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Afrika

Attentat auf Charlie Hebdo: Bestürzung in Afrika

Grausam und unfassbar: Das Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo sehen viele Afrikaner als Angriff auf die Meinungsfreiheit. Andere fordern Respekt vor religiösen Gefühlen ein, begrüßen die Tat sogar.

Auch viele afrikanische Journalisten bekunden nach dem

Anschlag

auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris ihre Solidarität. Vor allem die Presse der französischsprachigen afrikanischen Länder unterhält enge Beziehungen zu Frankreichs Medien. Man spricht dieselbe Sprache, viele afrikanische Journalisten haben in Frankreich studiert oder gearbeitet.

Die Satirezeitung Journal du Jeudi in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou hat regelmäßig mit Charlie Hebdo zusammengearbeitet. "Ich bin sehr traurig, dass man Journalisten und eine Zeitschrift angegriffen hat - dazu noch eine Satire-Zeitschrift", sagt Journalist Koffi Ametepe der DW. "So will man die Journalisten inmitten der überall herrschenden Terrorbedrohung zum Schweigen bringen."

Koffi Ametepe weiß aber um Sensibilität seiner eigenen Landsleute, wenn es um religiöse Gefühle geht. Burkina Faso ist muslimisch geprägt. "Es gibt in der afrikanischen Kultur Tabus, vor allem, wenn es um die Religion geht", sagt er. "Wir passen auf, dass die Leute auf unseren Karikaturen nichts sehen, was sie nicht sehen wollen." So habe sein Satiremagazin eine Mohammed-Karikatur der dänischen Zeitung Jyllands-Posten abgedruckt - die Bombe auf dem Kopf des Propheten jedoch nicht gezeigt.

Cover der senegalesischen Satirezeitschrift Le p`tit railleur sénégalais

Die Titelseite der senegalesischen Satirezeitschrift Le p`tit railleur sénégalais

Senegals satirische Wochenzeitung Le P'tit Railleur Sénégalais ist entschlossen, in der Tradition ihrer Kollegen von Charlie Hebdo "albern und gemein" zu bleiben. Der Chefredakteur Tiokk Baram sagte dem französischen Auslandssender RFI: "Das ist für unsere Zivilisation mit ihren Werte ein furchtbares Ereignis." Die Terroristen lebten in einer Diktatur des Einheitsdenkens, "in der man nicht mehr denkt, sondern sich damit zufrieden gibt, Dogmen zu verbreiten und den freien Willen des Menschen zu verneinen."

"Den Terroristen eine Lektion erteilen"

Mehr als um den Angriff auf westliche Werte geht es vielen Facebook-Usern des DW-Kisuhaeli-Programms in Ostafrika um die Verhaftung der Täter. Elisha Mazoya schreibt: "Dass zwölf unschuldige Menschen getötet wurden, ist nicht hinnehmbar. Die Sicherheitsdienste müssen die Täter finden, sie müssen vor Gericht gestellt werden." Andrew Ndimbo findet, die Suche nach den Tätern solle friedlich verlaufen, alle Verdächtigen müssten verhaftet werden. "Es sollte eine Lektion für alle Terroristen sein, die solche Attentate ausführen", so Ndimbo.

Screenshot Twitter Godfrey Mwampembwa

"Stinkestift" als Waffe: Karikatur des Kenianers Godfrey Mwampembwa, genannt GADO, auf Twitter

Doch nicht alle sehen die alleinige Verantwortung für die Morde bei den Attentätern. Etwa schreibt Peter John Malejehe: "Über den Glauben macht man keine Witze. Karikaturisten sollten ihre Arbeit machen, ohne sich in den Glauben anderer Menschen einzumischen."

Forderung nach Respekt für Religion

Eine Meinung, die auch viele Nigerianer vertreten. Das Land durchlebt derzeit selbst einen blutigen religiösen Konflikt. Besonders den Nordosten des Landes überzieht

die islamistische Terrorgruppe Boko Haram

mit Gewalt.

