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Auf allen Kanälen unterwegs

In der Schifffahrt sind sie ein wichtiger Transportweg. Venedig wäre ohne sie nicht das, was es ist: die Kanäle. Den Kanal voll hat manchmal der ein oder andere, der auf verschiedenen Kanälen unterwegs ist.

Verbindungen sind im Allgemeinen eine gute und nützliche Sache. Sie können freundschaftlicher, ja liebevoller Natur sein, aber auch unglücklich und sogar tragisch. Neben solchen menschlichen Verbindungen gibt es aber auch rein technische – oder chemische – oder physikalische. Eine ganz besondere Verbindung ist in ihrer vielfältigen Form und Bedeutung fast so alt wie die Geschichte des Menschen: Der Kanal. Das Wort bezeichnete zunächst einen künstlichen Wasserlauf, später wurde es auch für Leitung oder Rohr benutzt. Entlehnt ist es aus dem italienischen canale, was Röhre, Rinne, Wasserlauf bedeutet.

Der längste Kanal

Schiffe befahren den Großen Kanal, auch Kaiserkanal genannt, der Stadt Wuxi

Der längste Kanal der Welt

Die ersten und ältesten Kanäle waren Bewässerungskanäle und Schifffahrtswege. Bereits im fünften Jahrhundert vor Christus wurde in China mit dem Bau des Kaiserkanals begonnen. Er ist mit mehr als 1800 Kilometern die längste Wasserstraße der Welt und wird immer noch befahren.

In Europa gibt es seit dem ersten nachchristlichen Jahrhundert Kanäle. Karl der Große wollte mit der Fossa Carolina, dem Carolinischen Graben, eine Verbindung zwischen Rhein und Donau schaffen. Das ehrgeizige Vorhaben scheiterte jedoch an den zu jenen Zeiten unüberwindbaren technischen Schwierigkeiten.

Die Kammerschleuse macht 's möglich

Die Stadtschleuse des Finowkanal in Eberswalde

Schleusen erleichtern die Kanalfahrt

Erst 1845 konnte mit dem Ludwigs-Kanal zwischen Bamberg und Kelheim dieses Projekt verwirklicht werden. Die Erfindung der Kammerschleuse machte es ab dem ausgehenden 15. Jahrhundert möglich, Kanäle zu bauen, die nicht spiegelgleich waren.

Vorher konnten nur Kanäle gebaut werden, die in ihrem gesamten Streckenverlauf dasselbe Niveau des Wasserspiegels hatten wie die Flüsse, zwischen denen sie die Verbindung herstellten.

Be- und Entwässerungskanäle

Entwässerungskanal

Sie verstopfen leicht: Entwässerungskanäle

In Frankreich, England, Belgien, den Niederlanden und auch in Deutschland wurde der Kanalbau seit dem 16. Jahrhundert mit großer Intensität betrieben. Diese Entwicklung fand ihren Begriff in dem Wort Kanalisierung.

Außer den großen und kleinen schiffbaren Kanälen gab und gibt es aber auch Kanäle, die anderen Zwecken dienen. Da sind zum einen die Bewässerungskanäle in Trockengebieten und zum anderen die Entwässerungskanäle, die Wasserüberschüsse ableiten.

Kännel und Suonen

Kännel oder Suone in den Schweizer Bergen

Kanäle in luftiger Höhe

Natürlich gibt es immer noch die einfachen Wassergräben oder Rinnen am Straßenrand, in die früher auf den Dörfern alles irgendwohin floss. Kännel hießen sie – die Nähe zu Kanal ist unüberhörbar. In einigen Regionen Süddeutschlands und der Schweiz hat sich Kännel als Ausdruck für die Regenrinne am Dach erhalten.

In den Bergen des Schweizer Kantons Wallis bezeichnen Kännel ausgehöhlte Baumstämme, die auf abenteuerliche Weise an den Felsen aufgehängt sind. Über sie – beziehungsweise die in den Stein gehauenen Suonen – wird Gebirgswasser ins Tal zur Bewässerung geleitet.

Kloaken


Eine Rinne mit Regenwasser am Straßenrand

Auf dem Weg in die Kanalisation

Bis jetzt haben wir nur von überirdischen Kanälen gesprochen. Es gibt aber auch unterirdische oder überdeckte. Diese Leitungswege dienen nicht nur dem Abführen von Regen- und Schmutzwasser, sondern all dem, was sonst noch weggespült werden muss.

