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Aktuell Nahost

Auf dem Sinai gekidnappte Ägypter sind frei

Eine Woche dauerte das Geiseldrama um sieben auf der Sinai-Halbinsel verschleppte ägyptische Soldaten und Polizisten. Jetzt kamen die Entführten überraschend auf freien Fuß. War der Aufmarsch der Armee ausschlaggebend?

Die Kidnapper ließen die vier ägyptischen Soldaten und drei Polizisten in Al-Hafn im Süden der Provinzhauptstadt Al-Arisch frei. Für die ägyptische Armee war der Aufenthaltsort der Geiseln eine Überraschung, wie ein Sprecher erklärte. Der Sicherheitsdirektor der Provinz Nord-Sinai, General Samih Beschadi, teilte mit, es habe keine Gefechte und kein Blutvergießen gegeben.

Nach Angaben des ägyptischen Innenministers Mohammed Ibrahim waren die Entführer unter anderem mit schweren Maschinengewehren und Luftabwehrraketen bewaffnet. Verhandlungen mit den Entführern habe es nicht gegeben, örtliche Beduinenführer hätten jedoch auf sie eingewirkt, ergänzte er.

Armee marschiert auf

Am Mittwoch hatte ein Großaufgebot ägyptischer Sicherheitskräfte damit begonnen, weiter östlich an der Grenze zu Israel und dem palästinensischen Gazastreifen gelegene Dörfer zu durchkämmen. So umstellten Soldaten das Dorf Salaheddin im Bezirk Scheich Suwaid mit Panzern. Zuvor hatten Angehörige des Einsatzkommandos mehrere Häuser in einem anderen Dorf im selben Bezirk gestürmt. Über dem Gebiet kreisten laut Augenzeugen drei Kampfflugzeuge und mehrere Hubschrauber.

Zuvor hatte die ägyptische Armee in die Region eine größere Anzahl von Truppen und Militärfahrzeuge verlegt (Artikelbild). Dies geschah in Abstimmung mit der israelischen Regierung, denn das Gebiet auf dem Sinai ist gemäß dem ägyptisch-israelischen Friedensabkommen von Camp David 1979 eine entmilitarisierte Zone.

Entführer sind Dschihadisten

Die Entführer stammen aus dem Umfeld militanter Islamisten. Sie hatten mit der Geiselnahme versucht, inhaftierte Gesinnungsgenossen aus ägyptischen Gefängnissen freizupressen. Darauf gingen die Verhandlungsführer der Regierung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi allerdings nicht ein. Sie boten jedoch die Verlegung der Häftlinge in ein anderes Gefängnis an. Sie sind wegen der Beteiligung an Terroranschlägen auf eine Polizeistation und Touristen im Nord-Sinai 2011 in Haft. Dabei waren mehrere Menschen getötet worden.

Die ägyptischen Polizisten und Soldaten waren am Donnerstag vergangener Woche auf dem Weg von der palästinensischen Grenzstadt Rafah nach Al-Arisch verschleppt worden. Nach der Veröffentlichung einer Video-Aufnahme, in der die Geiseln Mursi bitten, die Forderungen der Entführer zu erfüllen, war seine Regierung unter Druck geraten.

Seit den Massenprotesten, die im Februar 2011 zum Sturz des Langzeitpräsidenten Husni Mubarak führten, hat sich die Sicherheitslage auf dem Sinai erheblich verschlechtert, vor allem im Norden der Halbinsel.

se/sti (afp, ape, rtre, dpa)