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Asien

Attentäter von Mumbai vor Gericht

Die Anschläge vom November haben Mumbai erschüttert. Nun beginnt der Prozess gegen den einzigen überlebenden mutmaßlichen Attentäter. Allerdings mit Verzögerung: das Gericht hat die Anwältin des Attentäters abgesetzt.

Das brennende Taj Mahal-Hotel in Mumbai (Foto: AP)

Die Anschläge auf das Hotel Taj Mahal und andere Ziele haben sich ins Kollektive Gedächtnis eingegraben

Angeklagt ist Ajmal Amir Kasab. Er soll angeblich der pakistanischen Terrororganisation Lashkar-e-Taiba angehören. Kasab ist nicht nur wegen Mordes, sondern auch der "Kriegsführung gegen die Nation" angeklagt. Er gehörte zu einer zehnköpfigen muslimischen Extremistengruppe, die Ende November 2008 in einer spektakulären Aktion in Mumbai über drei Tage lang Geiseln genommen und Gebäude besetzt gehalten hatten – unter anderem das Hotel Taj Mahal, ein Wahrzeichen der Stadt. Mehr als 170 Menschen wurden bei den Anschlägen getötet.

Anwältin Anjali Waghmare mit Akten in der Hand. (Foto: dpa)

Die vom Gericht ein- und abgesetzte Anwältin Anjali Waghmare

Der Prozess sollte eigentlich bereits Anfang April beginnen. Umbauten für das Sondergericht und gewalttätige Proteste von Hindu-Extremisten gegen die vom Gericht gestellte Anwältin Kasabs, Anjali Waghmare, verzögerten den Prozessauftakt. An diesem Mittwoch (15.4.2009) dann wurde die Anwältin fünf Minuten vor Prozessbeginn abgesetzt: Sie stehe in einem Interessenkonflikt, da sie auch die Schadenersatzansprüche eines Opfers der Terroraktionen vertrete, teilte das Gericht mit. Die Verhandlung wurde auf Donnerstag vertagt. Kasab forderte, ihm einen Anwalt aus Pakistan zu stellen.

Kasab droht nun die Todesstrafe. Die Verhandlung vor einem Sondergericht im Arthur-Road-Gefängnis findet unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor Gericht sollen auch zwei Inder erscheinen, denen vorgeworfen wird, die Terroristen unterstützt zu haben.

11.000 Seiten Klageschrift

Die indische Polizei hat ein 11.000 Seiten umfassende Anklageprotokoll erstellt. Der Anklage zufolge haben die Anführer der aus Pakistan operierenden Gruppe Lashkar-e-Taiba (Armee der Reinen), Hafeez Sayyid, Fahim Ansari, Zaki-ur-Rehmann Lakhvi und Zarar Shah die Anschläge geplant. Sie sollen sich in Pakistan und dem pakistanischen Teil Kaschmirs aufhalten und stehen auf der Fahndungsliste.

Die Terroranschläge haben auch die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan schwer belastet. Selbst die US-Regierung musste sich einschalten, um die Spannungen zu entschärfen. Die indische Regierung hatte den Friedensprozess zwischen den beiden benachbarten und verfeindeten Atommächten auf Eis gelegt. Indien wirft Pakistan vor, islamische Terroristen zu unterstützen oder zumindest zu dulden, die von Pakistan aus Ziele in Indien anzugreifen.

Infografik. Anschlagsziele Mumbai (Quelle: DW)

Angeklagter hat "Terroristenprofil"

Über den Angeklagten Kasab ist wenig bekannt. Der 21-Jährige wuchs in der ostpakistanischen Provinz Punjab auf, die an Indien grenzt. Nach eigenen Angaben brach er im Jahr 2000 die Schule ab und verdingte sich als Hilfsarbeiter in Lahore. Als Kind einer armen Familie mit geringer Bildung habe er das "Profil", nach dem die Lashkar-e-Taiba bei der Rekrutierung suche, sagt der Sicherheitsexperte Wilson John aus Neu-Delhi. Die Terrororganisation biete ihnen Sicherheit, Gemeinschaftsgefühl und so etwas wie eine eigene Identität. (la/mag/afp/dpa)

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