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Politik

Atomstreit: Ein Ideologe als iranischer Unterhändler

Die Gespräche der EU-Troika mit dem Iran über das iranische Atomprogramm sind ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Chefunterhändler Ali Laridschani vertrat dabei wie gewohnt die iranische Seite. Ein Porträt.

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Ali Laridschani

Die Gespräche der Europäischen Union mit dem Iran über dessen umstrittenes Atomprogramm sind am Freitag ergebnislos zu Ende gegangen. Am Montag sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden, wie die Außenminister Deutschlands und Frankreichs, Frank-Walter Steinmeier und Philippe Douste-Blazy, in Wien mitteilten. Zum Treffen mit der EU-Troika in Wien schickte Iran seinen Chefunterhändler Ali Laridschani. Der gilt als Vertreter einer harten Linie in der Atompolitik.

Konzessionen in der Atomfrage setzte Ali Laridschani vergangenes Jahr in einem Interview mit Hochverrat gleich und an dieser Grundhaltung dürfte sich kaum etwas verändert haben. Der iranische Atom-Chefunterhändler ist einer der entschiedensten Vertreter einer harten Linie in der iranischen Politik. Mehr wahrscheinlich noch als Mahmud Ahmadinedschad, der Laridschani vergangenes Jahr bei den Präsidentschaftswahlen auf den letzten Platz verwies.

Ali Ardaschir Laridschani ist 1958 im irakischen Nadschaf geboren - einem der wichtigen religiösen Zentren des Schiismus. Er ist der Spross einer Familie prominenter Ayatollahs, von denen viele - außer seinem Vater - wichtige Aufgaben bei der islamischen Revolution 1979 und danach übernahmen. Für Ali Laridschani und seine Brüder Sadegh, Mohammed-Dschawad und Fazel war der Weg somit festgeschrieben: Sadegh ist Mitglied des Wächterrates, Mohammed-Dschawad gilt als ideologischer Berater des "Obersten Führers" Ayatollah Ali Chamenei, Fazel wurde Diplomat und auch Ali Laridschani machte Karriere.

Harte Hand

Schon mit 22 wurde er nach der Revolution vorübergehend Leiter des Staatsfernsehens, in den achtziger Jahren war er amtierender Chef der Bassidschi, der Revolutionsgarden. Später wurde er Kulturminister; sein Vorgänger war im Protest gegen mangelnde Handlungsfreiheit zurückgetreten. Er hieß Mohammed Chatami, der später Staatspräsident wurde. Laridschani war der richtige Mann, die Dinge wieder "auf Kurs" zu bringen. Und wenig später war dies der Grund dafür, dass Laridschani 1994 die Leitung des staatlichen Rundfunks und Fernsehens übernahm.

Zehn Jahre lang führte er die staatlichen elektronischen Medien - die ohne private Konkurrenz sind - mit harter Hand und klar auf dem ideologischen Kurs der Revolution. Nach außen hin demonstrierte Laridschani zwar vermeintliche Vielfalt durch die Öffnung zahlreicher TV-Kanäle, die Programme blieben sich aber ähnlich. Ein Hauptgrund für die Massenflucht vieler Iraner zum - lange verbotenen - Satellitenfernsehen und den persischen Programmen ausländischer Rundfunksender.

Protegiert von Chamenei

Ali Laridschani darf dabei nicht als einfacher "Apparatschik" betrachtet werden. Er ist hoch gebildet, hat Mathematik und Philosophie studiert und Bücher über Kant geschrieben. Aber er ist tief verwurzelt in der islamischen Revolution und dem System der islamischen Republik, von dem er sagt: "Das Konzept der Islamischen Republik ist eine Form religiöser Demokratie. Und das ist ein gutes Konzept". Die richtige ideologische Einstellung für den "Obersten Führer": Ayatollah Chamenei protegiert Laridschani deswegen auch und er hatte auch nichts dagegen, als Laridschani seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2005 bekannt gab. In der Bevölkerung aber war Laridschani nicht populär und Khamenei suchte nach anderen Vertretern der "reinen Lehre": Er fand Mahmud Ahmadinedschad.

Laridschani aber wurde nicht fallen gelassen. Im Gegenteil: Im August 2005 wurde er als Vertreter Khameneis Sekretär (oder Chef) des "Obersten Nationalen Sicherheitsrates" - eines Gremiums, das über mehr Macht verfügt als der Präsident. Und in dieser Funktion ist er automatisch auch Chefunterhändler seines Landes im Atomstreit. Laridschani vertritt dabei nicht die Position des Präsidenten, sondern die Khameneis.

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