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Wirtschaft

Atempause für den Ölpreis

Chávez bleibt im Amt, die politische Lage Venezuelas scheint fürs erste beruhigt. Aber entspannt sich auch der Ölpreis, der in den vergangenen Tagen von einem Rekordhoch zum nächsten sprang?

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Venezuela: Chávez sichert Erdölversorgung zu

Kapital ist scheu wie ein Reh, heißt es. Doch der Markt für Rohöl ist mindestens genauso schreckhaft: Hartnäckig hatte sich der Ölpreis zuletzt jenseits der magischen Grenze von 40 Dollar pro Barrel gehalten. Umso größer war die Spannung, mit der die Finanzwelt die Volksabstimmung über das Schicksal des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez beäugt hatte. Venezuela ist der fünftgrößte Erdölexporteur. Verzögerungen bei der Auszählung der Wahlergebnisse ließen die Ölpreise am Montag zunächst sofort auf ein neues Rekordhoch von 46,80 Dollar klettern.

Kurze Atempause

Venezuela Präsident Hugo Chavez Präsidentenpalast Caracas

Überlebte das Referendum: Hugo Chávez

Dann aber kam die erlösende Nachricht: Nach Auszählung von 94 Prozent der Stimmen kündigte die Wahlkommission das Scheitern des Referendums an: 58,25 Prozent der Wähler hatten sich für den Verbleib Chávez' im Präsidentenamt ausgesprochen. Erleichterung auf dem Ölmarkt setzte ein: Der Preis sank um 38 Cent.

Heinz Mewis, Chef-Volkswirt bei der Dresdner Bank Lateinamerika, begründet dies mit dem eindeutigen Wahlergebnis: "Bei einem knapperen Ausgang hätten die Analysten mit Unruhen gerechnet, der Ölpreis wäre gestiegen."

Mit einer längerfristigen Beruhigung der politischen Lage Venezuelas rechnet auch Nikolaus Werz, Politikwissenschaftler an der Universität Rostock: "Wenn sich die Transparenz und die Integrität der Wahlen weiterhin bestätigen, dann bröckelt der Rückhalt der Opposition. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Ölexporte Venezuelas wie Anfang 2003 erneut durch Generalstreiks lahm gelegt werden, sinkt."

Ölpreise nützlich für Chávez

Streik in Venezuela

Massendomonstrationen und Generalstreiks gegen Chávez

Chávez selbst kam der Höhenflug des Ölpreises nicht ganz ungelegen: Durch sprudelnde Exporteinnahmen konnte er aufwändige Sozialprojekte ankündigen und Wählerstimmen für sich gewinnen. Unmittelbar nach seinem Sieg hatte er jedoch die garantierte Versorgung der Weltmärkte mit venezolanischem Öl erklärt. Den Preis werde das jedoch nicht weiter drücken, vermutet Mewis, weil das Land nicht allzu ausschlaggebend für den internationalen Rohölpreis sei: "Die Entwicklungen im Nahen Osten und das Thema Yukos sind bedeutender," erklärt er, "Venezuelas politische Beruhigung trägt nur dazu bei, dass sich die Preisspirale nicht noch weiter dreht."

Psychologische Preisbildung

Die Preisspirale sei derzeit ausschließlich psychologisch bedingt, erklärt David Milleker, Leiter der Industrieländer-Analyse bei der Dresdner Bank. "Es herrscht keine Ölknappheit auf dem Weltmarkt; würde der Preis normalen Angebots- und Nachfragemechanismen folgen, läge er bei unter 30 Dollar pro Barrel." Es entwickelten sich jedoch "spekulativ überzeichnete Preise", so Milleker, denn "es brennt an allen Ecken und Enden". Seinen Schätzungen zufolge seien mindestens 10 Dollar des derzeitigen Ölpreises ein "Risikozuschlag".

DAX - Deutscher Aktienindex, Börse in Frankfurt am Main

Wohin geht der Ölpreis?

Mit Preisen jenseits der 40 Dollar ist jedoch laut Milleker eine "Schmerzgrenze" überschritten: "Das hat konjunkturelle Auswirkungen, die aber erst mit rund sechsmonatiger Verzögerung eintreten." Dementsprechend korrigieren Volkswirte in Deutschland zum Beispiel ihre Erwartungen an das Wachstum bereits nach unten: um 0,3 Prozent für das laufende und um 0,5 Prozent für das kommende Jahr 2005.

Hoffnung für die Preise?

Aktuelle Spekulationen über Ölpreise jenseits der 50 Dollar hält Milleker jedoch mittelfristig für unwahrscheinlich: "Auf Dauer kann der 'Angstfaktor' den Ölpreis aufgrund des Überangebotes nicht dominieren." Milleker rechnet mit Rohölpreisen um die 30 Dollar gegen Ende des Jahres: "Die Lager werden immer voller, der Druck des Überhangs steigt, so dass der Preis irgendwann massiv sinken muss, was hoffentlich zu einem Domino-Effekt führt. Und dann interessiert sich auch keiner mehr für Risiko-Szenarien."

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