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Deutschland

Atomlager Schacht Konrad verspätet sich

In Deutschland ist das Problem der Endlagerung radioaktiven Mülls noch ungelöst. Denn der Bau des bisher einzigen regulär genehmigten Lagers Schacht Konrad soll nun um fünf Jahre verzögert werden.

Ein Straßenschild zeigt auf den Standort von Schacht Konrad (Foto: AP)

Schacht Konrad: Der Weg bis zur Fertigstellung ist noch lang

Die Bundesregierung wird den Atommüll vorerst nicht los. Der Start des dringend benötigten neuen Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Schacht Konrad bei Salzgitter wurde aufgrund von Bauverzögerungen verschoben. Statt 2014, soll das Endlager erst 2019 in Betrieb gehen, wie die Süddeutsche Zeitung am Donnerstag (23.09.2010) berichtete. Nun wird vom 1. Oktober an wieder der Salzstock bei Gorleben als möglicher Standort zur Endlagerung untersucht.

Noch immer nicht betriebsbereit

Umweltminister Norbert Röttgen (Foto: AP)

Umweltminister Röttgen: Problem der Endlagerung noch ungelöst

Geplant ist, dass Schacht Konrad in Salzgitter bis zu 303.000 Kubikmeter Abfall aus Kernkraftwerken und Forschungseinrichtungen aufnimmt. Die Abfälle sollen in 800 bis 1300 Meter Tiefe gelagert werden, wobei zunächst ein Bereich in 800 Meter Tiefe in Betrieb gehen wird. Nach der Einlagerung sollen die Kammern mit Spezialbeton fest verschlossen werden. Eine spätere Rückholung des Mülls ist damit unmöglich.

Das seit 1980 geplante Endlager sollte eigentlich schon längst fertig sein. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hatte stets betont, Schacht Konrad sei eine Lösung für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Die Anlage werde in wenigen Jahren betriebsbereit sein.

Schacht Konrad gilt seit den 1970er Jahren als möglicher Endlagerstandort. Anfang der 70er Jahre war das Bergwerk wegen Unrentabilität geschlossen worden. Schließlich erwarb es der Bund. Er ließ von 1975 an die Eignung als mögliches Lager für radioaktive Abfälle prüfen. 1982 stellte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beim Land Niedersachsen einen Genehmigungsantrag für die Vorbereitung des Betriebs. Mehr als 300.000 Bürger beschwerten sich über das Vorhaben, jedoch wurden ihre Klagen und die der Kommunen vor Gericht abgelehnt.

Verantwortung und Verpflichtung

Nach dem Atomgesetz ist der Bund verpflichtet, ein Endlager für hochaktive Abfälle zu schaffen, das bis 2030 betriebsbereit sein soll. Denn die deutschen Atommeiler produzieren jährlich etwa 450.000 Tonnen Müll. Bei 13 Atomkraftwerken gibt es Zwischenlager für Brennstäbe und hochradioaktiven Müll. In Aahaus und Gorleben existieren außerdem zentrale Zwischenlager. Eine wirkliche Lösung gab es bisher aber nicht.

"Die in diesem Jahr gemeldeten Zeitverzögerungen lassen sich nicht allein durch objektive Gründe, wie etwa falsche Annahmen, die fast 20 Jahre alt sind, erklären", erklärte ein BfS-Sprecher. Das BfS erwarte, dass die Beteiligten alle Möglichkeiten nutzen, um das Endlager schnell zu errichten.

Hohe Kosten, Starke Spannungen

Mit der Verzögerung könnte Schacht Konrad wesentlich teurer werden also die bisher veranschlagten 1,6 Milliarden Euro. Außerdem dürften Mehrkosten entstehen, weil der schwach- und mittelradioaktive Abfall weiterhin bei den Atomkraftwerken und in anderen Lagern zwischengelagert werden muss.

Zudem nehmen die Spannungen zwischen Ministerium und BfS zu. Nachdem das Umweltministerium versucht hatte, dem BfS die Befugnis zur Genehmigung von Atomlagern durch eine mögliche Privatisierungsregelung zu entziehen, schaltete sich das Kanzleramt ein, um dieses zu verhindern.

Die Opposition hatte von einer geplanten Entmachtung von BfS-Chef Wolfram König gesprochen. Das Mitglied der Grünen ist gegen längere Atomlaufzeiten. Dagegen möchte die Regierung den Betrieb von um durchschnittlich zwölf Jahre verlängern.

Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte, wenn die Atomindustrie im Rahmen einer Privatisierung für ein Endlager die Verantwortung übernähme, würde "der Bock zum Gärtner gemacht". Denn das Interesse der Atomindustrie sei "möglichst schnell und preiswert möglichst viel Atommüll zu verbuddeln".

Autorin: Mona Hefni (dpa,dapd)
Redaktion: Hajo Felten / Herbert Peckmann

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