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Kultur

Asien nimmt Linux als Vorbild

Schon bald könnten Microsoft empfindliche Umsatzschwächen im fernen Osten erwarten: Japan, China und Südkorea planen die Entwicklung eines alternativen Betriebssystems, um die Dominanz von Windows zu schwächen.

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Der kleiner Linux-Pinguin wird zur Bedrohung eines Großkonzerns

Alles fing ganz harmlos an: Anfang Juli 2003 sollte das Personal- und Gehaltsabrechnungssystem der japanischen Regierung neu entwickelt werden. Wenige Monate vorher hatte Bill Gates bei einem Japanbesuch noch höchstpersönlich versprochen, bei dem Aufbau von E-Government-Systemen zu helfen. Doch es nützte wenig.

Der Auftrag, einen der wichtigsten Verwaltungsbereiche Japans neu zu entwickeln, ging nicht an Microsoft, sondern an Fujitsu, IBM und Oki Electric. Das System wird nicht auf Windows, sondern auf Linux basieren. Damit entsteht eines der größten Linux-Softwaresysteme in Japan, das nach seiner Fertigstellung Daten von etwa 800.000 Beamten, zwölf Ministerien und den Regierungsbehörden verwalten soll. Allein die Entwicklung der Software kostet das Land umgerechnet etwa 1,4 Millionen Euro.

Ein Schritt weg von Microsoft

Nun soll die Verdrängung von Microsoft auch auf dem kommerziellen Markt in Japan, China und Südkorea größere Wellen schlagen. Die drei Länder planen die Entwicklung eines neuen Betriebssystems. Mit an Bord sollen neben Großkonzernen wie Toshiba, Sharp, NEC, Hitachi oder Fujitsu auch mehrere Universitäten sein.

Erste Überlegungen, eine Alternative zu dem Betriebssystem Windows zu entwickeln, kamen bereits im März, bei einem Treffen von asiatischen Software-Entwicklern in Japan zustande. Am dritten September trafen sich Japan, China und Südkorea in Phnom Penh (Kambodscha), um über einen gemeinsamen Plan abzustimmen. Konkrete Entwicklungspläne sollen nach Angaben der japanischen Tageszeitung "Asahi Shimbun" jedoch erst Mitte des Monats beschlossen werden, wenn Spitzenbeamte der Handelsministerien erneut zu einem Treffen zusammenkommen.

Die Windows-Alternative

"Japan hat zwar nicht die Absicht, ein bestimmtes Produkt abzulehnen, aber Microsoft Windows dominiert überall, obwohl die Leute auch andere Produkte testen wollen", erklärt ein Sprecher der japanischen Regierung die Pläne für das neue Betriebssystem. Dabei dürfte nicht allein die Dominanz von Windows ausschlaggebend für diese Pläne sein.

In jüngster Zeit bewiesen Virus- und Wurmattacken wie die von Lovesan oder Sobig.F die Anfälligkeit von Rechnern, auf denen Windows installiert ist. Das neue Betriebssystem soll auf Open-Source-Anwendungen wie Linux basieren. "Es ist wichtig, dem User Optionen anzubieten", erklärt der Regierungssprecher. "Einige Leute werden vielleicht weiterhin Windows benutzen, während andere aus Sicherheitsgründen oder wegen der hohen Kosten auf Open-Source-Anwendungen umsteigen möchten."

Ein Ziel, drei Interessen

Trotz des gemeinsamen Vorhabens dürften Japan, China und Südkorea nach Einschätzungen eines Analysten von HSBC Securities in Tokio unterschiedliche Interessen verfolgen. So könne Japan mit der Entwicklung von Open-Source Anwendungen seine Positionierung im globalen Markt verbessern. China könnte davon profitieren, dass beim Einkauf von Hardware die Kosten für Software entfallen. Elektronikkonzerne in Südkorea wären in der Lage, auf Basis freier Software eigene Systeme für künftige mobile Anwendungen entwickeln, um eigene Umsätze zu steigern.

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