt Abu Samrah: "Uns stehen keine Grenzen, keine Hindernisse aufgrund der Besatzung im Weg, also können wir ohne Probleme mit internationalen Kunden zusammenarbeiten."

Nicht nur geografische Nähe

Die IT-Managerin Zika Abzuk (Foto: Cisco)

Die IT-Managerin Zika Abzuk

Der arabische Markt ist groß und verfügt über Potential, der palästinensische IT-Sektor kann hier wegen seiner geografischen Lage als Brücke zwischen Orient und Okzident agieren. Sogar "Cisco Israel", ein sogenannter Global Player im High-Tech-Sektor, vergab schon Forschungs- und Entwicklungsaufträge an palästinensische Unternehmen. "Es gibt so viele talentierte Leute dort. Außerdem erleichtern die kulturellen Parallelen die Zusammenarbeit", erklärt Zika Abzuk, und ergänzt: "Es ist viel billiger als in Indien."

Die Cisco-Managerin sitzt in einem Café im bürgerlich-vornehmen Stadtteil Ma'oz Aviv im Norden Tel Avivs. Hier, in der Gush-Dan Region, begann die Erfolgsgeschichte der Startup Nation Israel, die auch "Silicon Wadi" genannt wird - in Anlehnung an das kalifornische Vorbild. In Israel gibt es die weltweit meisten Neugründungen im Bereich der Informationstechnik in Relation zur Landesbevölkerung. Ein Vorbild für Palästina?

Wachstumspotential ist vorhanden: Palästina bringt jährlich 2000 Absolventen IT-relevanter Studiengänge hervor, und das Interesse an diesem Fachgebiet bei Studienanfängern bleibt groß. "Man spürt eine Atmosphäre voller Optimismus und Chancen. Aber man bräuchte auch Stabilität", findet IT-Managerin Zika Abzuk - und sieht hier die Politik in der Verantwortung, "um langfristige Strategien zu entwickeln und den IT-Sektor in Palästina wirklich zum Blühen zu bringen". Bis dahin seien die aktuellen Jungunternehmer als "Botschafter" ihrer Branche gefragt.

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