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Wirtschaft

Außenwirtschaft erst 2014 auf altem Niveau

2009 mussten deutsche Exporteure herbe Rückschläge hinnehmen. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) gingen die Ausfuhren um fast ein Fünftel zurück. Der BDI erwartet 2010 eine langsame Erholung.

Ein Containerschiff (Foto: dpa)

Die Exportindustrie erholt sich

Deutschland hat in der Krise einen besonders tiefen Einbruch erlitten. Wie kein anderes Land in Europa ist Deutschland abhängig von ausländischen Märkten. Etwa die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) hängt an den Warenausfuhren. Gleichwohl profitiert Deutschland überdurchschnittlich davon, wenn es wirtschaftlich wieder aufwärts geht. Aleine 2008 wurden deutsche Waren im Wert von fast einer Billion Euro ins Ausland geliefert. Ein Viertel der Arbeitnehmer produziert hierzulande für den Export, jeder dritte erwirtschaftete Euro kommt aus dem Exportgeschäft. Maschinen, Chemieprodukte und Autos, das sind Produkte, mit denen sich Deutschland an die Spitze der "global player" gesetzt hat. Dabei sind es nicht nur die großen Konzerne, die im weltweiten Handel erfolgreich sind, sondern auch mittelständische Betriebe.

Zaghafter Aufschwung erwartet

BDI-Präsident Hans Peter Keitel (Foto: dpa)

Der Aufholprozess wird dauern, sagt BDI-Präsident Keitel

Im Verlauf der Wirtschafts- und Finanzkrise sind einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie zufolge in allen Branchen die Exporte eingebrochen. Auf Jahressicht wird der Rückgang insgesamt rund 18 Prozent betragen. Vor der Krise legten die deutschen Warenausfuhren jährlich um acht Prozent zu. Nach Einschätzung des BDI wird sich die Exportindustrie in diesem Jahr nur sehr langsam von der Krise erholen. "Die deutsche Exportindustrie ist auf dem Weg der Besserung, aber der Aufholprozess wird noch lange dauern", kommentiert BDI-Präsident Hans-Peter Keitel die außenwirtschaftliche Lage.

Die Branche rechnet 2010 mit einem Wachstum von vier Prozent. "Bei dieser Wachstumsgeschwindigkeit wird das Vorkrisenniveau erst im Jahr 2014 wieder erreicht“, so Keitel weiter. Noch gebe es einige Gefahrenquellen für die deutsche Exportwirtschaft. Die expansive Geldpolitik der Zentralbanken könne neue Finanzblasen entstehen lassen, und in den Bilanzen der Banken schlummere nach wie vor ein hoher Abschreibungsbedarf. Zudem liefen in einigen Ländern die Konjunkturprogramme aus. Auch nehme der Protektionismus weltweit zu.

Wichtigster Handelspartner: die EU

EU Logo mit Karte und Flagge (Grafik: DW)

Reger Handel mit EU-Ländern

Die wichtigste Zielregion deutscher Exporte ist mit einem Anteil von 57 Prozent nach wie vor die Europäische Union. Über zehn Prozent der deutschen Industrieexporte gehen in europäische Länder außerhalb der EU, insbesondere nach Ost- und Südosteuropa. Länder wie die Ukraine oder Serbien wurden stark von den Auswirkungen der Krise getroffen. Stützungsmaßnahmen durch IWF, EU, Weltbank und andere Institutionen konnten bislang das Schlimmste verhindern. Der Erholungsprozess, so der BDI, werde in der gesamten Region 2010 nur zögerlich einsetzen. Belastungen aufgrund von Arbeitslosigkeit und wachsenden Kreditausfällen seien zu erwarten.

Impulse aus den USA und Asien

Nach Nordamerika gehen etwa zehn Prozent der deutschen Industrieexporte. Die US-Wirtschaft kommt schrittweise aus der Rezession und konnte im dritten Quartal 2009 wieder wachsen, auf Jahressicht dürfte die US-Wirtschaft 2009 allerdings um bis zu drei Prozent geschrumpft sein. Wachstumsimpulse kommen laut BDI insbesondere durch das Konjunkturprogramm, das über drei Prozent des BIP beträgt. Ob sich das auf den Konsum auswirke, sei allerdings fraglich. Die Arbeitslosenquote in den USA stieg im Oktober mit 10,2 Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als 25 Jahren.

Der Warenexport nach Lateinamerika beträgt 2,4 Prozent. In den letzten Jahren hatte sich die Region an hohe Wachstumsraten gewöhnt, durchschnittlich sechs Prozent in den fünf Jahren vor der Krise. Die Finanzmarktkrise hat sich auch in Lateinamerika auf die Wirtschaft ausgewirkt, so ist das BIP in der Region 2009 um über zwei Prozent gefallen.

Wie aus dem jüngsten Außenwirtschafts-Report des Bundesverbandes der Deutschen Industrie hervorgeht, gehen 13 Prozent der deutschen Industrieexporte in die Wachstumsregion Asien. Trotz der Krise konnte China auch in 2009 mit 8,5 Prozent noch deutlich wachsen und lag nur knapp unter dem Vorjahr (2008: 9 Prozent). Das gigantische Konjunkturprogramm in einer Höhe von über acht Prozent des BIP verhinderte einen stärkeren Rückgang. Eine andere aufstrebende Wirtschaftsmacht in der Region ist Indien, dessen Wirtschaft 2009 mit fünf Prozent zulegte.

Exportwirtschaft setzt auf Afrika

Tafelberg in Kapstadt (Foto: picture alliance)

Wichtiger deutscher Handelspartner: Südafrika

Steigende Bedeutung für den deutschen Export bekommen in den nächsten Jahren nach Angaben des BDI der Mittlere Osten und Afrika. In den Nahen und Mittleren Osten gehen etwa drei Prozent der deutschen Industrieexporte. Infolge der Finanz- und Wirtschaftkrise wird die Region trotz stark gesunkener Rohstoffpreise 2009 noch ein leichtes Wirtschaftswachstum realisieren können. Zwei Prozent der deutschen Industrieprodukte gingen 2008 nach Afrika. Insgesamt sind dort die Exporte 2009 um etwa 16 Prozent zurückgegangen. Alleine in das wichtige Zielland Südafrika gingen etwa 28 Prozent weniger Waren und Dienstleistungen.

Der Exportrückgang spiegelt die wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas wider. 2009 wird die Wirtschaftskraft voraussichtlich um etwa zwei Prozent geschrumpft sein und auch für 2010 ist nur geringes Wachstum zu erwarten. Dennoch könnten die deutschen Industrieexporte in diesem Jahr laut der aktuellen BDI-Branchenumfrage um sechs Prozent wachsen. Die Region, in die der geringste Anteil der deutschen Exporte geht, kommt damit auf die höchste Wachstumsrate.

Autorin: Monika Lohmüller

Redaktion: Klaus Ulrich