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Nahost

Assad lässt Demonstranten niederschießen

In Syrien töten die Sicherheitskräfte bei Demonstrationen mindestens 22 Menschen. Die Unruhen in Nahost reißen nicht ab: Auch im Jemen und in Ägypten gingen wieder Tausende Menschen auf die Straße.

Demonstranten (Foto: dpa)

Sie fordern den Rücktritt des jemenitischen Präsidenten

Gegen Regimegegner gehen die syrischen Sicherheitskräfte zunehmend mit Gewalt vor. In der Stadt Deraa im Süden des Landes wurden am Freitag (08.04.2011) bei Protesten tausender Menschen nach Angaben von Ärzten und Demonstranten 22 Menschen getötet und 120 verwundet. Auf den Dächern seien Scharfschützen positioniert gewesen, berichteten Anwohner, es seien Schüsse zu hören gewesen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana räumte die Schießereien in Deraa ein, behauptete aber, es seien "Vandalen" gewesen. Dabei seien ein Polizist und ein Krankenwagen-Fahrer getötet worden.

Auch in anderen Städten des Landes versammelten sich Regierungsgegner nach dem Freitagsgebet. In einem Vorort der Hauptstadt Damaskus waren bei einer Demonstration ebenfalls Schüsse zu hören. Auch in der Stadt Homs, die hauptsächlich von Sunniten bewohnt wird, gingen Hunderte auf die Straße. Im Harasta, zwölf Kilometer nördlich von Damaskus, kam es ebenfalls zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

Staatsbürgerschaft für Kurden

Demonstranten (Foto: dpa)

Der Tahrir-Platz ist wieder voll

Weitere Proteste wurden aus Idlib und Benias sowie den Provinzen Homs und Latakia gemeldet. Im Osten des Landes demonstrierten Tausende Kurden. 2004 hatte Präsident Baschar al-Assad einen Aufstand von Kurden niederschlagen lassen. Dann hatte er in den vergangenen Tagen 100.000 Kurden in der Provinz Hassaka die syrische Statsbürgerschaft zuerkannt, die ihnen 1962 aberkannt worden war. Die Kurden machen 10 bis 15 Prozent der syrischen Bevölkerung aus.

Um die Proteste einzudämmen, hat Assad Reformen versprochen: So soll die Arbeitsbeschränkung für Frauen mit Gesichtsschleier aufgehoben werden. Assad gehört der religiösen Minderheit der Alawiten an, an den Demonstrationen sind Angehörige verschiedener Religionsgruppen beteiligt. Ein Teil sympathisiert auch mit den Islamisten. Seit Beginn der regierungsfeindlichen Proteste in Syrien im März sind nach Schätzungen von Menschenrechtlern mehr als 100 Menschen getötet worden.

Zurück zum Tahrir-Platz

Demonstranten (Foto: dpa)

In der jemenitischen Haupstadt Sanaa

Auch in anderen Ländern der arabischen Welt kam es am Freitag wieder zu Massenprotesten. Im Jemen wurden mindestens drei Menschen getötet. In Tais südlich der Hauptstadt Sanaa ging die Polizei mit Schusswaffen und Tränengas gegen Protestierer vor, die den Rücktritt des langjährigen Präsidenten Ali Abdullah Saleh forderten. Angesichts der Proteste hat die US-Regierung laut einem Bericht des "Wall Street Journal" bereits im Februar ihre Entwicklungs- und Militärhilfe für das Land gestoppt. Präsident Saleh galt in Washington lange als Verbündeter im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus.

Erstmals seit längerer Zeit demonstrierten am Freitag wieder zehntausende Menschen auf dem Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Sie verlangten schnellere Reformen. Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz hatten im Februar den damaligen Präsidenten Husni Mubarak zum Rücktritt gezwungen. Nun forderten die Demonstranten zügigere Gerichtsverfahren gegen ehemalige Regimegrößen. Auch müsse die Mubarak-Partei NDP aufgelöst werden.

Autor: Dirk Eckert (afp, dpa, rtr)

Redaktion: Reinhard Kleber

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