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Porträts Lehrerverbände

Association des Germanistes du Burkina Faso (AGBF)

Die AGBF gibt es schon seit über 20 Jahren. Damit jeder Deutschlehrer Mitglied werden kann, müssen diese keinen Beitrag zahlen. Durch kreative Lösungen und viel Einsatz kommt der Verband trotzdem an Geld.

Tieribadin Yira mag den Austausch mit Deutschland. Deswegen hat er auch eine Schulpartnerschaft mit einer bayerischen Schule gestartet. Yira war über zehn Jahre der Präsident der Vereinigung der Deutschlehrer von Burkina Faso. Heute ist er noch immer im Vorstand aktiv, als Schatzmeister. Er unterrichtet schon seit 31 Jahren Deutsch. Bald will er in Rente gehen.

Deutsche Welle: Herr Yira, Sie waren lange Zeit der Vorsitzende des Verbands, heute sind Sie Schatzmeister.

Tieribadin Yira: Ja, aber ohne Geld. Lacht. Die Kasse ist im Moment leer. Wir warten auf Einschreibungen von Sprachkursen, um ein bisschen Geld einkassieren zu können. So funktionieren wir hier.

Das heißt, Sie nehmen keine Mitgliedsbeiträge, sondern finanzieren sich über Sprachkurse?

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Hören Sie rein: Tieribadin Yira erzählt, was ihm an Deutschland gefällt

Genau, der Verband hat zuerst mit Beiträgen funktioniert. Aber dann hat sich vieles im Verband geändert. Irgendwann haben wir dann im Vorstand beschlossen, auf die Beiträge zu verzichten und uns mit den Geldern von Sprachkursen und Abendkursen zu finanzieren.

Sie geben also freiwillig als Vorstandsmitglieder Deutschkurse, um Geld für den Verband zu verdienen? Das ist ja beeindruckend, so ein Einsatz.

Ja, genau. Bisher ist uns das immer gut gelungen, alle sind immer noch munter dabei.

Kommen wir mal auf Ihre konkrete Verbandsarbeit zu sprechen. Die meisten Verbände haben eine jährliche Tagung, gibt es das bei Ihnen in Burkina Faso auch?

Wir hatten die Absicht, so etwas zu planen. Aber leider klappt das aus finanziellen Gründen nicht. Auch wenn unser Land nicht besonders groß ist, sind wir doch auf deutsche Gelder angewiesen. Leider wurden die in letzter Zeit weniger – es heißt, wegen der Krise in Europa.

Wie steht es denn generell um die Arbeitsbedingungen von Deutschlehrern in Burkina Faso?

Das ist durchschnittlich. Also, im Allgemeinen verdienen die Lehrer um die 300 Euro pro Monat. Wenn man kurz vor der Rente steht, bekommt man kaum das Doppelte.

Davon könnte man in Deutschland nicht einen Monat leben ...

Vorstandsmitglieder des Deutschlehrerverbands Burkina Faso

Vorstandsmitglieder des burkinischen Deutschlehrerverbands bei einer Besprechung

Auch bei uns ist das für manche sehr schwer. Und im Allgemeinen sind die Familien in Burkina auch sehr groß. Oft muss man sich um viele Menschen kümmern. Auch wenn man weniger Kinder hat, muss man sich um andere kümmern. Deshalb sind die Gehälter nicht sehr hoch für uns.

Und wie steht es um Deutsch als Schulfach in Burkina Faso? Gibt es viele Schülerinnen und Schüler, die Deutsch lernen möchten?

Ja, sie haben oft gar keine Wahl. Sobald das Gymnasium Literaturwissenschaften unterrichtet, ist Deutsch ein Pflichtfach. An allen Gymnasien des Landes wird Deutsch unterrichtet. Nach den neuesten Zahlen haben wir insgesamt 67.000 Schülerinnen und Schüler, die Deutsch lernen.

Wie kommt es zu dieser Begeisterung für Deutsch?

Also, zum einen brauchen manche Fächer wie die Literaturwissenschaften die Sprache als Basis. Bis vor Kurzem gab es noch zwei andere Fremdsprachen, Spanisch und Arabisch. Die werden momentan aus Mangel an Lehrern nicht angeboten. Und Deutsch bleibt jetzt die einzige zweite Fremdsprache an Gymnasien neben Englisch.

Und was halten die Schülerinnen und Schüler von so viel Deutsch?

Es gibt eine große Begeisterung für Deutsch. Ich würde sagen, dass vorwiegend die ökonomische Situation von Deutschland die Schüler motiviert. Und die meisten träumen natürlich davon, nach Deutschland zu gehen, sei es als Fußballer oder als Student. Außerdem bietet Deutschland einfach mehr Stipendien an als andere Länder, was natürlich auch einen Einfluss hat.

Sie unterrichten ja auch schon seit vielen Jahren Deutsch. Können Sie in Ihrem Unterricht auch die Materialien der Deutschen Welle nutzen?

Von den Lehrern hier besitzen nur sehr wenige einen Computer. Das ist schon ein Luxus bei uns. Zudem haben wir häufig Stromausfälle. Wir arbeiten vor allem mit Handys. Also telefonisch können wir was machen. Aber online und so weiter, das ist ein Luxus. Deswegen haben wir keinen Zugriff auf das Material.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Die Vereinigung der Deutschlehrer von Burkina Faso (Association des Germanistes du Burkina Faso, AGBF) wurde 1993 gegründet. Rund 330 Deutschlehrer sind in dem Verband Mitglied. Einen Beitrag müssen sie nicht zahlen. Der Verband finanziert sich durch eigene Sprachkurse.

Vorstandsgremium:
・ Lombo Gnoumou (Präsident)
・ Salifou Sere (Vize-Präsident)
・ File Ivo (Generalsekretär)
・ Boukary Ouedraogo (Stellvertretender Generalsekretär)
・ Tieribadin Yira (Schatzmeister)
・ Clementine Zoma (Stellvertretende Schatzmeisterin)
・ Somtienda Kafando (Organisations- und Informationsleiter)
・ Omar G. Sawadogo (Kassenprüfer)
・ Alimata Porgo (Kassenprüferin)

IDV-Kontaktperson: Herr Lombo Gnoumou; gnoulombo [at] yahoo.fr

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