Bereits im antiken Rom gab es einen solchen überbauten Kanal, der Cloaca maxima hieß, womit Sinn und Zweck dieses Bauwerks hinlänglich beschrieben ist. Erst im 19. Jahrhundert wurde in den Städten systematisch mit dem Bau solcher Kanalsysteme, der Kanalisation, begonnen.

Kanalarbeiter …

Dreieckiges Warnschild vor Kanalarbeiten

Vorsicht Kanalarbeiten!

Damit immer alles schön fließen kann, warten Kanalarbeiter regelmäßig das ganze System. In der Regel weniger schmutzig ist die Arbeit einer besonderen Art von Kanalarbeitern. Es sind unauffällig arbeitende Politiker einer Partei, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Manche können auch kanalisieren, das heißt Meinungen, Ansichten, Sachverhalte in eine bestimmte Richtung lenken, zusammenführen und oft zu einer Lösung beitragen.

… und Kanalarbeiter

Bronzestatue eines Kanalarbeiters, die den Kopf aus einem Kanaldeckel herausstreckt

Manche Kanalarbeiter arbeiten verdeckt

Kanalarbeiter war aber auch der Name einer einflussreichen Gruppierung von Bundestagsabgeordneten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der SPD. Aktiv war diese Gruppierung in den Jahren 1957 bis 1982.

Die Legende will es, dass sich die Kanalarbeiter zusammenfanden, weil sie den Kanal voll hatten. Sie hatten es satt, in der Bundestagskantine nicht satt zu werden. Denn dort waren die Essensportionen zu klein. Aus Protest brachten sie eigene Würstchen mit, liehen sich das Kantinenbesteck und aßen die Würstchen öffentlichkeitswirksam auf. Die Kanalarbeiter blieben weiter unbequem – auch politisch.

Besondere Kanäle

Fernbedienung

Auf allen Kanälen unterwegs mit der Fernbedienung

Diese Aktion lief noch nicht auf allen Kanälen. Damals gab es sowieso noch nicht so viele – anders als heute in Zeiten des Internetradios und Satellitenfernsehens. Kanal ist nämlich auch die Bezeichnung für den Frequenzbereich eines Radio- oder Fernsehsenders.

Läuft etwas auf allen Kanälen, wird es von vielen Sendern ausgestrahlt. Mancher Zuschauer ist auf allen Kanälen unterwegs, er zappt sich von einem Programm zum nächsten. Ganz oft ist das der Fall, wenn geheime oder dunkle Kanäle aufgedeckt werden. Man muss ja schließlich informiert sein. Das Bild der geheimen oder dunklen Kanäle wird gerne benutzt, wenn zum Beispiel "schmutzige" Gelder ins Ausland verschoben werden.

Das Verbindende

Besonders beliebt sind bestimmte Inseln. Die Kanalinseln gehören nicht zu der Liste dieser Inseln. Diese Inselgruppe vor der französischen Nordküste hat ihren Namen vom Ärmelkanal, dem Verbindungsweg zwischen dem Atlantik und der Nordsee. Womit wir wieder am Anfang sind: der Eigenschaft des Kanals als ganz besonderer Form einer nützlichen Wasserverbindung. Schiff ahoi!



Fragen zum Text

Ein Kanal …

1. ist eine natürliche Meeresstraße.

2. mündet in einen Fluss.

3. ist künstlich angelegt.

Unterirdische Abwasserkanäle heißen auch …

1. Klothonen.

2. Kloaken.

3. Klosetts.

Ich habe den Kanal voll sagt jemand, der …

1. verärgert ist.

2. zu viel Fernsehen geschaut hat

3. genug "schmutziges" Geld beiseite geschafft hat.

Arbeitsauftrag

Bilden Sie drei Arbeitsgruppen. Stellen Sie sich vor, in Ihrer Stadt gibt es kein gut funktionierendes unterirdisches Kanalsystem. Verfassen Sie ein fiktives offizielles Schreiben an die Stadtverwaltung. Begründen Sie darin, warum Sie den Bau von unterirdischen Abwasserkanälen für notwendig erachten. Tragen Sie Ihre Schreiben in der Gruppe vor und diskutieren Sie über die einzelnen Vorschläge.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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