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Auf dem Damm

Sie dienen als Schutz vor Wasser, man kann über sie gehen, fahren, laufen und flanieren: Dämme beziehungsweise Deiche. In mancher Situation ist der begriffliche Unterschied allerdings unwichtig.

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Auf dem Damm

Nicht nur bei Unwetterkatastrophen wie Hochwasser, Flutwellen und Sturmfluten ist er in aller Munde: der Damm. Auch in übertragener Bedeutung taucht er in Schlagzeilen oder Medienberichten gern auf. So titelte eine große deutsche Zeitung beispielsweise 2001, als es um den erfolgreichen Versuch US-amerikanischer Forscher ging, einen menschlichen Embyro zu klonen: „Dammbruch oder Chance“. Sprachlich gesehen muss zunächst jedoch mit einem Irrtum aufgeräumt werden: dem synonymen Gebrauch von „Damm“ und „Deich“.

Der kleine, aber feine Unterschied

Das überflutete Frankfurt an der Oder während der Oderflut 1997 (picture alliance)

Im Jahr 1997 hielten die Deiche auch bei Frankfurt an der Oder den Wassermassen nicht stand

Berichtet beispielsweise jemand von einem „Dammbruch“ südlich von Frankfurt an der Oder ist damit eigentlich ein „Deichbruch“ gemeint. Ist „Damm“ also gleich „Deich“ und umgekehrt? Klares Nein. Sie haben zwar vieles gemeinsam, aber gerade die Unterschiede lohnt es, zu betrachten.

Die Definition, dass ein Damm „eine Erderhöhung zum Schutz gegen vordringendes Wasser“ ist, und dies besonders am Meer, gilt auch für den Deich. Seltsamerweise hat sich aber redensartlich „Dämme gegen die Flut“ und nicht „Deiche gegen die Flut“ gehalten.

Bollwerk und Verbindendes

Sylt-Shuttle auf dem Hindenburgdamm (picture alliance/dpa/A. Heimken)

Der Hindenburgdamm verbindet das Festland mit der Insel

Jedenfalls sind beide ein von Menschenhand errichtetes Bollwerk gegen das Wasser zum Schutz des Landes. Während Deiche IMMER diese Art trennende Funktion haben, sind Dämme auch dazu da, Verbindungen herzustellen.

Zum Beispiel zwischen dem Festland und einer Insel. Bekanntes Beispiel dafür ist in Deutschland der „Hindenburgdamm“, der zur Insel Sylt führt. Dass eine solche Erdaufschüttung stabil sein muss, versteht sich von selbst.

Der Knüppeldamm

Ein Knüppelweg im Wald mit dicken, aneinandergelegten Rundhölzern (picture alliance/ZB/P. Pleul)

Ein ziemlich unbequemer „Damm“, der Knüppeldamm

„Damm“ ist in erster Linie ein anderes Wort für einen gebahnten und befestigten Weg. Der kann ganz unterschiedlich aussehen und selbstverständlich unterschiedlichen Zwecken dienen. Da gibt es den Knüppeldamm, ein aus dicht aneinandergelegten und zusammengefügten Rundhölzern bestehender Weg, der zumeist durch sumpfiges Gelände führt.

Ein Knüppeldamm hat eigentlich immer etwas Behelfsmäßiges. Das liegt am Material und den örtlichen Gegebenheiten. Die meist auf Armlänge geschnittenen groben Rundhölzer ergeben keine bequem zu begehende Wegstrecke. Sie wirkt wie ein Provisorium und ist nur Mittel zu dem Zweck, mehr oder weniger trockenen Fußes wieder auf festen Untergrund zu kommen.

Bahndamm und Kurfürstendamm

Berlin Kurfürstendamm mit Geschäften (Imago)

Berlins „gepflasterte Fahrstraße“, der Kurfürstendamm

Ist der Knüppeldamm noch ein mitunter quietschendes und knarrendes und leicht schwankendes Wegstück, so haben wir es beim Bahndamm mit einem soliden und exakt ausgeführten Bau zu tun. Er ist im wahrsten Wortsinn die Grundlage für jede Eisenbahnstrecke. Auf beziehungsweise in ihm ruhen in einem Schotterbett, kleinen, spitzen Steinstücken, die Schwellen, über die dann die Schienenstränge gelegt werden.

Wenn man sich vorstellt, welche Energien frei werden, wenn sich Intercity-Expresszüge mit hoher Geschwindigkeit in die Kurve legen, wird klar, dass Bahndämme gewaltigen Kräften standhalten müssen. Der wahrscheinlich berühmteste Damm Deutschlands ist der Kurfürstendamm in Berlin. Er gilt als eine der Prachtstraßen der Hauptstadt. Sein Name verweist auf eine der beinahe vergessenen Bedeutungen von Damm, nämlich „gepflasterte Fahrstraße“.

Der Damm und die Redensarten

Eine erkältete Frau, die sich die Stirn hält und mit einem Taschentuch die Nase schneuzt (Colourbox)

Ich bin gar nicht auf dem Damm!

Auf einem solchen Weg kommt man gut vorwärts. Und anders als in unwegsamem Gelände kann man sich sicher bewegen. Wahrscheinlich ist daraus die Redensart „(wieder) auf dem Damm sein“ beziehungsweise „nicht auf dem Damm sein“ abgeleitet. Wer „nicht auf dem Damm“ ist, der ist krank. Und wem es dann wieder besser geht, der wird gefragt: „Na, bist du wieder auf dem Damm?“

Wer „jemanden auf den Damm brachte“ sorgte früher dafür, dass man dieser Person weiterhalf. Wenn allerdings redensartlich „alle Dämme brechen“,  muss man sich nur bildlich vorstellen, wie das schützende Bollwerk bei extremen Wetterbedingungen nicht mehr standhalten kann und kaputtgeht.

Emotionale Dammbrüche

Egal, ob beispielsweise aus schlimmem Liebeskummer, aus Trauer um den Tod eines geliebten Menschen oder aus Wut: Alle Dämme brechen. Tränen fließen, verschaffen Trauernden Linderung. Wütende schreien, verschaffen sich so eine „Öffnung“ ihrer Gefühle. In solchen Situationen ist es wie bei den Schutzwällen: Sie können nicht mehr standhalten. Und dann ist es ziemlich egal, ob es eigentlich heißen müsste: „Alle Deiche brechen“.

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