Association pour le Développement l′Enseignement de l′Allemand en France (ADEAF) | Porträts der IDV-Lehrerverbände | DW | 22.12.2015
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Porträts Lehrerverbände

Association pour le Développement l'Enseignement de l'Allemand en France (ADEAF)

In Frankreich soll der Deutschunterricht stark gekürzt werden. Das hat den französischen Deutschlehrerverband auf den Plan gerufen. Mit zahlreichen Aktionen will sich der Verband gegen die Schulreform wehren.

Katrin Goldmann ist die Vize-Präsidentin des französischen Deutschlehrerverbands. Sie ist seit zehn Jahren im Verband aktiv, seit 20 Jahren Deutschlehrerin, und seit 30 Jahren lebt die gebürtige Deutsche in Frankreich.

Deutsche Welle: Frau Goldmann, es war nicht einfach, einen Termin zu finden für unser Gespräch. Was beschäftigt Sie und den Verband derzeit so sehr?

Katrin Goldmann: Wir haben sehr viel zu tun, da wir gegen eine geplante Schulreform hier in Frankreich kämpfen. Durch diese Reform werden die sogenannten „classe bilangue“ und „classe européene“ aus dem Schulsystem gestrichen. In meiner Schule bedeutet das konkret 50 Prozent weniger Deutschstunden. Deswegen haben wir eine ganze Reihe von Aktionen gestartet. Unter anderem auch eine Petition, die knapp 50.000 Leute unterschrieben haben.

Und jetzt haben Sie noch eine weitere Umfrage gestartet. Welches Ziel hat diese neue Umfrage?

Audio anhören 00:37

Hören Sie rein: Katrin Goldmann erzählt von ihrem schönsten Deutschlehrermoment

Wir wollen wissen, ob die Lehrer bereit sind, bei einem Boykott, wenn man es so nennen will, mitzumachen.

Ein Boykott?

Wir wollen zeigen, wie viel die Lehrer arbeiten. Viele Lehrer müssen eine Menge Extraaufgaben wie Zertifikation und Schüleraustausch erledigen. Das bedeutet zusätzliches Engagement der Deutschlehrer. Das gehört nicht zu unseren Pflichtaufgaben. Wenn die Reform wirklich durchgeführt würde, werden diese Dinge eingestellt. Das wollen wir zeigen.

Zudem starten wir eine große Postkartenaktion an den Präsidenten François Hollande. Wir haben massiv Postkarten drucken lassen mit dem Aufruf an François Hollande, diese Klassen aufrechtzuerhalten. Das ist ein Vordruck. Die Leute, die uns unterstützen möchten, brauchen nur unterschreiben und diese Postkarte dann einstecken. Wir hoffen, dass dann auch viele Eltern und nicht nur Lehrer mitmachen.

Das klingt nach einer Menge Kampfgeist. Wie ist die Stimmung bei Ihnen angesichts dieser schwierigen Situation im Verband?

Wir sind natürlich sehr beschäftigt und zum Teil auch im Stress. Es ist je nach Mitglied unterschiedlich. Einige sind schon sehr deprimiert. Bei solchen Aktionen weiß man nie, ob das gelingen wird. Aber bis jetzt geben wir noch nicht auf. Wir haben auch noch nicht die Hoffnung verloren.

Neben diesem Engagement müssen Sie ja auch noch Ihrem normalen Unterricht nachgehen ...

Protestierende Menschen mit Deutschlandfahne

Der französische Deutschlehrerverband bei einem Protest gegen die Bildungsreform

Ja, es ist schon sehr zeit- und arbeitsaufwendig. Und auch energieaufwendig. Wir hatten gerade eine Vorstandssitzung, die hat den ganzen Tag gedauert. Ich komme diese Woche schon auf 25 Arbeitsstunden nur für den Verband. Momentan ist es wirklich nicht einfach.

Dann muss Ihnen das Ganze ja wirklich sehr am Herzen liegen. Sonst würden Sie sich ja sicherlich nicht so engagieren.

Ja, das Problem ist ja auch, die Schüler wollen Deutsch lernen. Es gab Zeiten, da ging Deutsch stark zurück, weil die Nachfrage nicht mehr da war. Das hat sich aber sehr geändert. Im Grunde hindert uns die eigene Regierung ständig daran, diese Nachfrage zu befriedigen. Das hat damit angefangen, dass man beim Übertritt von Grund- auf Mittelschule, die Sprache, die in der Grundschule angefangen wurde, zwingend weiterführen musste. In der Grundschule wurde natürlich hauptsächlich Englisch angeboten und kein Deutsch.

Die Deutsch-französische Freundschaft ist die Grundlage der europäischen Verhältnisse und auch der Europäischen Union. Wenn man das aufrechterhalten will oder eventuell ausbauen will, dann müssen die Leute auch die jeweilige Sprache lernen und auch mal ein Austauschprogramm machen.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der französische Deutschlehrerverband (Association pour le Développement l'Enseignement de l'Allemand en France, ADEAF) wurde 1974 gegründet und hat rund 1900 Mitglieder. Zu den wichtigsten Aktivitäten gehören regelmäßige Lehrertreffen, Filmvorführungen, Bücherlesungen, Stammtische sowie die Veröffentlichung der Vereinszeitschrift.

Vorstandsgremium:
• Thérèse Clerc (Präsidentin)
• Martine Buisson (Vize-Präsidentin)
• Katrin Goldmann (Vize-Präsidentin)
• Christian Oudet (Schatzmeister)
• Fabienne Fedou (Sekretärin)

IDV-Kontaktperson: Katrin Goldmann; katrin.goldmann [at] ac-versailles.fr

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