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Fußball

Auch Indonesien im Fußball-Fieber

In Europa steigt die EM - und auf der anderen Seite des Globus feiern die Indonesier mit, selbst wenn das heißt: lange wach bleiben. Bei der UEFA EURO 2012 haben sie vor allem einen Favoriten: "Team Panzer".

"Neueeer!" - "Sweinsteiger!". Bei Yani und ihren Freunden sind die Vorlieben klar: Deutschland wird Europameister, keine Frage. "Es ist ein Geist, ein Feuer in ihrem Spiel", sagt die 28-jährige Indonesierin und lacht. Um sie herum sind alle Tische der internationalen Bar "Die Stube" besetzt. Es ist EM-Zeit - und die Indonesier sind voll im Fußball-Fieber.

Eifrig tippt Yani in ihr Smartphone, zeigt auf die Twitter-Einträge ihrer Freunde: "Sie alle unterstützen Deutschland, weil die Spieler so gut sind - das sieht man ja in der Bundesliga", sagt sie. "Und alle wollen das deutsche Spiel sehen." Aber nicht nur diese Partie.

Rushhour bis spät in die Nacht

Nacht für Nacht herrscht auf der Jalan Kemang Raya Hochbetrieb wie sonst nur zur Rushhour: Stoßstangendicht schieben sich SUVs (Sport Utility Vehicle) die Straße entlang, Mopedfahrer schlängeln sich geschickt durch den dichten Verkehr. Die Bars im Szeneviertel Kemang im Süden Jakartas sind schon um Mitternacht voll besetzt.

Indonesische Fußball-Fans in der internationalen Bar Die Stube in Jakarta (Foto: DW/ Monika Griebeler)

Die EM in Europa löst auch in Indonesien Fußball-Fieber aus

Dabei wird vielen Fans einen Monat lang das Aufstehen vielleicht etwas schwerer fallen: Die EM-Spiele starten hier mit fünf Stunden Zeitverschiebung: mitten in der Nacht - und das an Tagen, die in Indonesien ohnehin früh beginnen. "Wacht auf, schaut hier die Euro 2012" wirbt eine Bar um die Fußballgucker. Suryadi, Besitzer eines Straßencafés im Süden Jakartas erzählt: "Wir haben uns sogar ein spezielles Menü für die EM überlegt. Wir feiern einen Monat lang eine Fußball-Party."

Public Viewing sogar auf dem Dorf

Ein indonesischer Fernsehsender überträgt alle Spiele, 27 davon live, vier zeitversetzt. An einzelnen Standorten im Großraum Jakarta bietet der Sender auch Public Viewing für die Fans an. Und selbst im abgelegenen Regierungsbezirk Nord-Barito auf Borneo steht mitten auf einem Dorffeld eine Leinwand. "Wir haben so viele SMS erhalten, mit der Bitte, hier Public Viewing einzurichten", erklärt Bezirkssprecher Arbaidi dem "Jakarta Globe".

Auch in den Seitenstraßen der Jalan Kemang Raya, den Pförtnerhäuschen, den Holzverschlägen der Motorrad-Taxifahrer - überall läuft Fußball. "Indonesier lieben den Sport - auch wenn die Nationalmannschaft wirklich schlecht ist", sagt Aryo. Er und seine Frau haben es sich an der Bar der "Stube" bequem gemacht - als echte Fans mit deutschem Trikot und Schweißband.

In der FIFA-Rangliste ist Indonesien in den vergangenen zehn Jahren von Platz 92 auf 151 gerutscht. Der nationale Fußballbund PSSI wird gerade von Korruptionsvorwürfen und Führungsstreitigkeiten heimgesucht.

Deutscher Angriff ist berüchtigt

Die Indonesierinnen Virdie und Yani beim Fußball gucken in der internationalen Bar Die Stube in Jakarta. (Foto: DW/ Monika Griebeler)

Virdie und Yani schauen Fußball in der "Stube" in Jakarta.

Deshalb orientieren sich die Fans international: "Wir unterstützen Deutschland bei jedem Turnier - sie sind die talentierteste Mannschaft und bei EM außerdem mit das jüngste Team", sagt Aryo. Nurdin hält dagegen zu Russland: "Gerade nach dem ersten Spiel glaube ich, dass sie die besten Chancen haben." Und Virdie entscheidet sich pragmatisch für die Niederlande und Spanien: "Deren Spieler sind sehr hübsch." Als der deutsche Nationalspieler Thomas Müller bei der Hymne in die Kamera zwinkert, quietschen sie und Yani vor Freude.

Die Deutschen haben einen guten Ruf - trotz eines unrühmlichen Spitznamens: "In Indonesien heißt das Team "Der Panzer", weil sie den besten Angriff haben und unbedingt Tore schießen wollen", erklärt Yani. Ihr gefällt der offensive Stil sehr - und wenn es so weiter läuft wie im Spiel gegen Portugal, stehen die Chancen für ein Weiterkommen der Deutschen nicht schlecht. So oder so - in Indonesien wird bis Ende Juni die Nacht zum Tag gemacht.