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Kultur

Außenseiter mit Humor: Zum Tode von Mauricio Kagel

Maurico Kagel ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Der Deutsch-Argentinier gilt als einer der markantesten Komponisten der Gegenwart - mit Hang zur Provokation.

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Komponist Mauricio Kagel

Mauricio Kagel gilt als einer der schillerndsten und interessantesten Vertreter der Neuen Musik. Der deutsch-argentinische Künstler lebte seit 1957 in Köln. Hier entstanden über 200 Bühnen-, Orchester- und Kammermusikwerke, außerdem Hörspiele und Filme. Der Komponist hat sich auch als Dirigent, Musikpädagoge und Regisseur in eigener Sache einen Namen gemacht.

Mauricio Kagel

Gerne auch mit Nudelholz: Mauricio Kagel bei der Arbeit

"Hier läßt sich gut arbeiten" - meinte Kagel 1957 zu seiner Wahlheimat Köln, aber während seine Komponistenkollegen im Studio für elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks daran tüftelten, auch noch die letzten Klangeigenschaften mittels Computer genauestens festzulegen, richtete er den Blick auf Außermusikalisches: Er schuf Hör- und Schaustücke, in denen Alltägliches wie Proben, Üben, Bewegungen der Musiker zum Thema wurden oder er schrieb eine "Phantasie für Orgel und Obligati" - womit eine Toilettenspülung gemeint war. Prompt witterte die Konkurrenz Arges: Machte sich da etwa einer über ihre mühsamen Versuche, die Reihentechnik von Arnold Schönberg fortzusetzen, lustig?

Klanggeräte aller Art

Kagels Lust am Erfinden kannte keine Grenzen. Für seine Filme und Hörspiele schuf er neue Instrumente. Zu seinem Nachlass gehört eine Sammlung von selbstgebauten "Klangkörpern": Klappersandalen, Flüstertüten, Klangwürfel, ein mit Saugnäpfen bestücktes Nudelholz oder Schüttelkästen ergänzen das klassische Instrumentarium. Zum Beispiel in der Komposition "Acustica" wollte Kagel damit "eine Welt aus vielstimmigem Schwingen, Schallen, Tönen und Tröten" zum Klingen bringen. Aber auch Hundegebell, Strassengeräusche, Kirchenglocken und Kochtöpfe seien Musikinstrumente, da wolle er nichts ausschließen - so Kagel.

Zufrieden mit seinen Studenten

Von 1974 bis 1997 hatte Kagel eine Professur für Neues Musiktheater an der Musikhochschule Köln inne. Die Vermittlung von Wissen habe ihn immer sehr beschäftigt, bekannte er einmal. In den letzten 20 Jahren habe sich das Niveau der Musikstudenten enorm gesteigert, zog er im letzten Jahr zufrieden Bilanz. Das habe nichts mehr zu tun mit den Studenten, die er gekannt habe, als er jung war. Seine gekanntesten Studenten sind Carola Bauckholt, Johannes Sistermanns und Manos Tsangaris.

Preisgekrönt und multimedial

Mehr als 20 Filme und zahlreiche Hörspiele ergänzen das Schaffen von Mauricio Kagel. Obwohl als "Eulenspiegel des Musiklebens" von Kollegen wie Kritikern oft genug mißtrauisch beäugt, pflastern wichtige Preise sein künstlerisches Leben: Zweimal gewann er den Karl-Sczuka-Preis, sowie den Hörspielpreis der Kriegsblinden, den Prix Italia und sowie den Ernst-von-Siemens-Preis: den "Nobelpreis der Musik".

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