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Welt

Auf dem Weg in eine bessere Zukunft – Schulbildung für Mädchen in Ghana

Der Schulweg ist oft kilometerlang, die Schulen sind klein und überfüllt. Nur wenige haben Schulbücher, viele brechen die Schule ab. Die meisten von ihnen sind Mädchen.

Eine Schule in Ghana

Mädchen gibt es in dieser Schule nur wenige

Große Pause in der Saint-Joseph School in einem Stadtviertel von Accra, der Hauptstadt Ghanas. Auf dem staubigen Schulhof sind viel mehr Schüler als Schülerinnen zu sehen. Kein Wunder, sagt die Lehrerin Lucy Kwapong. Denn bei der Frage, welches Kind eine Ausbildung erhalte, entscheide in der Regel das Geschlecht. „Wenn Eltern zwischen einem Jungen und einem Mädchen wählen müssen, fällt die Entscheidung fast automatisch zugunsten des Jungen. Dann muss die Tochter zurückstehen, um im Haushalt zu helfen oder mit für den Unterhalt zu sorgen, während der Sohn ausgebildet wird.“

Eltern, schickt eure Töchter zur Schule

Ghana hat im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten eine recht hohe Alphabetisierungsquote. Doch alphabetisiert werden fast ausschließlich Männer. Die meisten Frauen können weder lesen noch schreiben. Die ghanaische Regierung hat deshalb 1997 eine große Kampagne zur Mädchenförderung gestartet. „Eltern, schickt eure Töchter zur Schule“ so hieß die Botschaft, die landesweit über Radio und Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Sonnenfinsternis Ghana

Schulkinder beobachten eine Sonnenfinsternis - es sind fast ausschließlich Jungen

In Gemeinden und Städten wurden so genannte „Girls Education Units“ ins Leben gerufen, Schulbildungseinheiten für Mädchen. Damit soll die Quote zwischen den Geschlechtern ausgeglichen werden, sagt Juliana Osei. Sie ist seit drei Jahren Mitglied einer solchen Einrichtung. „Wir wollen die Schulabbruchrate bei den Mädchen reduzieren und wir wollen, dass die Mädchen von der Grundschule in die untere und dann in die höhere Sekundarstufe aufsteigen – und von dort möglichst noch weiter. Und natürlich wollen wir erreichen, dass sich mehr Mädchen auch für die naturwissenschaftlichen Fächer wie Mathematik und Physik interessieren.“

Hausarbeit statt Hausaufgaben

Trotz aller Aufklärungskampagnen ist in den Köpfen vieler Ghanaer die traditionelle Vorstellung noch tief verwurzelt: die Frau muss an den Herd und der Mann aufs Feld. Armut ist daher zwar ein entscheidender aber eben auch nicht der einzige Grund dafür, dass so viele Mädchen die Schule abbrechen, sagt Comfort Regina Ametame, zuständig für Bildungspolitik in der Stadtverwaltung Obuasi. „Einige gehen auch von der Schule ab, weil sie keine Vorbilder haben, denen sie nacheifern könnten. Auch frühe Schwangerschaften führen immer wieder dazu, dass Mädchen die Schule verlassen. Es ist doch so, dass Jungs zuhause praktisch nichts tun müssen. Das sind so die althergebrachten Vorstellungen, das ist unsere ghanaische Tradition.“

Studentin in Magdeburg

Ein Mädchen aus Ghana hat Glück in Deutschland zu studieren

Besonders schlimm ist das Verhältnis in einigen ländlichen Gegenden. Dort kommt manchmal nur noch eine Schülerin auf zehn Schüler. Wirtschaftliche Not in vielen Familien zwinge die Mädchen, ihre Schuluniform an den Nagel zu hängen, um Geld zu verdienen, sagt Nelson Kuffour, ein Schulleiter in Obuasi. Einige Bauern schickten ihre Töchter in die Stadt, um Geld zu verdienen als Straßenverkäuferinnen, oder gar Straßenmädchen.

Falsche Prioritäten beim Geldausgeben

Es liege aber nicht nur an der Armut, dass die Familien zu wenig Geld für Bildung übrig haben, sagt Mia Mokesotu, Bildungsbeamtin in Tamale. Oft setzten die Eltern beim Geldausgeben falsche Prioritäten. Ob dies der Fall ist, lässt sich anhand eines Einkommen- und Ausgabendiagramm herausfinden. Und das Resultat ist häufig ernüchternd. „Meistens wird das Geld nämlich für Beerdigungen ausgegeben, Männer geben Geld für Frauen und Alkohol aus, Frauen für teure Kleider – das alles geht zu Lasten der Kinder. Und wenn wir den Eltern dies vor Augen führen, dann ist das Erstaunen oft groß.“

Armut und Traditionen sind Stolpersteine im Bildungswesen, die Hürden sind fehlende oder veralterte Infrastrukturen. Dennoch ist Lehrerin Lucy Kwapong im Hinblick auf die Zukunft der Mädchen recht optimistisch. Denn obwohl die Bräuche und Gewohnheiten hartnäckig und die Fortschritte klein sind, ist sie überzeugt, dass eines Tages alle Mädchen in die Schule gehen werden.

Autoren: Nana Esi Parry und Peter Koppen

Redaktion: Peter Koppen

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