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Wirtschaft

Auch Audi und Porsche unter Druck

Der Abgas-Skandal lässt dem Volkswagen-Konzern keine Verschnaufpause. Jetzt geben auch die Premiumtöchter Audi und Porsche zu, bereits seit 2009 eine Software eingebaut zu haben, die nach US-Gesetz unzulässig ist.

Aus den Vorwürfen der US-Behörden ist nun Gewissheit geworden: Auch in größeren Dieselautos von VW und den Konzerntöchtern Audi und Porsche hat eine verbotene Software für niedrigere Abgaswerte gesorgt. Audi räumte am Montagabend die Installation eines Programms in V6 TDI 3,0-Liter-Motoren ein, das in den USA als illegale Schummelsoftware gilt. Ein Porsche-Sprecher bestätigte in Stuttgart, dass von den Ermittlungen der US-Behörden etwas 13 000 Cayenne-Moderlle betroffen seien. Bisher sei man nur von 3000 Autos ausgegangen. Porsche bezieht die Diesel-Motoren von Audi.

Audi wiederum hatte in den USA nur zugegeben, bei 2,0-Liter-Motoren gezielt getrickst zu haben. Als der Abgas-Skandal im September ins Rollen kam, hatte der später zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn schnell ein umfassendes Schuldgeständnis im Namen des Konzerns abgegeben. Die Anfang November von den US-Umweltbehörden EPA und CARB erhobenen Vorwürfe gegen den größeren, von der Tochter Audi entwickelten Motor waren bislang aber stets abgestritten worden.

Programme nicht offengelegt

Der Konzern bemühte sich, den Fall vom bereits gebeichteten Skandal abzugrenzen und als vermeintliches Missverständnis mit den US-Aufsehern um eine eigentlich legitime Software darzustellen. Nun teilte Audi aber mit, den US-Behörden seit 2009 in Zulassungsverfahren insgesamt drei Programme nicht offengelegt zu haben. Eines davon werde nach geltender US-Gesetzgebung als "Defeat Device" betrachtet. So bezeichnen EPA und CARB verbotene Programme zur Manipulation von Abgas-Messwerten.

Defeat Devices, auf Deutsch als Abschalteinrichtung bezeichnet, können feststellen, ob sich ein Auto im Emissionstest befindet. Nur dann wird die Abgasreinigung voll aktiviert. Im Normalbetrieb ist die Luftverpestung deutlich höher als auf dem Prüfstand. Der Einbau solcher Software verstößt gegen US-Klimaschutzgesetze und kann mit drastischen Strafen geahndet werden. VW drohen immense Bußgelder, teure Rechtsstreitigkeiten und hohe Rückrufkosten.

Audi will kooperieren

Zwar bestreitet Audi weiter eine vorsätzliche Täuschung. Ein Sprecher sagte, es handele sich bei dem strittigen Programm nicht um eine Manipulations-Software: "Dann müsste das System auf dem Prüfstand anders agieren als auf der Straße - das ist aber nicht der Fall. Das Fahrzeug erkennt nicht, wenn es auf dem Prüfstand steht." Für die US-Regulierer zählt aber, dass die Software in den USA illegal ist und der Hersteller sie über Jahre nicht vorschriftsgemäß angemeldet hat.

Audi hat nach eigenen Angaben mit den Umweltbehörden weitere Schritte der Zusammenarbeit vereinbart und volle Kooperation versprochen. Der Verkaufsstopp für die betroffenen Modelle sei bis auf weiteres verlängert worden. Das Unternehmen werde das Programm nun überarbeiten, detailliert dokumentieren und in den USA erneut zur Genehmigung vorlegen. Das Unternehmen schätzt den finanziellen Aufwand auf "einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag".

"Technisch und finanziell überschaubar"

Unterdessen kommt VW wenigstens in Europa bei der Bewältigung des Skandals voran. Für mehr als 90 Prozent der betroffenen Konzernfahrzeuge in Europa seien inzwischen Lösungen bestätigt, sagte Vorstandschef Matthias Müller laut Redemanuskript am Montag in Wolfsburg vor rund 1000 Führungskräften. Dabei sei der Aufwand für die Nachrüstung "technisch, handwerklich und finanziell überschaubar".

Bei Autos mit 1,6 Liter-Motoren sind laut Müller keine "grundlegenden Eingriffe" am Motor notwendig - wie VW zunächst angenommen habe. Für die Autos seien neben einem Software-Update zwar auch Hardware-Maßnahmen erforderlich. Dabei gehe es aber um "relativ einfache Veränderungen", sagte Müller.

Bei der Abgas-Software geht es um Werte für das gesundheitsschädliche Stickoxid. Mitte September hatte Volkswagen eingeräumt, weltweit elf Millionen Dieselfahrzeuge mit diesen verbotenen Programmen ausgestattet zu haben. Außerdem aber hatte VW bei 800.000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht. Konzernchef Müller kündigte an, Mitte Dezember einen Zwischenbericht zum Skandal vorlegen zu wollen.

wen/cr (rtrd, dpa, afpd)