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Wissen & Umwelt

Astronaut auf Zeit

Das Mars-Experiment der ESA beginnt: 105 Tage lang wird der Deutsche Oliver Knickel mit fünf weiteren Männern in ein nachgebautes Raumschiff gesperrt. Psychisch stabil müssen sie sein. Und bitte keine Platzangst haben...

Mars (Foto: ESA/ESOC)

Dort soll's hingehen - irgendwann......

Torwart bei Bayern München wollte Oliver Knickel als kleiner Junge werden, Lokomotivführer oder Pilot. Stattdessen nimmt der 28-jährige Hauptmann der Bundeswehr jetzt an einer aufwändigen simulierten Mars-Expedition der europäischen Raumfahrtbehörde ESA teil.

Oliver Knickel (Foto: ESA/ESOC)

Oliver Knickel

Oliver Knickel wurde aus insgesamt 5600 Bewerbern als einziger Deutscher ausgewählt. Mit ihm werden vier Russen und ein Franzose 105 Tage lang in einen 180 Quadratmeter großen Raumschiffnachbau in der Nähe von Moskau gesperrt. Ziel des Ganzen: Beobachten und messen, wie sich die lange Isolation auf die "Besatzung" auswirkt. Ein erster Test unter fast realen Bedingungen für eine echte, bemannte Mission zum Mars.

Die sechs Astronauten stehen in dieser Zeit unter permanenter Beobachtung, leben auf engstem Raum zusammen und haben keinen Kontakt zur Außenwelt. Oliver Knickel nimmt das drei Monate lang auf sich, um, wie er sagt, "ein kleines Rädchen zu sein im Uhrwerk, damit Menschen irgendwann mal auf den Mars fliegen".

Eisen(III)-Oxid-Staub (Rost) färbt die Oberfläche des Mars blutrot (Foto: NASA)

Eisen(III)-Oxid-Staub (Rost) färbt die Oberfläche des Mars' blutrot

Bei der Bundeswehr fing alles an

Ein interessanter, vielseitiger und auch herausfordernder Beruf sollte es sein, sowohl psychisch als auch physisch. Deshalb entschied sich der gebürtige Düsseldorfer 1999 direkt nach dem Abitur für eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr. 2002 ging er für drei Monate nach Afghanistan und arbeitete dort im Rahmen der Schutztruppe ISAF. Doch die bemannte Raumfahrt, die habe ihn schon immer interessiert, so Knickel. Deswegen zögerte er auch nicht, sich 2007 auf die Ausschreibung für das Mars-Isolationsprojekt der ESA zu melden.

Die wichtigsten Kriterien erfüllt er locker: Größe, Gewicht und Fitness, aber auch psychologische Stärken. Vor allem die emotionale Stabilität sei sehr wichtig, betont Knickel immer wieder. Er habe beweisen müssen, dass er "keine starke Neigung zu emotionalen Hochs und Tiefs" habe. Oliver Knickel wirkt sehr reflektiert, wenn er das sagt. Reifer und älter als 28. Er sei ein besonnener Typ, manchmal auch schweigsam, sagt er von sich.

Oliver Knickel bei letzten medizinischen Tests vor dem Start. (Foto: IBMP/Oleg Voloshin)

Oliver Knickel bei letzten medizinischen Tests vor dem "Start"

Auch die nötigen Sprachkenntnisse bringt Knickel mit. Er spricht nahezu fließend Englisch und hat zudem sehr gute Russischkenntnisse. Sollte die Kommunikation mit seinen russischen Kollegen an Bord doch einmal Probleme bereiten, hat er aber sicherheitshalber ein Englisch- und ein Russisch-Wörterbuch im Gepäck.

Bayrische Menüs auf engstem Raum

Auf knapp drei Quadratmeter begrenzt sich Knickels Privatleben in den nächsten Monaten. So groß ist seine Einzelkajüte, in der er unbeobachtet bleibt. Sonst sind überall im Raumschiff Kameras installiert. Die Tatsache, permanent beobachtet zu werden, bereitet dem 28-jährigen jedoch keine größeren Probleme. "Wir werden ja von keiner breiten Masse, nicht im Internet oder auf einem bestimmten Fernsehkanal beobachtet".

Die Nahrungsmitttel werden aus Deutschland geliefert. Hauptsächlich "Essen mit bayrischem Touch", erzählt Knickel. Schupfnudeln, zum Beispiel. Vitamine und Nährstoffe, die man sonst aus frischem Gemüse und Obst zu sich nehmen würde, wird Oliver Knickel die nächsten 105 Tage lediglich aus Babynahrung erhalten.

Eine Dusche gibt es an Bord des "Raumschiffs" nicht, weil man sie bei einem richtigen Weltraumflug aufgrund der Schwerelosigkeit gar nicht installieren könnte. Aber tägliche Hygiene sei natürlich wichtig, lacht Knickel: "Mit nassen Tüchern funktioniert das schon."

Verzögerter Draht nach Hause

Schlafzimmer auf engstem Raum (Foto:ESA)

Luxus sieht anders aus ...

Gegen das größte Heimweh hat Oliver Knickel Fotos seiner Freundin und der ganzen Familie bei sich. Denn Kontakt nach Hause wird er voraussichtlich nur einmal pro Woche haben können. Zudem kommen alle e-mails und Telefonate mit 20-minütiger Verzögerung im Kontrollzentrum an. Auf dem echten Flug zum Mars wäre das ja auch so.

Auf die Frage, ob ihm während der Vorbereitungen irgendwann einmal Zweifel gekommen seien, antwortet Knickel selbstbewusst: "Nein, überhaupt nicht!" Bei so viel Zuversicht überrascht es nicht, dass er wohl selbst bei einem realen Flug ins Weltall "Ja!" sagen würde.

Autorin: Sabine Gogolok

Redaktion: Judith Hartl

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