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Wirtschaft

Asiens Exportnationen in der Krise

Harte Landung in China, tiefe Rezession in Japan: Die Weltwirtschaftskrise hat auch Asien voll erfasst. Vor allem das Ende des Booms in China reisst viele andere Länder mit in den Abgrund.

Japaner vor einer Börsentafel (Bild: AP)

Die Finanzkrise hat auch Asien voll erwischt.

Es war nur ein Zufall – aber es passte: Amerikas neue Außenministerin Hillary Clinton ist auf ihrer ersten Auslandreise in Asien unterwegs. Und gerade, als die Vertreterin der größten Wirtschaftsnation USA auf ihrer ersten Station in Japan weilte - der Nummer zwei der Weltwirtschaft - musste der japanische Wirtschaftsminister Kaoru Yosano schlechte Nachrichten bekanntgeben: Japan stecke in der schlimmsten Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Das Bruttoinlandsprodukt sank von Oktober bis Dezember um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, so die japanische Regierung. Vermutlich musste sich Hillary Clinton Vorwürfe anhören, die Krise sei "made in USA“.

Exporte gehen überall zurück

Großbaustelle in Tokio (AP Photo)

Auch in Japan drehen sich viele Kräne jetzt langsamer oder gar nicht mehr.

Japans Wirtschaft ist wie die deutsche stark vom Export abhängig. Und der ist eingebrochen. Exportschlager wie Autos und Elektronikprodukte stapeln sich in den Lagern von Konzernen wie Toyota und Panasonic. Und was für Japan gilt, das gilt ebenso für die anderen Staaten Asiens: Auch in China, Südkorea, Taiwan, Hongkong und Singapur gehen die Exporte dramatisch zurück. Dabei waren gerade die asiatischen Schwellenländer im vergangenen Jahrzehnt die Wachstumslokomotiven der Weltwirtschaft. Mit durchschnittlich 7,5 Prozent wuchsen sie doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft. Basis dieses Wachstums war der Export. Das gilt vor allem für China. Hier wuchs die Wirtschaft in den letzten 20 Jahren durchweg im zweistelligen Bereich. Jetzt hat die "Werkbank der Welt“ Probleme, ihre Produkte abzusetzen, weiß Doris Fischer, China Expertin beim Deutschen Institut für Entwicklungsforschung (DIE). Die wegbrechende Nachfrage habe dazu geführt, dass Betriebe geschlossen werden mussten die Arbeitslosigkeit gestiegen sei. "Das führt dann eventuell - in China ist das gleich die Sorge - zu sozialen Problemen, weil das politische System insgesamt die Stabilität über den wirtschaftlichen Erfolg erhält."

In China kommt vieles zusammen

Selbst offizielle Stellen sprechen in China bereits von 20 Millionen Menschen, die in Folge der Krise ohne Arbeit sind. Um gegenzusteuern hat China ein gewaltiges Investitionsprogramm aufgelegt: Rund 450 Milliarden Euro sollen in den nächsten zwei Jahren vor allem in Infrastruktur - und Verkehrsprojekte fließen. Und: Peking will den privaten Konsum ankurbeln, besonders auf dem Land. Ob das gelingt ist allerdings fraglich. Nordchina erlebt zurzeit eine extreme Dürre; weite Teile der Ernte sind bedroht.

Ein ratloser Börsianer in Hongkong (AP Photo)

Auch in Hongkong sind die Börsianer verzweifelt

Allerdings sitzt China auf einem gewaltigen Devisenschatz: Mit knapp 2 Billionen US-Dollar verfügt China über größere Devisenreserven, als jedes andere Land der Welt. Professor Eberhard Sandschneider von der Deutschen-Gesellschaft für Auswärtige-Politik warnt allerdings vor übergroßen Hoffnungen, China würde die Weltwirtschaft aus der Krise herauskaufen. China sei derart in seiner Realwirtschaft von den Auswirkungen dieser Krise betroffen, dass das Interesse, die eigene Wirtschaft zu stabilisieren einschließlich der möglichen Konsequenzen für soziale Unruhen und politische Stabilität in China aus chinesischer Sicht absoluten Vorrang habe. "China hat im eigenen Land alle Hände voll zu tun." Was immer darüber hinaus notwendig sei, um zu helfen, dass insbesondere die chinesischen Exportmärkte in den USA und Europa wieder funktioneren, "das werden die Chinesen tun. Aber das hat eindeutig nachgeordnete Priorität.“

Clinton-Tour endete in Peking

Zum Abschluss ihrer Asien-Reise führte Hillary Clinton am Samstag (21.02.2009) Gespräche in Peking. Auch dabei war die Wirtschaftskrise ein zentrales Thema. Man werde "wahrscheinlich zusammen aufsteigen oder untergehen" - so Frau Clinton nach den Unterredungen. Mit Chinas Führung vereinbarte die Außenministerin einen deutlichen Ausbau ihrer Zusammenarbeit in der Weltwirtschaftskrise und anderen globalen Problemen wie dem Klimaschutz.

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