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Politik

Auf dem Weg in eine bessere Zukunft?

Formell betrachtet, macht Afghanistan Fortschritte. Das zeigt auch die Abhaltung der Loya Dschirga - dieser traditionellen Versammlung von Stammesvertretern. Dennoch sind Zweifel angebracht.

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Was sich im Loya Dschirga-Zelt abspielen wird, sollte aber die Realität im Lande reflektieren. Und genau das ist nicht der Fall. Und mit einer Demokratie, wie wir sie uns im Westen vorstellen, hat das Ganze auch herzlich wenig gemein. Letzteres wäre nicht unbedingt ein Problem, denn die westliche Demokratie MUSS ja nicht das Maß aller Dinge sein. Aber: Die sich da in Kabul treffen, sind aber so weit von diesem Ideal entfernt, dass man berechtigte Zweifel hegen muss, wie Delegierte, die in jeder Weise der Vergangenheit und einer völlig anderen Tradition verbunden sind - und auch verbunden bleiben wollen - den Grundstein legen können für ein anderes, ein modernes Afghanistan.

Den richtigen Weg zwischen althergebrachter Tradition und Moderne zu finden - das wird wohl eine der schwersten Aufgaben während der Loya Dschirga werden. Besonders bei der Diskussion des bereits veröffentlichten Verfassungsentwurfs. In ihm wird der Spagat zwischen Tradition und Moderne am deutlichsten: Afghanistan soll demokratische Institutionen erhalten, gleichzeitig aber "islamische Republik" bleiben, die sich freilich auch wieder absetzen will von radikalen islamistischen Tendenzen, wie sie zur Zeit der Taliban die Regel waren.

Warlords und Koran-Schüler

Eine fast ebenso schwere Aufgabe wird es sein, die alten Machtstrukturen im Lande zu brechen oder - weniger martialisch ausgedrückt - zu verändern. Gegenwärtig ist es in Afghanistan, wie es immer schon war: In Kabul sitzt eine Zentralregierung, deren Chef Hamid Karzai von seinen Gegnern als "Bürgermeister von Kabul" verspottet wird und dessen Macht tatsächlich kaum über die Stadtgrenzen hinaus reicht. Und das auch nur mit Hilfe der internationalen Truppe "ISAF" und der Amerikaner. Im Land selbst stützt Karzai sich auf dasselbe Netz lokaler Herrscher und "warlords", die Afghanistan immer wieder ins Elend gestürzt haben. Und in einer Reihe von Provinzen sind längst wieder die "Taliban" an die Macht gekommen, die sich mit Anhängern Karzais und mit den Amerikanern Gefechte liefern und Washington dabei immer häufiger vorführen:

Zwei Jahre nach dem Ende der Taliban-Herrschaft sind die radikalen "Koran-Schüler" wieder da. Ihr Anführer - Mullah Omar - entzieht sich ebenso erfolgreich dem amerikanischen Zugriff wie Osama Bin Laden dies tut. Die Sicherheitslage in weiten Teilen Afghanistans wird von Tag zu Tag schlechter und seine Rolle als weltweit wichtigster Drogen-Produzent immer bedeutender. All dies werden auch die besten Vorsätze bei der Loya Dschirga nicht ändern können und man muss sich wohin damit abfinden, dass der Weg Afghanistans in eine bessere Zukunft der Straße von Kabul nach Kandahar ähnelt: Wer sie benützt, weiß nie, ob er auch wirklich am Ziel ankommen wird ...