Der Journalist Mohamed Ibrahim von der Zeitung Peoples' Daily in Abuja zeigt sich zwar schockiert über den Mord an seinen Pariser Kollegen. "Aber man muss auch schauen, welche ihrer Aussagen das vielleicht provoziert, also was das Motiv hinter den Morden ist." Journalist sollten vorsichtig sein, was sie schreiben, und welche Karikaturen sie zeichneten und veröffentlichten. "Denn nur so verhindern wir Journalisten, ins Visier von Terroristen zu geraten", so Ibrahim im Gespräch mit der DW.

NO FLASH Moschee Nigeria - Abuja

Die Große Moschee in Abuja: Religion ist ein sensibles Thema in Nigeria

Weiter gehen nigerianischen Geistliche - Muslime wie Christen. "In der Bibel steht ganz klar, dass wir uns von denjenigen fernhalten sollen, die verhöhnen und gottlos sind", sagt der Mawell Sanda, evangelikaler Pastor in der Stadt Sabon Tasha im Bundesstaat Kaduna. Die Journalisten hätten die Religion verhöhnt und somit Gottes Schutz verloren. "Außerdem sagt die Bibel: Mein ist die Rache." Er wolle die Selbstjustiz der Attentäter nicht verteigen, aber jeder Gläubige müsse Gottes Gebote befolgen.

Abdullahi Bayero ist Pressereferent beim Nationalen Rat für islamische Rechtsprechung in Nigeria, dem Dachverband aller muslimischer Organisationen, die über die Anwendung islamischen Rechts wacht. Bayero sieht die Attentäter ebenfalls klar in der Schuld. Aber eben auch ein bisschen die Journalisten selbst. "Wir haben ein Problem mit der falschen Interpretation von freier Meinungsäußerung oder dem Recht eines jeden, alles zu sagen, was und wann er will", so Bayero. Jeder müsse über die Konsequenzen seiner Äußerungen nachdenken. "Wird es dazu führen, dass sich die ganze Welt bekriegt oder wird es den Frieden fördern?" Trotzdem sagt auch er: "Was die Attentäter getan haben, war falsch und entspricht nicht der Lehre des Islam."

Viel weiter gehen manche Hörer von DW-Hausa auf der Facebook-Seite der Redaktion, die in kürzester Zeit viele Reaktionen auf das Attentat bekam. Einige zeigen Unterstützung für die blutige Tat. So schreibt Mahamane Djala aus Niger: "Frankreich, du hast bekommen, was du verdienst." Und Ado Mansur Zango aus Nigeria findet: "Die Attentäter haben das richtige getan. Warum sollten sie ungestraft Karikaturen über den Propheten veröffentlichen? Meiner Meinung nach fiel der Vergeltungsschlag sogar gering aus."

Aber es gibt auch Hörer wie den Nigerianer Namadi Yakubu. Er schreibt: "Mein Beileid an die Franzosen für diesen großen Verlust, und ich bete zu Gott, dass er den Terrorismus überall auf der Welt ein Ende finden lässt."

Afrikaner mit Pressefreiheit-Shirts mit dem Rücken zur Kamera (Foto: Esdras Ndikumana/AFP/Getty Images)

Pressefreiheit in Afrika: Selbstzensur oder Respekt vor religiösen Gefühlen?

Neben der religiösen Debatte fühlen sich manche Afrikaner auch einem europäischen Zynismus ausgesetzt. Täglich sterben Hunderte Menschen in afrikanischen Ländern durch politische, ethnische oder religiöse Gewalt. Dass die Ermordung von französischen Journalisten in Paris eine derart große Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit bekommt, stößt bei Deutsche-Welle-Hörer Moussa Modes Sawadogo aus Ougadougou auf Unverständnis. "Was für ein Tag", schreibt er am Abend des Attentats (07.01.2015) auf der französischen DW-Facebook-Seite "Bei uns trauern jeden Tag Familien, aber darüber sprechen Sie nicht, weil diese Menschen arm sind."

Mitarbeit: Ibrahima Yakubu

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