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Fußball

Aubameyang: "Ich lebe meinen Kindheitstraum"

Schneller Wagen, schneller Typ: Pierre-Emerick Aubameyang kommt zum DW-Interview mit seinem Lamborghini vorgefahren. Ein Gespräch über Extravaganz, Familiengefühle in Dortmund und die Konkurrenz mit den Bayern.

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Pierre-Emerick Aubameyang: "Wir wollen die Bayern schlagen"

Es beginnt mit einem 30 Meter Sprint - vom Trainingsheim bis zum Pressecontainer, wo wir mit ihm zum Interview verabredet sind: Pierre-Emerick Aubameyang legt diese Strecke, auf der er schneller sein soll als Sprintstar Usain Bolt, aber nicht zu Fuß zurück, sondern im Lamborghini - nur eines seiner fünf Autos, wie er uns verrät. Röhrend hält der orangene Bolide vor uns und ein ziemlich lässiger Typ steigt aus: Umgedrehtes Basecap, jede Menge Schmuck und ein riesige Brille. Aubameyang erweckt bewusst viel Aufmerksamkeit mit Äußerlichkeiten - dabei wirkt er an vielen Stellen dieses Gesprächs auch nachdenklich und reflektiert.

DW: Monsieur Aubameyang, ein Jahr Dortmund, eine Saison beim BVB. Hat Sie das als Fußballer und vielleicht auch als Mensch verändert?

Pierre-Emerick Aubameyang: Naja, ich habe einiges erlebt. Erst einmal die Bundesliga allgemein, die wirklich super ist. Jedes Wochenende ist das Stadion voll, das ist schon ziemlich anders. Letztes Jahr, als ich in Frankreich gespielt habe, war das nicht immer so. Es macht hier einfach Spaß, manchmal ist es wie in einem Traum. Ich habe beim BVB die Champions League kennengelernt - eine weitere wichtige Erfahrung für mich und ein Kindheitstraum.

Was unterscheidet die franzöische Ligue 1 von der Bundesliga?

Ich denke, dass die Mannschaften hier mehr auf den Ball gehen. Selbst wenn ein Bundesliga-Team dabei ist zu verlieren, spielt es weiter und macht Druck. Ich erinnere mich zum Beispiel an das Spiel zuhause gegen Freiburg. Am Ende haben wir 5:0 gewonnen, aber Freiburg machte einfach weiter, attackierte uns, das war beeindruckend. So macht es Spaß, Fußball zu spielen.

Einige ihrer Kollegen beschreiben Borussia Dortmund wie eine Familie. Haben Sie auch das Gefühl, hier eine neue Familien gefunden zu haben?

Ja, natürlich! Wenn man zum Beispiel die Fans sieht, die sind einmalig. Sie halten immer zu uns, ob wir gewinnen oder verlieren. Ich fühle mich wirklich wie in einer Familie, die mich übrigens sehr schnell integriert hat. Alle Mitspieler haben mir dabei geholfen, eigentlich war es sogar sehr einfach. So ähnlich habe ich da auch schon beim AS Saint-Etienne erlebt, nur hier ist alles noch viel größer.

Klopp mit Aubameyang (Foto: dpa)

Aubameyang über Klopp: "Die Beziehung zu ihm ist gut. Wir reden viel miteinander, auch wenn ich zuletzt weniger spiele."

Wie ist ihr Verhältnis zum Vater dieser Familie, Jürgen Klopp?

Das ist ganz gut. Er hat sofort Vertrauen in mich gesetzt. Gut, im Laufe der Saison hat er dann aus taktischen Gründen mal mit mir, mal ohne mich spielen lassen. Aber ich vertraue meinem Trainer. Er weiß, was er tut. Die Beziehung zu ihm ist in jedem Fall gut. Wir reden weiter viel miteinander, auch wenn ich zuletzt etwas weniger gespielt habe.

Was haben sie von Jürgen Klopp gelernt?

Vor allem verteidigen! (lacht) Beim Defensivverhalten hat mir der Trainer auch einiges angekreidet, da musste ich mich verbessern. Aber ich bin dabei zu lernen und das auf hohem Niveau. Jetzt muss ich noch konstanter in meinen Leistungen werden.

Sie haben 13 Tore erzielt in der Bundesliga, dazu vier Torvorlagen gegeben. Aber Sie wurden auch zehn Mal nur ein- und zwölf Mal ausgewechselt. Wie lautet ihrer persönliche Bilanz dieser Saison?

Zuerst einmal ist sie positiv. Es bleibt trotz allem eine gute Saison, denn 13 Bundesligatore im ersten Jahr beim BVB sind eine gute Bilanz. Aber natürlich ist da auch ein bisschen Enttäuschung, denn ich hatte erwartet, schon ein bisschen mehr zu spielen, das stimmt schon. Aber ich muss mich nun einfach noch ein Stück verbessern zur kommenden Saison.

Und wie?

