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Wirtschaft

Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Seoul eröffnet

Gut ein Zehntel der deutschen Exporte geht nach Asien. Deutschland ist in Asien der wichtigste europäische Investor. Diese Position soll mit Hilfe der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft ausgebaut werden.

Arbeiter und Motor (Foto: Archiv)

Schiffsantriebe wie dieser 3000-PS-Motor aus Magdeburg werden auch nach Asien exportiert

Michael Glos Foto: Tim Brakemeier +++(c) dpa - Report+++

Michael Glos

Die Konferenz, die am Freitag (05.10.2007) in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sowie dem Vizepräsidenten der EU-Kommission, Günter Verheugen, eröffnet wurde, ist die zweite Tagung des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft in Südkorea. An der ersten Konferenz im Jahr 1992 nahmen 120 deutsche Unternehmer teil, diesmal sind fast 600 Unternehmer und Spitzenmanager in Seoul dabei.

In den vergangenen 15 Jahren hat sich nicht nur die Position Südkoreas in der Weltwirtschaft ganz wesentlich verbessert, sondern es haben sich auch Handel und Investitionen zwischen Deutschland und Korea enorm gesteigert. Südkorea, vor zwei Generationen noch ein Armenhaus, steht heute unter den führenden Industriestaaten an zwölfter Stelle.

Der Handel zwischen Deutschland und Südkorea macht pro Jahr 21 Milliarden Dollar aus – und zwar bei einer ausgeglichenen Handelsbilanz. Die deutschen Investitionen in dem Land belaufen sich auf 7,5 Milliarden Dollar. Neben den großen Konzernen BASF, Bayer, Siemens, Bosch, Allianz und Deutsche Bank sind mehr als 200 mittelständische Firmen in Südkorea mit Investitionen vertreten. Insgesamt beschäftigen die deutschen Unternehmen in dem Land rund 100.000 Mitarbeiter. Auf der anderen Seite ist Südkorea der wichtigste asiatische Investor in Ostdeutschland.

Innovationen zählen

Asien ist die dynamischste Region der Weltwirtschaft. Mit Exporten, Importen und Investitionen nimmt die deutsche Wirtschaft am Aufschwung in Fernost teil. Über zehn Prozent der deutschen Exporte gehen in die Region. In stark zunehmendem Maße werden von deutschen Unternehmen vor Ort Kunden in der Region bedient.

Jürgen Hambrecht, BASF-Vorstandsvorsitzender und Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses, sieht durch den Klimawandel und durch andere Umweltprobleme eine technische Herausforderung und dabei die deutschen Unternehmen auf dem asiatischen Markt gut positioniert. "Nur technische Innovationen werden weiterhelfen", sagt er. "Die müssen wir im Sinne eines nachhaltigen Erfolgs weltweit mit allen teilen, besonders aber mit Asien. Ich sehe Deutschland hier in einer sehr guten Position."

Unlauterer Wettbewerb

Den in Seoul versammelten Unternehmern stellt sich die Frage, wie sie eine Technologiekooperation so anlegen können, dass sie unter zunehmendem Wettbewerbsdruck ihr Wissen mit den asiatischen Partnern teilen und es gleichzeitig schützen können. Immerhin klagen 70 Prozent der in China tätigen Unternehmen aus Deutschland über erzwungenen Technologietransfer oder auch über Technologiediebstahl.

"Den Unternehmen entstehen dadurch hohe Verluste", sagt Bundeswirtschaftsminister Glos. "Hier besteht dringender Handlungsbedarf auch für die Politik. Auf OECD-Ebene werden wir mit den wichtigsten Schwellenländern in einen Dialog zum Schutz des geistigen Eigentums eintreten." Mit China sei man in einem ständigen Dialog. China hat sich mit seinem Beitritt zur WTO diesem multilateralen Regelwerk unterworfen. Jetzt müsse das Land diese Regeln auch tatsächlich einhalten, damit der internationale Wettbewerb unter fairen Bedingungen stattfinden könne.

Günter Verheugen (AP Photo/Yves Logghe)

Günter Verheugen

Meinungsverschiedenheiten

Da die laufende Welthandelsrunde stagniert, versucht neben den USA auch die EU mit wichtigen asiatischen Ländern bilaterale Freihandelsabkommen abzuschließen – etwa mit Indien, Süd-Korea und den ASEAN-Staaten. Denn der internationale Handel und die Investitionen im Ausland brauchen eine verlässliche Grundlage.

"Die Europäische Kommission hält fest an der Überzeugung, dass sich die Weltwirtschaft auf klare, berechenbare und durchsetzbare Regeln stützen muss", erklärt Günter Verheugen, der Vizepräsident der EU-Kommission. "Sie ist ein entschlossener Befürworter fairer und ausgewogener multilateraler Handelsvereinbarungen. Aber niemand sollte so naiv sein, von uns zu erwarten, dass wir einem weiteren Abbau unserer Zölle ohne entsprechende Gegenleistung zustimmen werden." Die Kommission werde bei unlauteren Handelspraktiken von Wettbewerbern die von der WTO vorgegebenen handelspolitischen Schutzinstrumente einsetzen. Verheugen: "Wir werden die europäischen Interessen robust verteidigen."

Gleiche Bedingungen gefordert

Nach Verheugens Worten hat das mit Protektionismus nichts zu tun, sondern mit der legitimen Wahrnehmung von Interessen. So kündigte er an, die EU werde in den bilateralen Freihandelsabkommen mit asiatischen Ländern nichts akzeptieren, was hinter den Zugeständnissen bleibt, die den USA gemacht worden sind. Die EU wolle in Asien für europäische Produkte die gleichen Marktöffnungen erreichen. Gleichzeitig widersprach der EU-Kommissar Ängsten im Zusammenhang mit der Globalisierung. Gerade die EU und dabei speziell das exportstarke Deutschland seien Gewinner der Globalisierung. Der Aufstieg Asiens habe für europäische Unternehmen ganz neue Marktchancen eröffnet. Außerdem sollten die Europäer froh sein, dass viele Millionen Menschen in Asien der Armut entkommen und nicht mehr auf mildtätige Gaben angewiesen seien.

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