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Politik

Auch Wirtschaft braucht Frieden

50.000 Betriebe stehen vor dem Bankrott, die Arbeitslosigkeit ist auf ein Rekordhoch von nahezu elf Prozent gestiegen. Zerfressen von dem ungelösten Palästinenserkonflikt steckt Israel mitten in einer Wirtschaftskrise.

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Terror in Israel - die Touristen bleiben weg

Ein Besuch im Jerusalemer Felsendom, Vorbeischlendern an der Klagemauer und zum Abschluss Strandvergnügen am Toten Meer. Urlaub in Israel. In den vergangenen Jahren reisten rund 2,5 Millionen Touristen jährlich ins Heilige Land. Doch seit dem Ausbruch der zweiten Intifada stehen heute die meisten Hotels leer, in der Jerusalemer Altstadt sitzen die Souvenirhändler tatenlos vor ihren Läden. Die Zeiten, in denen zahlreiche Besucher durch die engen Straßen strömten, sind vorbei. Einzig die Veranstalter von Pauschalreisen nach Israel werben heute noch mit den historischen Stätten des Christentums oder den heißen Clubnächten in Tel Aviv. Doch in Wirklichkeit ist die Tourismusbranche seit 1999 um mehr als die Hälfte eingebrochen. Sie war einst die Wirtschsftsbranche Nummer eins.

Krisenstimmung

In der Vergangenheit ließen die Touristen umgerechnet rund fünf Milliarden Euro jährlich an ausländischen Devisen im Land. In diesem Jahr wird die Zahl auf eine Milliarde zurückgehen. Mehr als 50.000 Menschen haben bereits ihre Arbeit in der Tourismusbranche verloren, Experten schätzen, dass noch einmal so viele in Kurzarbeit geschickt werden. Zwischen 30 und 40 Prozent der Hotels sind derzeit geschlossen, ob und wann sie wieder öffnen, ist ungewiss.

Auch in der High-Tech-Branche herrscht nach der Sause der vergangenen Jahre Katerstimmung. Für Israel war die New Economy neben dem Geschäft mit den Touristen in den vergangenen Jahren der wichtigste Erwerbszweig. Zu ihren Hochzeiten wurde die Anzahl der an der New Yorker Wall Street notierten Technologiefirmen nur von den USA übertroffen. Während in den Vereinigten Staaten mehr als 240 Millionen Menschen leben, sind es in Israel gerade einmal sechs Millionen. "Die Krise der New Economy war für das Land katastrophal", sagt der Nahost-Experte Alfred Wittstock von der Universität Mainz im Gespräch mit DW-WORLD. Über 80.000 Menschen arbeiteten in der Branche für Informationstechnologie (IT), mehr als 16.000 haben bisher ihre Arbeit verloren.

Tiefkühlpizza statt Drei-Gänge-Menü

Grund für die Wirtschaftsmisere: Der anhaltende Palästinenser-Konflikt, den viele mittlerweile unumwunden als Krieg bezeichnen. Auch das öffentliche Leben hat sich seit Ausbruch der Intifada entscheidend verändert. Abends ins Kino und danach schick essen gehen – für viele Israelis im Moment tabu. Zu oft waren die Orte des täglichen Lebens in den vergangenen Monaten Ziel terroristischer Anschläge.

Einzig die Rüstungsbranche kann derzeit einen Boom verzeichnen. Aufträge werden vor allem von der israelischen Armee vergeben, kommen aber auch aus dem Ausland: Die Attentate vom 11. September vergangenen Jahres haben das weltweite Sicherheitsbedürfnis steigen lassen - und bei Militärtechnik kann Israel einiges an Know-How vorweisen. Rüstungsexporte machen mittlerweile rund ein Viertel der Ausfuhren aus.

Leere Kassen überall

Eingreifen kann der Staat in die wirtschaftliche Misere nicht – die Staatskassen sind leer. Rund zehn Milliarden Euro, so schätzen Experten, haben die Auseinandersetzungen mit den Palästinensern in den vergangenen zwei Jahren gekostet. Ein Ende der Krise - politisch und wirtschaftlich - ist nicht in Sicht.

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