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Asien

Auch Japanerinnen Ehefrauen von IS-Kämpfern?

Dass manche junge Frauen ein Leben als Ehefrau eines IS-Kämpfers attraktiv finden, wird in Deutschland breit thematisiert. Über Japanerinnen hörte man in diesem Zusammenhang bislang nichts – ein Fall von (Selbst)zensur?

Unter rund 1300 ausländischen Frauen und Kindern, die in Nordirak derzeit in einem Flüchtlingslager leben und vorher Teil der Familien von IS-Kämpfern waren, sollen sich auch fünf japanische Staatsbürger befinden, Frauen und möglicherweise auch Kinder. Die Nachrichtenagentur AP zitiert einen Vertreter der irakischen Sicherheitskräfte lediglich dahingehend, dass sich unter den 1300 Lagerinsassen Angehörige von 14 Nationen befänden. Dass darunter auch Japan sei, berichtet bislang nur das japaische Magazin "Shukan Bunshun". Bislang wurde überhaupt erst ein Fall bekannt, dass sich ein Japaner dem IS anschließen wollte. Es handelte sich um einen Studenten aus Hokkaido, der sich "der Revolution anschließen" wollte und festgenommen wurde. Von der Regierung gibt es bislang keine Informationen über die angeblichen Japanerinnen, die sich dem IS angeschlossen hätten.

In jüngster Zeit konnte man ein - leicht - gesteigertes Interesse unter jungen Japanern an nahöstlicher Kultur und Religion erkennen, insbesondere Frauen fanden sich bisweilen bei Aktivitäten rund um die Moschee im Tokioter Bezirk Shibuya ein. Ein Sprecher des japanischen Muslimverbandes teilte mit, er wisse nichts über Japanerinnen, die sich im Irak dem IS angeschlossen hätten.

Irak | Frau mit Kind in einem Lager in der Nähe von Mossul (picture-alliance/AP Photo/B. Szlanko)

Frau mit Kind in einem Lager für ausländische IS-Angehörige in der Nähe von Mossul

Parellelen zur Aum-Sekte

Dennoch hält der Medienwissenschaftler Makoto Watanabe von der Hokkaido Bunkyo Universität es für plausibel, dass junge Japanerinnen ganz ähnlich wie junge Europäerinnen den Verlockungen von IS-Werbern im Internet erlegen sind. Watanabe zufolge können Desorientierung und gesellschaftliche Isolation durch die ausschließliche Kommunikation innerhalb sogenannter sozialer Netzwerke junge Menschen anfällig für Sinnangebote durch Extremisten machen – in Japan ebenso wie im Westen.

Watanabe zieht eine Parallele zur endzeitlichen Sekte Aum Shinrikyo, die den Sturz der Regierung propagierte. Als einige ihrer Anhänger 1995 einen Giftgasangriff in der Tokioter U-Bahn durchführten, mit zwölf Toten und Tausenden Verletzten, war das Ende der Sekte besiegelt. "Die Menschen, die sich diesem Kult anschlossen, versuchten ihrem Leben einen Sinn geben und fühlten sich von einer Organisation mit einem starken Glaubensbekenntnis angezogen", sagt Watanabe. "Ganz ähnlich ist es mit jungen Japanern, die sich vom Islamischen Staat angezogen fühlen."

Tag der Volljährigkeit in Japan (picture-alliance/Photoshot)

Watanabe: "IS-Ideologie kann auch bei Japanern verfangen"

Tabu-Thema

Dennoch: Falls sich tatsächlich Japanerinnen IS-Kämpfern als deren Frauen angeschlossen haben, werden sie in Japan bei ihrer Rückkehr auf wenig Verständnis oder Sympathie stoßen. Allerdings müssen sie wohl kaum mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen. Watanabe zufolge wird das Thema japanischer Ehefrauen  des IS von Japans Medien totgeschwiegen. Man wolle wohl nicht Japans Image beflecken, könnte ein Grund sein. Außerdem seien japanische Medien fast ausschließlich auf einheimische Skandale um Politiker und TV-Stars konzentriert. Und schließlich hält es der Medienexperte für mehr als wahrscheinlich, dass es von Seiten der Regierung Anweisungen an Medienkonzerne gegeben habe, solche Meldungen nicht zu verbreiten.

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