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Aktuell Deutschland

Asylbewerber in Dresden erstochen

Ein in Dresden tot aufgefundener Asylbewerber ist erstochen worden. Die Polizei hatte zunächst erklärt, sie habe keine Hinweise auf eine Straftat. Jetzt wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt.

Ein Asylbewerber aus Eritrea ist in Dresden erstochen worden. Die Obduktion habe ergeben, dass der 20-Jährige an mehreren Messerstichen in Hals und Brust starb, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase. Die Behörde ermittelt wegen Totschlags. Täter, Hintergründe und Umstände des Geschehens seien noch unbekannt, auch die Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden. Die Mordkommission wurde personell aufgestockt und konzentriert sich auf die Befragung der Mitbewohner des Afrikaners.

Polizei ermittelt

Einen Unfall oder Selbstmord hatten die Ermittler zunächst ausgeschlossen. "Unsere Ermittlungsrichtung ist ein Tötungsdelikt", sagte Polizeipräsident Dieter Kroll. "Wenn die Obduktion etwas anderes ergibt, wäre mir das lieber als alles andere", fügte Kroll hinzu. Die Behörden hatten zunächst mitgeteilt, dass es für Fremdeinwirkung keine Anhaltspunkte gebe.

Der 20-Jährige aus Eritrea war am Dienstag in einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Noch am Morgen danach erklärte ein Sprecher, dass alles möglich sei - von Unfall bis Mord. Freunde und Mitbewohner des Asylbewerbers hatten in sozialen Netzwerken berichtet, dass die Leiche blutüberströmt gewesen sei und dass es sichtbare Verletzungen gegeben habe. Medienberichten zufolge hatte der junge Mann am Montagabend seine Wohnung verlassen und war danach nicht mehr zurückgekehrt. Passanten hatten den Leichnam entdeckt und die Polizei verständigt.

Dresden ist die Hochburg der fremden- und islamfeindlichen "Pegida"-Proteste. Die Bewegung fordert unter anderem eine strengere Asylpolitik. Bei der letzten Demonstration am Montag gingen etwa 25.000 "Pegida"-Anhänger auf die Straße.

Mahnwache für das Opfer

Vor dem Albertinum, wo Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) zum Neujahrsempfang geladen hatte, demonstrierten am Nachmittag gut 100 Menschen. Darunter waren mehrere Afrikaner. Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) bot ihnen ein Gespräch an. "Ich möchte, dass Sie wieder angstfrei in Sachsen leben können." Aus dem Landtag kamen Forderungen nach umfassender Aufklärung des Falls. Dabei müsse auch ein mögliches rassistisches Motiv geprüft werden, sagte die Linken-Abgeordnete Juliane Nagel. Albrecht Pallas (SPD) mahnte zur Besonnenheit: "Spekulationen - in welche Richtung auch immer - helfen nicht weiter." Valentin Lippmann (Grüne) warnte "in der aufgeheizten Atmosphäre" vor Vorverurteilungen: "Ergebnisse der Ermittlungen müssen abgewartet werden."

cr/sp (dpa, epd)