Ich werde weiter im Training an mir arbeiten, ackern eben. Ich muss mich auf verschiedenen Ebenen steigern, zum Beispiel vor dem Tor. Ich will meine Chancen nutzen und ein großer Spieler werden.

Die Bundesliga und auch der DFB-Pokal waren in den letzten Jahren geprägt von der Rivalität zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Wie erleben Sie die Konkurrenz zwischen beiden Teams?

Das ist ein Clasico. Das sind die größten Mannschaften des Landes, es ist ein Duell der Giganten. Diese Begegnungen sind einfach super zu spielen und die Stimmung ist fantastisch.

Sie sind so etwas wie der TGV der Bundesliga. Es heißt, Sie seien sogar schneller als Usain Bolt. Würden Sie gerne einmal gegen ihn laufen?

Warum nicht, eines Tages vielleicht. Das wäre nett, auch wenn ich keine Chance hätte. Die Leute sehen immer meine Zeit über 30 Meter und sagen dann: Das ist doch besser als Usain Bolt! Aber über 100 Meter ist es unmöglich, an ihn ranzukommen. Trotzdem ist es natürlich schön, dass die Leute das denken. Ich wollte mein Leben lang immer schnell sein. Als ich jünger war, hatte ich Wachstumsphasen, in denen ich überhaupt nicht schnell war. Jetzt habe ich die Schnelligkeit wieder, das freut mich wirklich.

Welche Rolle spielt die Geschwindigkeit im Fußball?

Ich glaube, dass sie heute sehr wichtig ist. Sie passt zum Beispiel gut zum Spiel des BVB, das sehr schnell ist und schnell nach vorne geht. Wenn wir Konter spielen, kann ich schneller sein als alle anderen. Also ist es natürlich wichtig.

Pierre-Emerick Aubameyang (Foto: Getty)

Aubameyang über seine Frisur: "Sie macht mich noch schneller, weil sie aerodynamisch geschnitten ist!" Aha.

Und wie viele Zehntelsekunden verlieren Sie dann durch Ihre Frisur?

(Lacht) Sie macht mich noch schneller, weil sie aerodynamisch geschnitten ist! Nein, das passt schon. Sie stört mich nicht.

Jürgen Klopp findet Ihre Frisur ein bisschen verrückt. Und, ehrlich gesagt, gab es einige Leute hier in Dortmund, einer Arbeiterstadt, die zu Beginn etwas irritiert waren von ihren Autos, ihren Schuhen, ihren Klamotten - kurz: von Ihrem "Bling-Bling-Stil": Aber was sagt Ihr Stil wirklich über Sie aus?

Ich drücke mich gerne darüber aus, ganz einfach. Es geht mir nicht darum, den Leuten zu zeigen, was ich mir alles leisten kann. Überhaupt nicht. Ich habe einfach Glück gehabt, dass ich mir schöne Dinge kaufen kann. Wie es so schön heißt: Man lebt nur einmal. Und so lange ich weiß, wo ich herkomme, ist das alles eben ein Bonus. Ob das Klamotten sind oder Autos... Es gefällt mir, so zu leben. Wenn die Leute mich so akzeptieren, schön! Wenn nicht - dann halt nicht.

Wenn man sie sprechen hört, wirkt es als, ob Sie gerade ihren Traum leben.

Ja das stimmt. Ich verwirkliche mir gerade einen Traum, den ich schon von klein auf hatte. Damals habe ich meinen Vater im Stadion spielen sehen, das war unglaublich. Danach habe ich dann bei uns im Wohnzimmer aufs Tor geschossen, ganz alleine. Ich habe auch die Fans gespielt, habe mich selbst interviewt, so wie jetzt hier. Und heute ist dieser Traum von damals Wirklichkeit geworden. Für ein Kind wie mich ist das wunderschön.

Ihr Heimatland Gabun war noch nie bei einer Weltmeisterschaft dabei, auch diesen Sommer in Brasilien nicht. Wäre das ein weiterer Traum, ihr Land einestages zur WM zu schießen?

Klar, das ist mein Ziel! Darum habe ich mich auch damals für Gabun entschieden. Ich habe ja schon für die Nachwuchs-Nationalmannschaft Frankreichs gespielt. Aber ich wollte es wie man Vater machen: für Gabun spielen. Er war dort sogar Kapitän. Wir können viel erreichen mit dieser Mannschaft: die WM-Teilnahme und warum auch nicht den Sieg beim Africa Cup?!

Pierre-Emerick Aubameyang kam im vergangenen Sommer vom AS Saint-Étienne zu Borussia Dortmund. Geboren in Frankreich entschied sich Aubameyang nach einigen Spielen für die französische U21-Nationalmannschaft für das Heimatland seiner Eltern: Gabun. Der 24-Jährige Offensivspieler gilt als einer der schnellsten Läufer der Bundesliga.

Das Gespräch führte Joscha Weber.

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