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Nahost

Auch der Nahe Osten spürt die Finanzkrise

In Berlin haben Wirtschaftsexperten aus Europa und Nahost über die Auswirkungen der Finanzkrise diskutiert. Das Erdöl ist für die Region Fluch und Segen zugleich.

Erdölfeld in Algerien (dpa)

Der Preisverfall des Erdöls macht sich im Nahen Osten besonders bemerkbar

"Das ist nicht unsere Krise", erklärt Saffet Molvali in einer Mischung aus Stolz und Zufriedenheit. Als Vorstandsmitglied einer türkischen Holding ist er überzeugt, dass sein Land von der weltweiten Finanzkrise relativ wenig betroffen sei. Der Grund sei ganz einfach, dass die Türkei in den letzten Jahren mehrere ernste Wirtschaftskrisen durchgemacht und ihre Lehren daraus gezogen hätten. Mit dieser Sicht der Dinge steht Molvali allerdings ziemlich alleine da auf der Konferenz des "Nah- und Mittelost-Vereins" in Berlin. Das Thema: "Auswirkungen und Herausforderungen der globalen Finanzkrise auf die Wirtschaft des Nahen Osten".

Die anderen Teilnehmer sehen die Dinge weniger positiv. Zakaria Ahmed Hejres von der Wirtschafts-Entwicklungsgesellschaft Bahrein hält die Finanzkrise für ein globales Problem, das globale Lösungen erfordert. "Es ist jetzt die Aufgabe multilateraler Organisationen wie des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, zu kommen und zu helfen."

Fehlende Investitionen bedrohen die Infrastruktur

Nachdem die Wirtschaftsentwicklung in fast allen Bereichen Einbrüche erlitten habe, sei es jetzt in erster Linie wichtig, das Vertrauen der Verbraucher wiederherzustellen. Denn ohne Vertrauen gebe es keine Investitionen. Und ohne die können selbst besonders dringliche Aufgaben wie der Aufbau einer soliden Infrastruktur und eines umfassenden Bildungssystems sowie die Konsolidierung des nahöstlichen Finanzsystems nicht erfüllt werden.

Baustelle in Dubai (AP)

Droht Dubai ein Ende des Baubooms?

Die Folgen der Finanzkrise im Nahen Osten sind durchaus unterschiedlich. Während Dubai zum Beispiel mit einem scharfen Rückgang der Investitionen und einer wachsenden Verschuldung zu kämpfen hat, sind die Folgen in Oman kaum zu spüren. Auch Kuwait scheint relativ unbeeinträchtigt geblieben zu sein. Ganz zu schweigen vom Iran: Das Land hat zwar wachsende Wirtschaftsprobleme, diese sind aber überwiegend hausgemacht. Ihm kommt zugute, dass es wegen der internationalen Sanktionen nicht im gleichen Maße auf den internationalen Finanzmärkten mitgemischt hat wie andere Staaten.

Erdölförderung als möglicher Weg aus der Krise

Gleichzeitig, betont Hejres, unterscheide sich die Finanzkrise in der Region allerdings durch einen wesentlichen Faktor von anderen Ländern: das Erdöl. Denn das Öl fließt weiter und die Ölindustrie sorgt für Beschäftigung. "Das wird helfen, das Wachstum dieser Staaten zu erleichtern." Doch diejenigen, die gedacht hatten, der Ölpreis werde auf seinem hohen Niveau bleiben oder gar noch weiter ansteigen, haben sich verkalkuliert. Sie leiden jetzt besonders unter den Folgen des Preisverfalls.

Zakaria Ahmed Hejres sieht trotzdem Grund zur Zuversicht. Denn viele Organisationen der Region arbeiten im internationalen und regionalen Kontext, zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds und der OECD. "Dies ist ein Planet, wir alle leben hier und wir alle versuchen und arbeiten sehr hart daran, das Wachstum dieser globalen Wirtschaft zu stabilisieren. Und das ist für alle eine 'win-win-Situation'."

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