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Aktuell Europa

Atomkraftwerk nach Pannen vom Netz

Frankreichs ältestes Kernkraftwerk, das AKW Fessenheim, liefert seit Freitag keinen Strom mehr. Nach einem Zwischenfall schaltete sich auch der zweite Reaktor ab. Reaktor Nummer eins steht schon seit zehn Tagen still.

Ein Ventil, das sich ungeplant geschlossen hatte, sorgt für den Stillstand. Bei diesem Vorfall habe sich Reaktor Nummer zwei automatisch abgeschaltet, teilte der französische Betreiber EDF mit. Für Sicherheit und Umwelt bestehe keine Gefahr, so EDF weiter.

Reaktor Nummer eins wurde schon vor zehn Tagen gestoppt. Grund dafür war ein Leck in einem Wasserschlauch, durch den aber nach EDF-Angaben kein radioaktiv belastetes Wasser floss.

Umweltschützer fordern schleunige Stilllegung

Die Atomreaktoren in Fessenheim sind seit Jahren vor allem in Deutschland heftig umstritten. Das Kernkraftwerk steht unmittelbar an der Grenze zu Deutschland. Umweltschützer nahmen die Pannen zum Anlass, um erneut die Schließung von Frankreichs ältestem Kernkraftwerk zu fordern. Es sei Zeit, die lebensverlängernden Maßnahmen der Atommeiler zu stoppen, die immer gefährlicher würden, hieß es in einer Erklärung der Fessenheim-Gegner. Umweltschützer auf beiden Seiten des Rheins fordern seit Jahren die Stilllegung des AKW. Sie verweisen unter anderem auf das Erdbebenrisiko im Rheingraben.

Die beiden 900-Megawatt-Reaktoren wurden 1977 und 1978 in Betrieb genommen. Die französische Atomaufsicht ASN hatte das Atomkraftwerk in Fessenheim erst in dieser Woche weitgehend positiv beurteilt. Im vergangenen Jahr habe es vier Störfälle der Stufe zwei und 126 Störungen der Stufe eins gegeben; dies wurde als "insgesamt ziemlich zufriedenstellend" bezeichnet. Bei so alten Meilern sei es aber äußerst schwierig, die Technik auf den neuesten Stand zu bringen, hieß es in der Beurteilung.

Greenpeace-Protest in Fessenheim

Vor einem Monat waren Greenpeace-Aktivisten auf das AKW-Gelände in Fessenheim eingedrungen und hatten auf der Betonkuppel eines der Reaktoren ein Transparent angebracht. Damit wollte Greenpeace nach eigenen Angaben - wie schon mit ähnlichen Aktionen in der Vergangenheit - auf Sicherheitslücken bei französischen Atomkraftwerken hinweisen. Das Pariser Umwelt- und Energieministerium hatte daraufhin angekündigt, die Sicherheitsvorkehrungen um die französischen Meiler zu verstärken.

Greenpeace Aktivitsten bringen ein Banner am Atommeiler in Fessenheim an (Foto: Greenpeace)

Greenpeace-Protest gegen unzureichende Sicherheitsmaßnahmen in Fessenheim am 18. März 2014

In Frankreich gibt es derzeit 19 Standorte, an denen Atomstrom produziert wird. Bis zum Jahr 2025 soll der Anteil der Kernkraft an der französischen Stromversorgung von aktuell 75 auf 50 Prozent sinken. Das Atomkraftwerk Fessenheim soll nach Worten von Frankreichs Staatspräsident François Hollande bis Ende 2016 still gelegt werden.

cw/ gmf (dpa, afp)