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Radsport

Außenseiter Hayman gewinnt in Roubaix

Mehrere Stürze machen den berüchtigten Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix unberechenbar, auch den dreimaligen Champion Cancellara erwischt es. In Abwesenheit von Vorjahressieger Degenkolb gewinnt der Australier Hayman.

Sieger Mathew Hayman (2.v.l.), der Zweite Tom Boonen (l.) und der Dritte Ian Stannard (r.) stehen auf dem Podest (Foto: Getty Images/B.Lennon)

Das Podest in Roubaix: Sieger Mathew Hayman, der Zweitplatzierte Tom Boonen (l.) und der Dritte Ian Stannard (r.)

Spektakuläre Stürze, eine starke Premiere von Tony Martin und ein Außenseitersieg durch Mathew Hayman: In der "Hölle des Nordens" hat der Australier überraschend den 114. Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix gewonnen und damit die Nachfolge des verletzten Vorjahressiegers John Degenkolb angetreten. Für den dreimaligen Triumphator Fabian Cancellara aus der Schweiz endeten die Hoffnungen auf einen Rekordsieg dagegen nach einem schlimmen Sturz auf dem harten Kopfsteinpflaster.

So durfte am Sonntag bei der Tortur über die gefürchteten Pavés nach 257,5 Kilometern auf der alten Betonpiste Hayman jubeln. Der 37 Jahre alte Australier düpierte im Schlusssprint Martins Teamkollegen Tom Boonen, der knapp seinen fünften Sieg verpasste, womit er zum alleinigen Rekordgewinner aufgestiegen wäre. "Ich kann es nicht begreifen. Das ist mein Lieblingsrennen, davon habe ich immer geträumt. Das ist pure Freude", sagte Hayman, der als zweiter Australier nach Stuart O'Grady in Roubaix triumphierte. Dritter wurde der Brite Ian Stannard vom Team Sky. Auf Rang sieben fuhr der starke Deutsche Marcel Sieberg.

Kampf bis zum Geht-nicht-mehr

Immer wieder hatten Stürze auf den glitschigen Feldwegen das Rennen zu einer Art Lotterie gemacht. Zwar herrschte bei Sonnenschein prächtiges Radsport-Wetter, doch Regen in der Nacht hatte das Kopfsteinpflaster unberechenbar gemacht. Prominentestes Sturzopfer war Cancellara, der 46 Kilometer vor dem Ziel wegrutschte und mehrere Fahrer mit zu Boden riss. Der hinter ihm fahrende Weltmeister Peter Sagan hielt sich dagegen mit einer artistischen Einlage sensationell auf dem Rad. Cancellara setzte sich zwar noch einmal aufs Rad und startete eine Aufholjagd, zu einem vierten Erfolg nach 2006, 2010 und 2013 reichte es aber nicht mehr. Mit über sieben Minuten Rückstand kam er ins Ziel.

Tony Martin (l.) und Tom Boonen (r.) fahren Seite an Seite beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix (Foto: Getty Images/K.Triboullard)

Tony Martin (l.) und Tom Boonen (r.) fahren Seite an Seite beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix

Zu einem hochspannenden Rennen hatte auch lange Zeit Tony Martin bei seiner ersten Teilnahme beigetragen. 110 Kilometer vor dem Ziel übernahm der dreimalige Zeitfahrweltmeister das Tempo und riss bei der Verfolgung einer Fluchtgruppe noch vor dem gefürchteten Wald von Arenberg das Feld auseinander. Leidtragende waren Cancellara und Sagan. Martin ließ mit seinem Auftritt Erinnerungen an seine starke Leistung bei der Tour de France wach werden, als er auf der Kopfsteinpflaster-Etappe nach Cambrai den Sieg und damit auch das erste Gelbe Trikot seiner Karriere geholt hatte.

Diesmal hatte der 30-Jährige aber andere Aufgaben: Er sollte seinen Kapitän Boonen in eine gute Position bringen, was auch gelang. Als Martin die Verfolger an die Ausreißergruppe herangeführt hatte, war seine Arbeit verrichtet und er konnte sich zurückfallen lassen. "Das war unglaublich hart, physisch und mental. Ich wäre gerne bis zum Schluss in der Spitzengruppe geblieben, aber die letzten fünf, sechs Pavés waren zu viel. Auf einmal war mein Stecker gezogen. Wir waren mit Tom in einer guten Situation - in einer Gruppe ohne Cancellara und Sagan", sagte ein völlig erschöpfter Martin nach dem Rennen.

Die Spitzengruppe verringerte sich auf dem Weg nach Roubaix zusehends, auch Sieberg und der Deutsch-Australier Heinrich Haussler mussten in der Schlussphase abreißen lassen. So war klar, dass es ein Jahr nach dem Triumph von Degenkolb keinen weiteren deutschen Erfolg geben würde. Der 27-Jährige hatte in diesem Jahr für die Frühjahrsklassiker passen müssen, nachdem ihn ein schwerer Trainingssturz Anfang Januar zu einer mehrmonatigen Wettkampfpause gezwungen hatte. Degenkolb hofft, am 1. Mai in Frankfurt sein Comeback geben zu können.

ck/og (dpa)

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