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Aktuell Europa

"Atemberaubende Erfolgsgeschichte"

Deutschland und Frankreich begehen den 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages. Außenminister Guido Westerwelle spricht von einem Motor für den europäischen Zusammenhalt. Und er mahnt die Jugend beider Länder.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Deutschen zur Pflege der Freundschaft zu Frankreich aufgerufen. Diese besondere Verbundenheit dürfe nicht einfach als selbstverständlich betrachtet, sondern müsse "jeden Tag neu erarbeitet werden", sagte der Minister der Deutschen Welle in Berlin. Gerade die junge Generation solle das ernstnehmen und sich für das Nachbarland interessieren. "Politiker kommen und gehen. Regierungen kommen und gehen. Abgeordnete werden auf Zeit gewählt. Was bleiben muss, ist die Freundschaft der Völker", so Westerwelle.

Der deutsch-französische Motor sei "unerlässlich" für den europäischen Zusammenhalt. Wenn sich diese beiden Länder nicht einig seien, werde es mit dem weiteren Zusammenwachsen nichts. Dabei werbe er nachdrücklich dafür, immer stärker auch Polen in die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich einzubeziehen.

Erinnerung an Nachkriegszeit

Video ansehen 12:00

Journal Interview mit Westerwelle - 50 Jahre Élysée-Vertrag

Westerwelle erinnerte mit Blick auf frühere Ressentiments an eigenes Erleben in Jugendjahren. Bei einem Zelturlaub in der Bretagne habe er auf französischer Seite noch die Trauer erlebt darüber, was Deutsche im Zweiten Weltkrieg (1939-45) Franzosen angetan hätten. Eine ältere Dame habe in einem Laden die jungen Deutschen nicht bedienen wollen und sei weinend in einem hinteren Raum verschwunden. Die Tochter der Französin habe dann erläutert, dass deren Mann von den Deutschen getötet worden sei. Das Verhalten der Dame richte sich aber nicht gegen die jungen deutschen Gäste. Wenn er selbst, so der 51-Jährige, noch einmal jung wäre, würde er gewiss eine Zeit lang in einem anderen europäischen Land und vermutlich in Frankreich leben wollen. Grundsätzlich habe ihn die Herzlichkeit, die er als Heranwachsender im Nachbarland erfahren habe, sehr geprägt.

Die Freundschaft zwischen beiden Ländern bezeichnete der Minister als "kleines Juwel" und "Schatz", einen "wirklichen Standpfeiler für uns als Nationen". Heute bestünden zwischen Deutschland und Frankreich rund 2000 Partnerschaften. Das zeige die Spannbreite der beiderseitigen Beziehungen. Es gebe einen gemeinsamen Fernsehkanal, deutsche und französische Soldaten engagierten sich in einer gemeinsamen Brigade. Insgesamt sei die Entwicklung seit der Unterzeichnung des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages am 22. Januar 1963 "wirklich großartig". Das damalige Handeln von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle sei zur Initialzündung für eine "atemberaubende Erfolgsgeschichte" geworden.

Staatspräsident de Gaulle (.r) und Bundeskanzler Adenauer unterzeichnen im Elysee-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag (Foto:dpa)

Staatspräsident de Gaulle (r.) und Bundeskanzler Adenauer unterzeichnen im Elysee-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag

Westerwelle äußerte sich auch zu den verschiedenen politischen Konstellationen in den vergangenen 50 Jahren, in denen sich auf beiden Seiten auch Politiker unterschiedlicher Lager - wie derzeit Angela Merkel (CDU) und der Sozialist Francois Hollande - gegenüberstanden. Zwar habe es manchmal auch "anfängliche Schwierigkeiten" gegeben. Aber die Verantwortungsträger auf beiden Seiten hätten dann immer rasch einen "sehr engen persönlichen Draht gefunden". Die Begegnungen von Politikern beider Länder seien nicht kompliziert oder statisch, sondern auch bei ernsten Fragen sehr herzlich.

Der knapp 18 Jahre nach Kriegsende unterzeichnete Elysée-Vertrag, der schon bald als deutsch-französischer Freundschaftsvertrag bezeichnet wurde, bedeutet einen entscheidenden Markstein in der Geschichte beider Länder: Eine Annäherung auf vielen politischen und gesellschaftlichen Feldern machte aus den früheren Feinden Deutschlands und Frankreichs die wichtigsten Partner in Europa.

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