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Deutschland

Außen Boklok - innen Billy

Seit 2006 werden Ikea-Häuser in England und Schweden erfolgreich vermarktet. Gemeinsam mit einem Fertighaus-Bauer aus Hamburg baut der schwedische Möbelgigant Ikea seine Häuser nun auch in Deutschland.

Ein Fertighaus steht auf dem Parkplatz der Ikea-Filiale in Wallau bei Wiesbaden (Foto: Dpa)

Schöner Wohnen im schwedischen Fertigbau?

"Boklok" heißt soviel wie "klug" oder "clever" wohnen. Die Marke wurde Mitte der 1990er-Jahre gegründet und hat seither in Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und Großbritannien rund 4000 Häuser gebaut. Der deutsche Lizenzpartner "Bien-Zenker" will die umweltschonenden Reihenhäuser in Holzrahmenbauweise mit einem Energiestandard eines "KfW 70 Effizienzhauses" bauen. Ab Mittwoch (03.03.2010) soll das erste Musterhaus aus Holz auf dem Gelände der Ikea-Deutschlandzentrale im hessischen Hofheim präsentiert werden. Insgesamt sollen es 80 Einheiten - 60 Reihenhäuser und 20 Wohnungen - werden, die das schwedische Unternehmen bis Ende 2010 in deutschen Ballungsräumen aufstellen möchte.

Enttäuschende Reaktionen

Die erste Siedlung soll in Hofheim-Langenhain zwischen Wiesbaden und Frankfurt am Main entstehen. Allerdings waren die Reaktionen einiger Kommunalpolitiker nicht gerade ermutigend. Die örtliche CDU hat sich an die Spitze des Widerstands gesetzt und gemeinsam mit der FDP den Bebauungsplan erst einmal gestoppt. Die Häuser sähen auf den Plänen aus wie "Behelfsbauten, die man nach dem Zweiten Weltkrieg hier aufgestellt hat. Eine graue Fassade mit zwei Löchern drin", sagte der Hofheimer CDU-Politiker Frank Härder in der "Sonntaz".

In Wallau steht eines der größten und umsatzstärksten Häuser des schwedischen Möbelgiganten (Foto: AP)

Ganz in der Nähe: Eine der größten europäischen Ikea-Filialen in Wallau

Ganz anders sieht das der Hofheimer Baudezernent Wolfgang Winckler von der SPD. Für ihn passen die Ikea-Bauten gut ins Bild. Er hofft, dass es nach weiteren Informationsveranstaltungen zum baldigen Baubeginn kommt. Auch der SPD-Oberbürgermeister Horst Schneider von Offenbach bei Frankfurt möchte mit den Schwedenhäuschen gerne ein problematisches Neubaugebiet füllen. Die Siedlung "Lohwald" war einst ein sozialer Brennpunkt, der zwar Fußballstars wie Jimmy Hartwig oder Schlagersternchen wie Mark Medlock hervorgebracht hat, aber trotzdem wegen der schwierigen Verhältnisse abgerissen wurde. Die Brache trägt nun den hoffnungsvollen Namen "An den Eichen". Aber die Vermarktung stockt bislang. Das Ikea-Konzept für junge Familien soll nun Abhilfe schaffen: "Das ist ein Segment, das wir in unserer Stadt gut gebrauchen können", sagt Schneider.

Schwedische Werte

Ein Ikea-Mitarbeiter schiebt in einer Filiale bei Wallau einen Einkaufswagen an dem Allround-Regal Billy vorbei (Foto: Dpa)

Der Klassiker: Billy-Regalsystem

Wer es wünscht, kann also fortan innen wie außen im Ikea-Ambiente wohnen, denn selbstverständlich erfolgt der Innenausbau nach dem, was der nahegelegene Ikea-Markt zu bieten hat. Den ansonsten dringend notwendigen Imbuss-Schlüssel zum Glück kann man allerdings stecken lassen, denn das Haus wird - wie jedes andere Fertighaus auch - von Profis und meist in Windeseile aufgebaut. Für den leidenschaftlicher Verfechter des Do-it-Yourself-Verfahrens bleibt allerdings bei Küche, Bad und Schlafzimmer sicherlich genügend Gelegenheit sich auszutoben.

Ikea wirbt für seine Häuser mit den gleichen Worten wie für seine Leichtbau-Möbel: Gemeinschaftlichkeit, Naturverbundenheit und natürlich Sparsamkeit. Symbolisch werden alle Boklok-Häuser mit jeweils einem Apfelbäumchen ausgestattet. Neue Wege geht das Unternehmen auch bei der Vermarktung: Häuser und Wohnungen sollen unter den Interessenten verlost werden, denn Spekulanten sollen nicht zum Zug kommen. Kosten soll ein solches Haus mit Grundstück, aber ohne Keller, rund 180.000 Euro. Ob das für ein 100-Quadratmeter-Reihenhaus ein Schnäppchen ist, hängt sicherlich auch von der Lage und den Ansprüchen des Käufers ab.

Autor: Matthias von Hellfeld (dpa/"taz")

Redaktion: Kay-Alexander Scholz