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Vom Gesicht eines Präsidenten

Auch Make-up half nicht: Frankreichs Präsident Macron immer unbeliebter

Noch nie hat ein französisches Staatsoberhaupt so schnell an Vertrauen bei den Landsleuten verloren wie Emmanuel Macron. Hohe Rechnungen seiner Visagistin sorgen zusätzlich für reichlich Häme und Kritik.

Nach der Sommerpause und seinen Gesprächen in Osteuropa wird sich der ehemals strahlende Parteigründer und Wahlsieger Emmanuel Macron auch um sein schwindendes Ansehen bei den Franzosen kümmern müssen. Denn mit Wirtschafts- und Arbeitsmarktreformen steht der französische Präsident vor großen Herausforderungen. Die Wähler, die ihn einst begeistert gefeiert und unterstützt hatten, gehen immer stärker und immer schneller auf Distanz.  

Ästhetik und Eitelkeit 

Der Popularitätsverfall des mit so viel Vorschusslorbeeren gestarteten Macron während der ersten Monate im Amt ist größer als bei allen bisherigen Präsidenten. Wie sein Vorgänger muss sich der 39-Jährige zusätzlich dafür rechtfertigen, was er sich seine äußere Erscheinung kosten lässt. Das Magazin "Le Point" machte öffentlich, wie viel Macron in seinen ersten drei Monaten als Staatschef für sein Make-up ausgegeben hat: immerhin satte 26.000 Euro. Seine Visagistin habe zwei Rechnungen ausgestellt, eine über 16.000 Euro und eine zweite über 10.000 Euro. Der Élyséepalast bestätigte die Summe.

Nach Macrons Amtsantritt im Mai habe man dringend eine externe Visagistin beauftragen müssen, sagte ein Berater des Staatschefs dem Sender France Info. 

Frankreich - Krisentreffen Griechenland Angela Merkel und Francois Hollande (Getty Images/B. Guay)

Für exakt 9895 Euro im Monat: François Hollandes Haarpracht immer gut frisiert (hier mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, l.)

Hollandes Friseur 

Die Geschichte erinnert an die Berichte über das Gehalt des persönlichen Friseurs von Ex-Präsident François Hollande: Knapp 10.000 Euro bekam dieser pro Monat, wie das Enthüllungsblatt "Le Canard Enchaîné" im Juli 2016 dargelegt hatte. Ein Regierungssprecher begründete dies damals mit den langen Arbeitszeiten des Friseurs. Dieser frisiere Hollande jeden Morgen sowie erneut vor jeder öffentlichen Äußerung, falls nötig auch am Wochenende. Denn: Monsieur le Président könne schließlich "nicht mit zerzaustem Haar auftreten".

Frankreich Emmanuel Macron, vor Rede in Versailles (Reuters/E. Laurent)

Liebt die Inszenierung im Stile eines Königs: Emmanuel Macron

Den stets um einen souveränen und majestätischen Auftritt bemühten Macron treffen die Berichte über die Rechnungen seiner Visagistin zu einem Zeitpunkt, da seine Umfragewerte alarmierend sinken. Nach einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Ifop ist mittlerweile eine Mehrheit von 57 Prozent der Befragten unzufrieden mit dem Präsidenten, wie das Blatt "Le Journal de Dimanche" berichtet. Zufrieden äußerten sich nur noch 40 Prozent. Das ist ein Rückgang von 24 Prozentpunkten seit Juni und 22 Punkten gegenüber der ersten Erhebung nach Amtsantritt im Mai. Einen vergleichbaren Umfragen-Absturz musste zwar 1995 der Konservative Jacques Chirac hinnehmen. Selbst er verlor in den Umfragen zwischen Mai und August aber nur 20 Punkte.

Bereits Macrons Zwischenbilanz fiel laut einer Ifop-Umfrage Mitte August schlecht aus. Dabei bewerteten nur 36 Prozent der Befragten die ersten 100 Tagen im Amt des Staatschefs positiv.

Die soziale Frage 

Kürzungen beim Wohngeld und die Auseinandersetzung um eine Lockerung des Arbeitsrechts und eine Modernisierung der Wirtschaft dürften zum Stimmungswechsel bei der Bevölkerung beigetragen haben. Auch der öffentliche Streit mit führenden Militärs ist offenbar nicht gut angekommen. Der sozialliberale Präsident muss erst beweisen, ob er sich gegen die einflussreichen Gewerkschaften durchsetzen kann.

Linke Politiker kritisieren Macrons Reformpläne als unternehmerfreundlich und fürchten einen breiten Abbau von Arbeitnehmerrechten. Sie sehen in Macron sowieso nur den verhassten Ex-Wirtschaftsminister und ehemaligen Rothschild-Investmentbanker.      

SC/as (rtr, dpa, afp)

 

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