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Wissen & Umwelt

Astronaut Tim Peake als Versuchskaninchen für die Forschung

Drei Tage nach seiner Rückkehr aus dem All sieht man Tim Peake keine Strapazen an. Aber Mediziner am Kölner Envihab beobachten die Wiederanpassung des Astronauten an die Gravitation genau - für die Wissenschaft.

Der britische Astronaut Tim Peake trat am Dienstag in Köln fit wie ein Turnschuh vor die Presse. Die Folgen seines sechsmonatigen Langzeit-Weltraumaufenthalts auf der Internationalen Raumstation (ISS) waren ihm nicht anzusehen.

"Ich fühle mich sehr viel besser als noch Samstag Mittag", sagte Peake. "Es ist erstaunlich, wie schnell sich der Körper an eine neue Umgebung anpasst. Nach nur drei Tagen geht es mir fantastisch."

Dennoch muss sich der Astronaut erst langsam wieder an das Leben auf der Erde gewöhnen. Die fehlende Erdanziehungskraft des letzten halben Jahres hat in seinem Körper allerhand durcheinander gebracht, wie zum Beispiel den Stoffwechsel. Vor allem aber haben sich genau die Muskelpartien zurückgebildet, die uns auf der Erde ermöglichen zu laufen oder schwere Dinge zu tragen. Auch die Knochen litten unter dem Weltraum-Aufenthalt.

Training zum Erhalt der Muskelkraft

Astronauten versuchen deshalb schon während ihrer Zeit auf der ISS aktiv gegen den Muskelschwund vorzugehen. Ein Mittel dagegen: Ein Laufband, mit dem sich die Astronauten täglich mindestens eine halbe Stunde fit halten. Die fehlende Gravitation müssen sie dabei durch elastische Schultergurte simulieren, die die Sportler auf dem Band festhalten.

Astronaut Tim Peake läuft Marathon im All auf einem Laufband. (Foto: picture alliance/dpa/H. Kaiser)

Sportlich, sportlich: Tim Peake ließ sich auch von der Schwerelosigkeit nicht vom Marathonlauf abhalten

Tim Peake ging sogar noch viele Schritte weiter: Er lief gleichzeitig mit dem London Marathon am 24. April

einen eigenen 42-Kilometer Marathon

auf der ISS und kam damit auch ins Guinness-Buch der Rekorde.

Nachbetreuung am Forschungsinstitut Envihab

In Köln findet die medizinische Nachbereitung des Raumfluges statt. Peake ist, nach dem Deutschen Alexander Gerst und dem Dänen Andreas Mogensen, der dritte Astronaut, der direkt nach seiner Rückkehr auf die Erde im medizinischen Forschungsinstitut Envihab nachbetreut und auf Herz und Nieren untersucht wird. Der Name des Instituts setzt sich aus "Environment" (Umwelt) und "Habitat" (Lebensraum) zusammen, weil dort die verschiedensten Umweltbedingungen simuliert werden können - etwa unterschiedlicher Luftdruck, Lichtverhältnisse und Gaszusammensetzungen der Atemluft.

Tim Peake musste direkt nach seiner Ankunft eine Blutabnahme, Augenuntersuchungen und ein EKG über sich ergehen lassen. Hinzu kamen verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zum Anpassungsprozess des Körpers an die Gravitation - etwa zum Schlafrhythmus, zum Nährstoffverbrauch und Nervensystem, zu Herz und Arterien sowie Muskeln und Knochen. Die gemessenen Daten werden mit Messungen vor und während des Raumfluges verglichen.

"Das ist mittlerweile schon ein Routinevorgang", erklärte Frank de Winne, Leiter des

Europäischen Astronautenzentrums

und ehemaliger ISS-Kommandeur. "Die ersten beiden Male waren mehr Versuche, aber jetzt machen wir ja alle medizinischen Tests und wissenschaftlichen Experimente hier am Envihab."

ESA Pressekonferenz - Rückkehr Astronaut Tim Peake von der ISS. (Foto: DW/ Fabian Schmidt)

David Parker (ganz links): Wir haben schon viele weitere spannende Pläne und Ideen

Die Forscher verprechen sich neben Erkenntnissen für die Raumfahrt davon vor allem auch einen Nutzen für die Allgemein-Medizin. So können die Erkenntnisse zum Muskel- und Knochenschwund möglicherweise helfen, Therapien für Osteoporose-Patienten zu entwickeln.

Schließlich ginge es bei der Raumfahrt auch um "Technologien und Innovationen, die wir [von den Missionen] zurückbringen", erklärte David Parker, Direktor für Programme für bemannte Raumfahrt und robotische Exploration bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).

Irdische Politik

Der britische Astronaut Peake wurde auch zu einem Thema befragt, das mit Raumfahrt eher weniger zu tun hat. Am Donnerstag stimmen die Briten in einem historischen Referendum über den Verbleib des Vereinten Königreichs in der EU ab und entscheiden, ob es zu einem "Brexit" kommen wird.

"Das ist eine wichtige Entscheidung - aber wählen ist eine sehr persönliche Angelegenheit", sagte Peake den Reportern. "Ich werde Ihnen nicht verraten, wofür ich stimmen werde."

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