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Einmischung in den US-Wahlkampf

Auch Twitter findet russische Propaganda-Profile

Nun hat auch Twitter eingeräumt, mutmaßlich aus Russland gesteuerte Accounts entdeckt zu haben, mit denen im US-Wahlkampf Propaganda betrieben worden sein soll. Rund 200 verdächtige Nutzerkonten wurden stillgelegt.

Bei der Aufarbeitung des Verdachts einer russischen Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf im vergangenen Jahr stand Twitter bisher weniger im Fokus als Facebook. Jetzt hat auch Twitter eingestanden, möglicherweise für russische Einmischung in den US-Wahlkampf benutzt worden zu sein.

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Demnach hat Twitter bei einer Untersuchung rund 200 Profile mit mutmaßlichen Russland-Verbindungen gefunden, die Stimmungsmache in den USA betrieben haben sollen. Der Kurznachrichtendienst entdeckte dabei eigenen Angaben zufolge zunächst 22 Accounts, die direkt zu den zuvor von Facebook ausgemachten rund 450 verdächtigen Profilen gehörten. Mit ihnen verbunden gewesen seien 179 weitere Twitter-Konten.

Diejenigen von ihnen, die gegen Nutzungsregeln von Twitter verstießen, seien blockiert worden, teilte das Unternehmen mit. Sie seien nicht als Werbekunden registriert gewesen. Unklar ist, inwieweit Twitter mit seinen Untersuchungen über eine Prüfung im Umfeld der von Facebook gefundenen Profile hinausging.

Politiker von Demokraten und Republikanern vermuten, dass Russland im vergangenen Jahr soziale Netzwerke missbrauchte, um Propaganda zu verbreiten und die Wahl zugunsten von Donald Trump zu beeinflussen. Die Regierung in Moskau hat dies stets zurückgewiesen. Trump hat erklärt, es habe keine Geheimabsprachen zwischen Russland und seinem Wahlkampfteam gegeben. Die Affäre wird unter anderem in mehreren Kongressausschüssen aufgearbeitet. Ausländische Einmischung in den Wahlkampf ist in den USA grundsätzlich verboten.

Twitter-Führung im US-Kongress vorgeladen

Twitter-Vizechef Colin Crowell traf nach Angaben des Unternehmens bereits am Donnerstag hinter verschlossenen Türen Vertreter des US-Kongresses, die die Vorwürfe der russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf untersuchen. Senator Mark Warner, der eine führende Rolle in dem zuständigen Geheimdienstausschuss spielt, zeigte sich danach sehr unzufrieden. Der Bericht von Twitter sei enttäuschend und inadäquat gewesen. "Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sie verstehen, wie ernst das Problem ist." Twitter erklärte hingegen, weiterhin mit den Ermittlern zusammenarbeiten zu wollen.

Twitter steht schon länger in der Kritik, nicht streng genug gegen Missbrauch vorzugehen. So erlaubt das Unternehmen anonyme Nutzerkonten und den Einsatz sogenannter Bots, die automatisch Botschaften absetzen. Twitter versprach allerdings nun, die Maßnahmen gegen mutmaßliche Spam-Accounts zu verschärfen. Zudem sollen wie bei Facebook die Regeln für politische Werbung überarbeitet werden. Nach Angaben des Unternehmens gab etwa die kremlnahe Mediengruppe Russia Today 274.100 Dollar für Twitter-Werbung aus.

Twitter teilte mit, man unternehme massive Anstrengungen, um die Plattform sauber zu halten. Weltweit entdeckten die automatisierten Systeme des Kurznachrichtendienstes 3,2 Millionen verdächtige Accounts pro Woche. Das seien doppelt so viele wie vor einem Jahr.

qu/sti (dpa, afp, rtr)