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Dieselgate

Audi ruft 850.000 Diesel in die Werkstatt

Nach Daimler hat auch der zum Volkswagen-Konzern gehörende Autobauer Audi eine freiwillige Rückrufaktion für Diesel-Fahrzeuge auf den Weg gebracht. Geplant ist ein Software-Update.

Die VW-Tochter Audi will angesichts der Diskussion um Diesel-Fahrverbote bis zu 850.000 Fahrzeuge nachrüsten lassen. Über ein Softwareupdate soll das "Emissionsverhalten" von Autos mit Sechs- und Achtzylinder-Dieselmotoren mit den Abgasnormen Euro-5 und Euro-6 verbessert werden, wie Audi am Freitag in Ingolstadt mitteilte. Das Update sei für die Kunden kostenlos und in Europa sowie anderen Märkten außerhalb der USA und Kanada verfügbar.

"Damit will Audi dazu beitragen, die Gesamtemissionen in den Innenstädten zu reduzieren", hieß es vom Unternehmen. Der Service gelte auch für Modelle der Marken Porsche und Volkswagen, die mit baugleichen Motoren ausgerüstet sind.

Alle Motor-Getriebevarianten mit Dieselantrieb würden vom Unternehmen weiterhin auf Unregelmäßigkeiten geprüft, wobei Audi mit den Behörden eng zusammenarbeite. Die nun angebotene Umrüstung sei freiwillig und bestehe auch aus bereits zugesagten Maßnahmen.

Anders als die Konkurrenz plant BMW vor dem Diesel-Gipfel der Bundesregierung in anderthalb Wochen keine Rückrufaktion. "Wir sehen dazu keine Veranlassung vor dem 2. August", sagte ein Sprecher des Münchner Autobauers am Freitag. Es gebe keinen Grund zur Hektik. BMW bleibe bei der ursprünglichen Offerte, Euro-5-Motoren in Deutschland für die Kunden kostenlos nachzurüsten. Der Münchner Autohersteller geht von "mindestens 350 000 Fahrzeugen" aus, die nachgerüstet werden können. Am 2. August ist in Berlin ein Spitzentreffen mit Vertretern des Bundes, der Länder und der Autohersteller zur Zukunft des Diesel-Antriebs geplant.

Druck aus Brüssel

Die EU-Kommission erhöht unterdessen den Druck auf Mitgliedstaaten und Hersteller. EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska forderte in einem Brief an die Verkehrsminister der 28 EU-Staaten die Stilllegung der betroffenen Autos, wenn sie bis Jahresende nicht umgerüstet sind. Besonders deutlich wurde Bienkowska gegenüber Volkswagen.

"Ich erwarte von Volkswagen eine Rückrufquote von 100 Prozent", schrieb sie in dem Brief, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt und über den zuerst die "Wirtschaftswoche" und die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatten. Die EU-Kommissarin forderte darin alle Verkehrsminister zu verpflichtenden Rückrufaktionen auf, wie sie bereits in Deutschland und Frankreich angeordnet worden seien. Autos, die die EU-Normen nicht erfüllten, müssten 2018 "aus dem Verkehr gezogen werden".

Generelle Fahrverbote für Dieselautos lehnte sie allerdings ab. Dies könnte zu einem "rasant kollabierenden Diesel-Markt" führen, was den Herstellern nur Mittel entziehen würde, um in emissionsfreie Autos zu investieren.

Vorwürfe des Bundesverkehrsministers

Volkswagen gab am Freitag bekannt, dass der Pflicht-Rückruf für 2,4 Millionen VW-Dieselfahrzeuge, aus denen eine illegale Motor-Software entfernt werden muss, bis zum Herbst abgeschlossen werden soll.

Anfang Juni war Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit dem Vorwurf "unzulässiger Abschalteinrichtungen" gegen Audi an die Öffentlichkeit gegangen, dabei handelte es sich um 24.000 Oberklasse-Audis.

Am Dienstag beschloss das bayerische Kabinett Maßnahmen für bessere Luft in den Großstädten des Bundeslandes. Konkret setzt die Staatsregierung auf eine zügige Nachrüstung von Diesel-Autos der bayrischen Hersteller Audi und BMW, die von den Autobauern bezahlt werden sollen. Der Stuttgarter Autobauer Daimler hatte ebenfalls am Dienstag angekündigt, europaweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge nachzubessern.

VW-Konzernchef sieht "Kampagne"

Kurz vor Bekanntgabe der freiwilligen Rückrufaktion von Audi hatte der Chef des Mutterkonzerns Volkswagen, Matthias Müller, im Zusammenhang mit der Diskussion um Fahrverbote und den Schadstoffausstoß von Dieselfahrzeugen von einer "Kampagne" gesprochen. "Die gegen den Dieselmotor laufende Kampagne ist heftig, der Marktanteil des Diesels rückläufig", sagte Müller der "Neuen Zürcher Zeitung". "Doch man tut dem Diesel unrecht. Ich plädiere für eine sachliche, ausgewogene Diskussion." Die neuesten Diesel-Generationen seien "sehr gut", vor allem beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid-Gases (CO2).

ul/zdh/bea (dpa, rtr, afp)

 

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