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Französischer Wahlkampf in Moskau

Audienz im Kreml: Putin empfängt Le Pen

Mitten in der heißen Phase des französischen Präsidentschaftswahlkampfs besucht die Rechtspopulistin Le Pen den russischen Präsidenten. Die ambitionierte EU-Gegnerin hofft auf Rückenwind für ihre politischen Positionen.

Einen Monat vor der ersten Wahlrunde in Frankreich ist die Präsidentschaftskandidatin der Partei Front National (FN), Marine Le Pen, in Moskau von Staatschef Wladimir Putin empfangen worden. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete das Treffen, die erste Begegnung der beiden überhaupt, als "normale Praxis". Trotzdem ist eine solche Zusammenkunft so kurz vor einer Wahl ungewöhnlich. Normalerweise trifft der Kreml-Chef laut Protokoll dann eher den Staats- oder Regierungschef.

Putin beteuerte dann auch laut russischen Nachrichtenagenturen, Moskau wolle "auf keinen Fall" Einfluss auf die politischen Ereignisse in Frankreich nehmen. Die Regierung in Moskau habe das Recht, alle französischen Politiker zu treffen. "Ich weiß natürlich, dass der Wahlkampf in Frankreich läuft", sagte er, "aber wir behalten uns das Recht vor, mit den Repräsentanten aller politischen Kräfte eines Landes zu sprechen. Die Politikerin repräsentiere ein "politisches Spektrum" in Europa, das sich rasch entwickle. "Es sei "interessant", sich mit der Front-National-Chefin über die Entwicklung der bilateralen Beziehungen auszutauschen, sagte Putin.

Le Pen für stärkere Zusammenarbeit mit Russland

Le Pen hatte Putin wiederholt gelobt. Bei ihrem Treffen mit dem Kremlchef warb sie für engere bilaterale Beziehungen. Dabei sprach sich Le Pen für eine enge Kooperation beider Länder im Kampf gegen den Terrorismus aus. In Gesprächen mit russischen Abgeordneten kritisierte die Rechtspopulistin die EU-Sanktionen gegen Russland. Le Pens offensichtliches Kalkül für den Schulterschluss mit dem Kreml dürfte der Versuch sein, sich kurz vor der Wahl als Außenpolitikerin zu präsentieren, bislang nicht gerade ihr Schwerpunkt.

Keine Finanzhilfen für den FN

Kremlsprecher Peskow betonte, Putin und Le Pen hätten nicht über Finanzhilfen für den FN gesprochen. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, Le Pens Partei bemühe sich um einen Kredit in Russland.

Die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl findet am 23. April statt, eine Stichwahl ist für Anfang Mai vorgesehen. Im Rennen um die Nachfolge des unpopulären sozialistischen Präsidenten François Hollande sehen Umfragen derzeit den parteilosen Mitte-Links-Kandidaten Emmanuel Macron und Le Pen vorn. In der zweiten Wahlrunde dürfte Le Pen gegen den pro-europäischen Kandidaten Macron keine Chance haben.

qu/uh (dpa, afp, rtre)