Athen braucht nicht die ganze Hilfe | Aktuell Europa | DW | 26.11.2017
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Eurorettung

Athen braucht nicht die ganze Hilfe

Der Rettungsschirm für Griechenland ist wohl größer als nötig. Athen werde nicht die ganzen 86 Milliarden Euro aufbrauchen, sagt der Chef des Eurorettungsfonds ESM. Für das restliche Geld gäbe es aber auch Verwendung.

Griechenland wird das laufende Hilfsprogramm wahrscheinlich nicht komplett ausschöpfen. "Wir freuen uns, dass die Darlehenssumme für Griechenland deutlich unter dem ESM-Programmdeckel von 86 Milliarden Euro bleiben dürfte", sagte ESM-Chef Klaus Regling dem "Handelsblatt". Nicht abgerufene Gelder könnten teilweise dazu genutzt werden, Griechenlands Darlehen an andere Gläubiger zurückzuzahlen. Voraussetzung für solche Schuldenerleichterungen sei aber, dass alle Euro-Staaten dem zustimmen und Athen die Reformauflagen umsetzt, schränkte Regling ein.

Griechenland wird seit 2010 von internationalen Geldgebern mit Hilfskrediten vor dem finanziellen Kollaps bewahrt. Das aktuelle dritte Hilfsprogramm mit einem Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro läuft im Sommer 2018 aus. Dann will das Krisenland nach mehr als acht Jahren am finanziellen Tropf wieder selbstständig wirtschaften können. Im Kern geht es darum, sich an den Finanzmärkten so viel Vertrauen zu erarbeiten, dass Athen von privaten Investoren zu auskömmlichen Zinsen Geld geliehen bekommt.

Klaus Regling (DW)

Archivbild: Der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, im Gespräch mit der DW

Der ESM-Chef äußerte sich zuversichtlich, dass die anstehende dritte Prüfrunde zum Fortgang des Griechenland-Hilfsprogramms weniger schwierig ausfallen wird als die vorangegangenen. Die Vertreter der Geldgeber wollen dazu am Montag nach Athen reisen. "Nach großen Verzögerungen bei den ersten beiden Programmüberprüfungen sind wir jetzt ermutigt von der Vorbereitungsarbeit der griechischen Seite für die kommende dritte Überprüfung", sagte er. Arbeite die Regierung in Athen "weiter so gut", könnten die Prüfungen rasch beendet werden.

Auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras rechnet mit dem planmäßigen Abschluss des europäischen Hilfsprogramms für sein Land und Schuldenerleichterungen der Gläubiger. Seine Regierung und die europäischen Partner arbeiteten hart daran, um "dieses Abenteuer" im August 2018 zu beenden, sagte er den Zeitungen "Die Welt" und "Le Figaro". Zum ersten Mal glaube er auch, dass diese Hoffnung mehr als ein Traum sei. "Die Gläubiger haben ihrerseits ein Entgegenkommen versprochen, um die bisher extrem hohe Schuldenlast von 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu reduzieren". Griechenland habe für seine Krisenbewältigung "einen hohen Preis" gezahlt, sei heute aber auch wieder wettbewerbsfähig.

Tsipras kritisierte, dass zwar chinesische Investoren die neuen Chancen in seinem Lande erkannt hätten, nicht aber im erhofften Maße die europäischen. "Wenn die Europäer nicht begreifen, dass Griechenland eine Chance bedeutet, werden andere das erkennen. Europa muss das Vakuum ausfüllen, das es hinterlassen hat", forderte er.

rb/SC (dpa, rtr)

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