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Wirtschaft

Atempause für Eon

Ein Einmalgewinn im Gasgeschäft hat dem von der Energiewende schwer gebeutelten Versorger Eon zu Jahresbeginn eine kleine Atempause verschafft. Der operative Gewinn legte im ersten Quartal um acht Prozent zu.

Er belief sich auf knapp 3,1 Milliarden Euro, wie der Konzern am Mittwoch in Essen mitteilte. Dazu trug vor allem der Sondergewinn von rund 400 Millionen Euro aus den neu verhandelten Lieferverträgen mit dem russischen Gasriesen Gazprom bei. Damit erhielt der Konzern auch zusätzliche Kraft für die bevorstehende Aufspaltung.

Ohne den Sondereffekt hätte sich die Talfahrt angesichts des in den ersten Monaten des Jahres noch einmal verschärften Verfalls der Strompreise weiter fortgesetzt. So sackte der operative Gewinn der Großkraftwerke um fast 30 Prozent ab. Eon habe sich angesichts der angespannten Marktlage aber ordentlich geschlagen, schrieb Vorstandschef Johannes Teyssen im Zwischenbericht. Der um Bewertungseffekte bereinigte Nettogewinn legte um 30 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich stand ein Zuwachs des Überschusses von zehn Prozent auf 1,17 Milliarden Euro.

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Aufspaltung angestrebt

Am 8. Juni müssen die Aktionäre bei einer Hauptversammlung endgültig über die Aufspaltung und Neuausrichtung entscheiden. Der Hauptkonzern wird sich dann auf Ökostrom, Netze sowie Vertrieb konzentrieren und die deutschen Atomkraftwerke weiter betreiben. Das angeschlagene Geschäft mit den übrigen Großkraftwerken und der Energiehandel sind bereits operativ in der neuen Tochter Uniper abgetrennt. Diese soll im Herbst an der Börse notieren.

Der Umbau komme wie geplant voran, sagte Finanzchef Michael Sen. Von Investoren gebe es große Zustimmung für den Kurs. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern angesichts der bevorstehenden Aufspaltung hohe Abschreibungen vorgenommen und deshalb unter dem Strich einen Rekordverlust von rund sieben Milliarden Euro verbucht.

Eon schätzt seinen Kostenanteil am Kompromissvorschlag der Atomkommission auf rund zehn Milliarden Euro. Das sagte Eon-Finanzchef Michael Sen am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz. Das Unternehmen begrüße aber grundsätzlich die Einigung zum Atomausstieg und wolle die weiteren Verhandlungen auf der Basis des Kommissionsvorschlages führen, betonte Sen.

"Randthemen" zum Verkauf

Eine solche Summe, die bisher nur grob geschätzt sei, bedeute aber enorme Belastungen. Als Folge müssten Zukunftsinvestitionen möglicherweise gestreckt werden "oder wir müssen uns anderer Mittelbedienen, um Kapital in das Unternehmen zu holen", sagte Sen. Möglich seien auch "Verkäufe von Randthemen" im Konzern.

Das Unternehmen sei in der Lage, diese Summe aufzubringen, aber natürlich werde das Eigenkapital geschmälert und damit möglicherweise das Rating. Eon dringe darauf, neben einem Gesetz zur Finanzierung der Atomlasten auch einen direkten Vertrag mit dem Bund abzuschließen, um mehr Rechtssicherheit zu gewinnen, sagte Sen.

Die Regierungskommission hatte Ende April vorgeschlagen, dass die vier Stromkonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW bis 2022 rund 23,3 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds überweisen, der die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll managen würde. Im Gegenzug soll der Staat die Haftung für die Zukunft übernehmen.

Anfangs hatten die vier Atomkonzerne die Vorschläge der Kommission in gleichlautenden Erklärungen abgelehnt. Die Unternehmen würden "über ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hinaus" belastet, hieß es darin. Die Konzerne hatten sich allerdings schon in dieser ersten Erklärung eine abschließende Bewertung vorbehalten.

wen/ul (dpa, rtrd)