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Politik & Gesellschaft

Asienboom unbeeinflusst von der Eurokrise

Das APEC-Treffen verdeutlicht das wirtschaftliche Potenzial des asiatisch-pazifischen Raumes. Die Gründung einer transpazifischen Partnerschaft ist beschlossen und Russland der WTO-Aufnahme ein Stück näher gerückt.

Symbolbild: Flagge China mit Euroscheinen (Grafik: DW)

Eigentlich soll es hier in Honolulu nur um asiatisch-pazifische Wirtschaftsbeziehungen gehen, aber die Finanzkrise in Europa lässt sich nicht so einfach ignorieren. "Ich sorge mich jeden Tag um die mögliche Lösung für die europäische Schuldenkrise", sagte Doug Oberhelman, Vorstandsvorsitzender des großen amerikanischen Baumaschinenherstellers Caterpillar. Doch beeinträchtigt hat die Krise seine Firma bisher kaum. Oberhelman sieht der Zukunft zuversichtlich entgegen. Der Grund: "unsere Fähigkeit, erfolgreiche Geschäfte zu machen, ganz egal unter welchen Umständen."

Seit Anfang 2010 hat Caterpillar weltweit 30.000 Jobs geschaffen, 12.000 davon innerhalb der USA. Und die Expansion geht weiter: investiert und ausgebaut wird in Indonesien, Japan, Thailand und Indien. Und auch in Nordamerika entsteht eine neue Fabrik für kleinere Baumaschinen. 2011 erwartet man Rekordumsätze.

Augen auf China gerichtet

Spielzeughasen in chinesischer Verpackung (Foto: AP)

Von "made in China" zu "entwickelt in China"

Auch China gibt sich unberührt. "Die Auswirkungen der europäischen Krise sind gering", sagt Xiao Gang, Präsident der Bank von China. Seine Bank halte nur einen kleinen Anteil von staatlichen Schuldverschreibungen aus Europa. Und keine aus Spanien oder Griechenland. Ähnliches gelte auch für andere Banken in seinem Land. Von einer möglichen Folge der Finanzkrise könne China sogar profitieren: Wenn europäische Banken ihr Kapital aus dem asiatisch-pazifischen Raum abziehen, dann ist das "eine gute Gelegenheit für chinesische Banken, ihr Geschäft auszuweiten", so Xiao Gang.

China steht hier auf dem APEC-Treffen in Honolulu unter Druck. US-Präsident Barack Obama forderte die Chinesen am Samstag (12.11.2011) auf einer Veranstaltung des begleitenden Unternehmer-Gipfels auf, "sich an die Regeln zu halten". Als Beispiel nannte er Chinas Währung, die allgemein als unterbewertet gilt. "Das muss sich ändern", sagte Obama, sonst würden die USA eigene Maßnahmen ergreifen. Der US-Präsident ergänzte in Bezug auf Patentrechte: "Es ist nicht akzeptabel, dass wir in einem großen Markt wie China nicht den notwendigen Schutz bekommen." Xiao Gang wollte darauf nicht direkt eingehen, erklärte aber, dass sich China im Wandel befinde - "von Produkten 'made in China' zu Produkten, die in China entwickelt wurden". Auch das Bankensystem würde sich auf längere Sicht den veränderten globalen Gegebenheiten anpassen.

Wachstum im asiatischen Raum zu Lasten Europas

John Chen (Foto: DW)

John Chen, Präsident einer SAP-Tochter

Nach Ansicht von John Chen, Präsident der Softwarefirma Sybase, einer Tochter des deutschen Unternehmens SAP, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Chinesen ein Interesse daran haben, dass ihre Währung sich frei im Markt bewegt und der Schutz geistigen Eigentums gestärkt wird. "Die chinesische Währung wird stärker werden, es ist nur eine Frage, wie schnell", erklärte Chen im Interview mit DW-WORLD.DE. In den letzten fünf Jahren hätte der Yen bereits fast um ein Drittel zugelegt, führt er aus. Und früher oder später müssten sich auch die Chinesen ins System integrieren, besonders, "wenn sie im Ausland weiter investieren wollen."

Auch in der Frage des Schutzes von geistigem Eigentum erwartet Chen einen Wandel: "China arbeitet intensiv daran, selbst Patente anzumelden, deswegen werden sie auch ein Interesse daran haben, ihr geistiges Eigentum zu schützen." Auch dies, so Chen, sei nur eine Frage der Zeit. Trotzdem müsse der Westen aber seinen Druck auf China aufrecht erhalten. Sybase wickelt derzeit die Hälfte seines Geschäfts in den USA ab, 35 Prozent entfallen auf Europa und Nahost, der Rest auf den asiatisch-pazifischen Raum. Und letzterer legt zu: Das Geschäft in China sei in den letzten Jahren über 25 Prozent gewachsen, so Chen. In drei bis vier Jahren erwartet er eine Umverteilung zu Gunsten des asiatischen Marktes, und in den nächsten zehn bis 20 Jahren "ist die APEC der Ort des Wachstums". Verlierer wären dann, wenn auch nur von wenigen Prozentpunkten: die Europäer.

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