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Nahost

Assad baut auf Hilfe aus Ankara

Syriens Präsident Bashar al-Assad versucht seit geraumer Zeit, sein Land aus der Isolation zu befreien. Dabei helfen könnte ein Nachbar aus dem Norden: Damaskus entwickelt eine immer engere Partnerschaft mit der Türkei.

Der türkische Premier Erdogan zu Besuch bei Syriens Staatschef Assad (Foto:ap)

Der türkische Premier Erdogan zu Besuch bei Syriens Staatschef Assad

Während seiner 29-jährigen Regierungszeit hatte Bashar al-Assads Vater Hafiz Syrien in die Isolation geführt. Eine Isolation, die verstärkt wurde durch den Zerfall der Sowjetunion, mit der Syrien durch umfassende und langfristige Militär- und Wirtschaftsabkommen liiert war.

Damaskus blieben nicht viele Freunde

Nach dem Mord an Hariri zog Syrien seine Soldaten aus dem Libanon ab (Foto:ap)

Nach dem Mord an Hariri zog Syrien seine Soldaten aus dem Libanon ab

Bis zum Sturz Saddam Husseins herrschte ein eisiges Klima gegenüber Bagdad, das sich bislang nur langsam verbessern konnte. Gegenüber dem Libanon gab es zunächst – durch den Mord an Ex-Premier Rafik Hariri im Jahre 2005 – ein absolutes Tief: Die syrischen Truppen mussten abgezogen werden, aber inzwischen gibt es diplomatische Beziehungen und eine zumindest oberflächliche Aussöhnung. Weiterhin eng sind die Beziehungen zum Iran, sie nützen Syrien freilich nicht sonderlich viel - wegen der wachsenden internationalen Isolation Teherans.

Präsident Assad knüpfte zwar – über Nicolas Sarkozy - engere Beziehungen zur EU, diese haben sich bisher aber nicht ausgezahlt. Und Avancen der Obama-Administration verheißen Damaskus zwar eine Normalisierung der Beziehungen, seit einem halben Jahr wartet man nun aber schon vergebens auf die Rückkehr des 2005 abberufenen US-Botschafters nach Damaskus.

Hoffen auf den "türkischen Tiger"

Der Hamidijah-Markt in Damaskus (Foto:ap)

Auch auf dem Hamidijah-Markt in Damaskus werden türkische Waren angeboten

Vor diesem Hintergrund entwickelt sich immer mehr zur Erfolgsstory, was zwischen Damaskus und Ankara zu beobachten ist: Syrien und die Türkei entwickeln sich immer mehr zu engen Partnern auf den verschiedensten Bereichen. Der erneute Besuch des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdogan an diesem Dienstag (22.12.2009) in Damaskus ist ein weiteres beredtes Zeichen für diese Entwicklung.

So wollen beide Länder, nachdem sie im September die gegenseitige Visa-Pflicht aufgehoben haben, die direkten Verkehrs-, Tourismus- und Handelsbeziehungen intensivieren. Eine äußerst attraktive Angelegenheit für die Türkei, die sich längst zum regionalen "Tigerstaat" gemausert hat: Kein arabischer Markt, auf dem nicht türkische Waren angeboten werden. Die Türkei will Syrien mit Erdgas beliefern und beide Staaten betreiben darüber hinaus eine Strategie der größeren regionalen Kooperation, um mehr Selbständigkeit gegenüber Brüssel und Washington zu gewinnen.

Ankaras ambitionierte Außenpolitik

Die Türkei will sich schon seit längerem als Vermittler im Nahost-Konflikt profilieren (Foto:ap)

Die Türkei will sich schon seit längerem als Vermittler im Nahost-Konflikt profilieren

Politisch kommt das Ankara entgegen, denn es sieht darin die Chance, an Bedeutung in der Region zu gewinnen, die ja bis nach dem Ersten Weltkrieg unter osmanischer Herrschaft gestanden hatte. Ankara will sich zum Beispiel als Schlichter und politischer Vermittler hervortun, wo andere bisher kläglich scheiterten: So führte erst eine türkische Vermittlung 2008 zu indirekten syrisch-israelischen Friedensverhandlungen. Diese Kontakte brachen in der Folge des israelischen Krieges gegen Hamas im Gazastreifen ab und auch die seit vielen Jahren guten und engen Beziehungen zwischen Ankara und Jerusalem froren wegen dieses Krieges ein. Weder in Damaskus noch in Ankara hat man aber die Hoffnung aufgegeben, dass die Gespräche wieder aufgenommen werden können. Wobei sicher viel vom weiteren Verhalten der nationalistischen Regierung Benjamin Netanyahus in Jerusalem abhängt.

Alte Gräben scheinen überwunden

Mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches wurde das heutige Staatsgebiet Syriens unter französisches Mandat gestellt und es wurde erst 1946 unabhängig. Hass und Abneigung gegenüber den alten Herrschern am Bosporus hielten sich lange und führten gelegentlich auch zu militärischen Spannungen. Heute scheint dies vergessen: Das Interesse beider Staaten liegt auf Annäherung und Kooperation und dies lässt die Vergangenheit rasch vergessen.

Autor: Peter Philipp
Redaktion: Thomas Latschan