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Kultur

Au revoir, Françoise!

Die französische Schriftstellerin Françoise Sagan ist tot. Mit Romanen wie "Lieben Sie Brahms" und "Bonjour Tristesse" feierte sie weltweite Erfolge. Aber sie war beileibe kein Kind von Traurigkeit.

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Francoise Sagan (1969)


Françoise Sagan veröffentlichte ihren ersten Erfolgsroman Bonjour Tristesse 1954 - im Alter von 18 Jahren: Es geht um reiche Franzosen, die ihre Langeweile durch Liebesaffären bekämpfen, aber der Einsamkeit und Sinnlosigkeit des Daseins nicht entfliehen können. Die 17-jährige Ich-Erzählerin Cécile schildert ihre Entjungferung, leidenschaftslos und gelangweilt. Erstaunlicherweise war sogar der katholische Schriftsteller François Mauriac begeistert. "Was für ein charmantes kleines Scheusal", urteilte er über das Buch, das der Nachkriegsgesellschaft einen gehörigen Schock versetzt hatte.

Das Buch machte die Autorin zur Kultfigur ihrer Generation - und finanziell unabhängig. Fortan lebte Françoise Quoirez (wie "die Sagan" eigentlich hieß) in Paris als freie Schriftstellerin. Ihren Geburtsnamen tauschte sie gegen ein Pseudonym nach der Princesse Boson de Sagan ein, die zum Bekanntenkreis von Marcel Proust gehörte. Schlagartig berühmt geworden, fand sie auch später nie den Weg in ein geregeltes Leben.

Umfangreiches Oevre

Rund 50 Bücher folgten auf Bonjour Tristesse, Essays, Dramen, vor allem aber Romane wie Ein gewisses Lächeln ( Un certain sourire, 1956), Lieben Sie Brahms? ( Aimez-vous Brahms?, 1959) und Chamade ( La Chamade, 1965). Sie schrieb auch zehn Stücke für das Theater: Unter anderem Castle in Sweden (1960), Violins Sometimes (1961), Happiness, Odd and Pass (1964) und The Vanishing Horse (1966). 1987 veröffentlichte sie eine Biographie über Sarah Bernhardt und schrieb die Dialoge für Claude Chabrols Film Landu (1963).

In einer sehr persönlichen, melancholischen Sprache widmet sie sich zumeist Dreiecksgeschichten. Im Zentrum stehen Figuren, die sich vorzugsweise an mondänen Orten den Annehmlichkeiten eines luxuriösen Lebens hingeben und dabei immer wieder in ihre Einsamkeit zurückfallen.

Exzessives Leben

Viele Zeitgenossen interessierten sich allerdings stärker für das skandalöse Leben der Sagan als für ihre Bücher. Sie wurde am 21. Juni 1935 im südfranzösischen Cajarc in eine Industriellenfamilie geboren, die ein Jahrzehnt später nach Paris zog. Die Erziehung in einer Klosterschule hatte zur Folge, dass sie mit 15 Jahren den Glauben an Gott verlor. Stattdessen wählte sie ein sehr weltliches Lebensmotto: "Zigaretten sind zum Rauchen da, Drogen und Alkohol zum Einnehmen und Sportwagen zum schnellen Fahren."

1995 wurde sie wegen Kokain-Besitzes zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt, 2002 wegen Steuerhinterziehung. Der Fall ist prominent und brisant: Sie hatte über 800.000 Euro von einem Verbindungsmann des Ölkonzerns Elf Aquitaine erhalten, mit dem Auftrag, im Sinne des Konzerns Einfluss auf Mitterand zu nehmen. Auch sonst war sie politisch nicht zurückhaltend: Sie schrieb aufsehenerregende Artikel über Fidel Castro und ein legendäres Porträt über Michail Gorbatschow ("der größte und einsamste Held des 20. Jahrhunderts").

Frankreich nimmt Abschied

Zuletzt war es still um sie geworden. Sie empfing kaum mehr Freunde und hatte Geldsorgen. Sie sei krank und ruiniert, hieß es aus ihrer Umgebung. Ihr Haus in der Normandie musste sie verkaufen, eine reiche Freundin beherbergte sie in einer Wohnung an der noblen Avenue Foch in Paris. "Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Meister", sagte sie.

Politiker und Kulturschaffende in Frankreich haben Françoise Sagan mit bewegenden Worten gewürdigt. "Ihr Tod erfüllt mich mit großer Traurigkeit", sagte Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres, der die Autorin noch kürzlich im Krankenhaus besucht hatte. Präsident Jacques Chirac würdigte sie als "herausragende Figur unseres Literaturlebens". Mit einem originellen Stil habe sie "ein Zeugnis ihrer Zeit und der französischen Gesellschaft" gezeichnet. Premierminister Jean-Pierre Raffarin sprach von dem einzigartigen "Lächeln" der Sagan. (arn)

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