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Auf dem Thron

Seit Jahrhunderten besteigen gekrönte Häupter ihn, um ihre Macht zu demonstrieren. Manche verzichten aber auch darauf – der Liebe wegen. Und manche thronen auf etwas, um sich einmal wie ein gekröntes Haupt zu fühlen.

Ach ja, das ist doch immer ein schönes Bild. Die Königin mit einer Krone auf dem Kopf, wie sie da am Arm ihres Gemahls im House of Lords auf den Thron zuschreitet, um von dort ihre traditionelle Rede zur Eröffnung des Parlaments zu halten. Immer noch ist das Zeremoniell dieser Thronrede Journalisten und Fotografen wichtig genug, um alljährlich davon zu berichten. Die Thronrede selbst, The Queen’s Speech, besteht indessen lediglich darin, das Programm der "Regierung Ihrer Majestät" zu verlesen. Kein Wort der Thronrede stammt von der Königin selbst.

Edles Design für Regierende

Auf einigen Fotos ist deutlich zu sehen, weshalb ein Thron – und nicht nur der von dem aus Elizabeth II. ihre Thronrede hält – mehr als eine Sitzgelegenheit ist. Auf einen Thron kommt nicht jedermann zu sitzen.

Der Thron von Karl dem Großen im Aachener Dom.

Nicht sehr prunkvoll: Der Thron Karls des Großen.

Ein Thron ist ein Herrschersitz, eine Art Sessel mit Arm- und Rückenlehnen, der aber keineswegs bequem sein muss. Er ist Symbol für die Macht und nicht zuletzt für den Reichtum des- oder derjenigen, der oder die ihn bestiegen hat. Symbolisch führen zum Thron Stufen; er ist der erhöhte Sitz der Könige und Königinnen, der Kaiser und Päpste, ja der Götter.

Thronbesteigung der Queen

Aber bleiben wir noch ein wenig bei der britischen Königin, bei Elizabeth II. Am 6. Februar 1952 war ihr Vater, König Georg VI., gestorben. Ihm folgt seine damals 25-jährige Tochter Elizabeth auf den Thron. Sie übernahm die Thronfolge – die Nachfolge in einer monarchischen Herrschaft. Mit der Krönung und der Thronbesteigung wird die monarchische Herrschaft angetreten.

Dies ist eine hochfeierliche Zeremonie, die Millionen Monarchisten in aller Welt an die Fernsehbildschirme lockt. Lang, lang ist es her, dass es einmal so eine richtige Krönung gab wie damals bei Lisbeth, wie Elizabeth II. von ihren deutschsprachigen Verehrerinnen und Verehrern liebevoll genannt wird. Sie wurde am 2. Juni 1953 in der Londoner Westminster-Abtei gekrönt. Dort befindet sich einer der berühmtesten Throne, nämlich der St. Edward’s Thron.

Salomos Beschreibung als Vorbild

Schon immer war der Thron Symbol irdischer und himmlischer beziehungsweise göttlicher Macht. Nicht zuletzt durch seine aufwändige Gestaltung mit kostbarsten Materialien wie Gold, Silber, edlen Hölzern oder Edelsteinen versinnbildlicht der Thron die Nähe zum Göttlichen. Der alttestamentarische Gott regierte von einem Thron aus.

Im Buch der Könige heißt es von König Salomo, dem Repräsentanten Gottes auf Erden: "Der König schuf einen großen Thron von Elfenbein und überzog ihn mit edelstem Gold. Und der Thron hatte sechs Stufen und hinten am Thron waren Stierköpfe und es waren Lehnen auf beiden Seiten am Sitz und zwei Löwen standen an den Lehnen. Und zwölf Löwen standen auf den sechs Stufen zu beiden Seiten. Dergleichen ist nie gemacht worden in allen Königreichen."

Historische Überleitung auf die Gegenwart

Eine Frau, die auf einem Sofa erhöht sitzt mit einigen Besen im Hintergrund

Sie thront auf einem Sofa.

Der Thron Salomos wurde bis ins 20. Jahrhundert von bildenden Künstlern und Architekten zum Vorbild genommen. Denn ein Thron ist etwas aus der Mode gekommen. Das vom lateinischen thronus abgeleitete Wort Thron wird im heutigen Sprachgebrauch fast nur noch in historischem Zusammenhang gebraucht.

Oder das Bild des Thrones wird verwendet. So sagt man beispielsweise von jemandem, der sich sehr wichtig nimmt und das auch zeigt, der oder die sitzt auf einem hohen Thron. Oder jemand thront auf etwas – will heißen, er sitzt erhöht. Und jemand, der auf dem Thron ist, der sitzt umgangssprachlich auf der Toilette.

Königliche Wackelei

Edward der VIII. vor einem Mikrofon.

Edward VIII. verzichtete 1936 auf den Thron.

Aber wie wir wissen, Selbsterhöhung oder Hochmut kommt vor dem Fall und nicht selten beginnt genau jener Thron zu wackeln, auf den jemand selbstherrlich gesetzt oder auch gehoben wurde. Und wenn der Thron erst mal zu wackeln beginnt, dauert es im Allgemeinen nicht mehr allzu lange, bis die auf dem Thron sitzende Person von selbigem gestoßen wird. Sinnbildlich versteht sich. Dieses Schicksal erfuhr zum Beispiel Napoleon I., der sich selbst zum Kaiser krönte.

Manche Inthronisierte lassen sich aber nicht stoßen – sie gehen freiwillig. Sie verzichten auf den Thron, etwa der Liebe wegen. So geschehen Mitte Dezember 1936, als der damalige britische König Eduard VIII. zugunsten seines jüngeren Bruders abdankte. Der Grund war die geschiedene Bürgerliche Wallis Simpson, die der Ex-König schließlich 1937 heiratete.

Goethes Jüngstes Gericht

Ob sie sich alle dereinst wie der große Napoleon im Gedicht Johann Wolfgang von Goethes "vor Gottes Thron" verantworten müssen – wer weiß das schon:

"Am jüngsten Tag vor Gottes Thron,

stand endlich Held Napoleon,

der Teufel hielt ein großes Register,

Gegen denselben und seine Geschwister;

War ein wundersam verruchtes Wesen,

Satan fing an es abzulesen, … ."

Fragen zum Text

Der Thron ist ein Symbol für …

1. Göttlichkeit.

2. Maßlosigkeit.

3. ewige Liebe.

Mit einer Thronbesteigung beginnt …

1. ein feierliches klassisches Konzert

2. ein Kirchenfest.

3. die Herrschaft eines Monarchen.

Jemand sitzt auf einem hohen Thron bedeutet …

1. jemand sitzt auf einer Toilette.

2. jemand nimmt sich sehr wichtig.

3. jemand hat viel Geld.

Arbeitsauftrag

Wählen Sie sich eine Person der Geschichte aus, die einen Thron bestiegen hat. Beschreiben Sie das Leben dieser Person in einer kurzen Biografie.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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