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Aktuell Welt

Assad dient sich Anti-IS-Koalition an

Das Regime in Damaskus sieht sich angesichts der US-Angriffe gegen die IS-Miliz wieder im Aufwind, stößt damit aber bei den USA auf Granit. Präsident Obama würdigt stattdessen die Solidarität anderer arabischer Staaten.

Die syrische Regierung hat sich hinter die Angriffe der US-geführten Koalition gegen die Dschihadisten in Syrien gestellt. Syrien unterstütze "jede internationale Bemühung, die zum Kampf gegen Terroristen beiträgt", seien es der Islamische Staat (IS), die Al-Nusra-Front oder andere, erklärte das Außenministerium in Damaskus. Die Al-Nusra-Front ist der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Das Ministerium beharrte zugleich darauf, dass die syrische Souveränität gewahrt und das internationale Recht eingehalten werden müssten.

Washington lehnt eine Kooperation mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad (Foto) ab. Das Außenministerium in Damaskus wurde aber nach eigenen Angaben von Washington vorab über die Angriffe informiert. Außenminister Walid Muallem habe am Montag über seinen irakischen Kollegen eine Botschaft von US-Außenminister John Kerry erhalten, hieß es. Auch der syrische UN-Botschafter sei informiert worden. In der Erklärung wird zudem angekündigt, dass die syrische Regierung in Abstimmung mit dem Irak den gemeinsamen Kampf gegen die IS-Miliz fortsetzen werde.

Mindestens 300 Tote und Verletzte

Die US-Streitkräfte hatten in der Nacht zum Dienstag gemeinsam mit arabischen Verbündeten erstmals Luftangriffe auf Stellungen der IS-Miliz und von Al-Kaida in Syrien geflogen. Ziele waren Kommandozentren, Trainingslager, Waffenarsenale und Versorgungslager. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtergruppe für Menschenrechte beziffert die Zahl der Toten und Verletzten auf über 300. Mindestens 70 IS-Kämpfer seien bei den Luftangriffen getötet worden, sagt der Chef der Organisation, Rami Abdulrahman. Vermutlich liege die Zahl aber noch viel höher.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte seinerseits, es habe auch acht Angriffe gegen die aus Al-Kaida-Veteranen gebildete "Chorasan-Gruppe" gegeben, die Anschläge in den USA vorbereitet habe. Nach Auskunft des US-Verteidigungsministeriums leisteten Bahrain, Jordanien, Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate Unterstützung bei den Militäraktionen.

Obama: Der Kampf gegen den IS geht weiter

US-Präsident Barack Obama bei seinem Statement zu den Luftangriffen in Syrien (Foto: Jim Watson/AFP/Getty Images)

US-Präsident Obama bei seinem Statement zu den Luftangriffen in Syrien

Zu den Angriffszielen gegen den IS gehörten laut dem US-Militär auch Stellungen und Einrichtungen im nordostsyrischen Al-Rakka angegriffen worden, darüber hinaus in der Nähe der Städte Dair as-Saur, Hasaka und Abu Kamal. Al-Rakka gilt als die syrische Hochburg der Dschihadisten. Laut der Beobachtungsstelle wurden bei den zahlreichen Attacken allein in Al-Rakka mehr als 20 Dschihadisten getötet. Dort hat nach den Schilderungen von Bewohnern inzwischen eine massive Fluchtwelle eingesetzt.

US-Präsident Barack Obama kündigte an, dass der Kampf gegen den IS weitergehe. Washington werde keinen sicheren Unterschlupf für Terroristen dulden, die Amerikaner bedrohten. Die gemeinsame Militäraktion mit fünf arabischen Staaten in Syrien zeige, dass Amerika in diesem Kampf nicht allein stehe.

Der Iran kritisierte dagegen die Luftangriffe. "Die Bekämpfung von Terrorismus kann kein Vorwand für die Verletzung der territorialen Integrität eines Landes sein", sagte Vizeaußenminister Amir Abdullahian in Teheran. Die Amerikaner könnten Terrorismus nicht mit '"Hollywood-artigen Abenteueraktionen" bekämpfen, gab ihn die Nachrichtenagentur IRNA wieder. Teheran werde die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgen, warnte Abdullahian. Im Irak unterstützt der schiitische Iran die Kurden mit Waffen in deren Kampf gegen die sunnitische Terrormiliz IS.

Ein IS Kämpfer mit Teilen einer angeblich in Al-Rakka abgestürzten US-Drohne (Foto: AFP/Getty Images)

Ein IS Kämpfer mit Teilen einer angeblich in Al-Rakka abgestürzten US-Drohne

UN richten sich auf 400.000 Flüchtlinge ein

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erstellt unterdessen Notfallpläne für den Fall, dass alle 400.000 Einwohner der nordsyrischen Kurdenstadt Kobane in die Türkei flüchten. Kobane wird vom "Islamischen Staat" belagert, der bereits Dutzende Dörfer in der Region überrannt hat. "Unsere größte Sorge ist, dass Kobane fällt", sagte UNHCR-Sprecher Robert Colville in Genf. "Wir wissen es nicht, aber wir treffen entsprechende Vorbereitungen, falls die gesamte Bevölkerung flüchtet." Die auch als Ain al-Arab bekannte Grenzstadt Kobane ist für Nordsyrien von zentraler militärischer Bedeutung.

sti/det (afp, dpa, rtr)