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Asien

Asien ist trauriger Spitzenreiter bei Landminen

Während weltweit die Zahlen für Produktion und Streuung von Landminen zurückgehen, liegt die gefährliche Munition immer noch auffällig oft in Asien. Besonders vermint: Die Grenze zwischen Nord- und Südkorea.

Südkoreanische Soldaten suchen in der Demilitarisierten Zone nach Landminen, die vom Regen an andere Orte gespült wurden (Foto: AP)

Einmal gestreut sind Landminen nur schwer wiederzufinden. Hier: die demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea

Der Kontrast zwischen der friedlichen, ja fast paradiesischen Oberfläche und der darunter schlummernden Gefahr könnte nicht größer sein. Tropische Wälder und Sümpfe, über 200 seltene Vogelarten, Gorillas und Wasserbüffel leben auf einem unberührten Flecken Erde, der vermutlich der am stärksten verminte der Welt ist. In dem vier Kilometer breiten und 250 Kilometer langen Grenzstreifen zwischen Nord- und Südkorea sind Millionen von Landminen gestreut. Und so hat auch das Tierparadies entlang des 38. Breitengrads einen Schönheitsfehler: viele Tiere haben nur noch ein Bein. Sie sind auf eine Mine getreten.

Weltweit 500.000 Minenopfer

Was in einer Zone, die kein Mensch betreten darf, Tieren passiert, ist für viele Menschen an anderen Orten der Welt traurige Realität. Nach Angaben des deutschen Aktionsbündnisses "Landmine“ müssen weltweit rund 500.000 Minen-Opfer versorgt werden. In über 80 Ländern sind Menschen weiterhin von der gefährlichen Munition im Boden bedroht. Zwar unterzeichneten 1997 im kanadischen Ottawa 156 Staaten eine Anti-Minenkonvention, die Einsatz, Herstellung und Lagerung von Minen, die gegen Menschen gerichtet sind, verbietet. Doch strategisch wichtige Länder wie die USA, Russland oder China wollen bis heute nicht mitmachen. Um weiteren Druck auszuüben und um die relativ billigen und leicht zu handhabenden Waffen zu ächten, treffen sich derzeit die Vertreter der 156 Unterzeichnerstaaten in der kolumbianischen Küstenstadt Cartagena de Indias.

Fast die Hälfte der Opfer von Landminen stammt aus Asien

Minenwarnschild in Jaffna, Sri Lanka (Foto: dpa)

Nicht überall, wo Landminen liegen, finden sich auch Warnschilder

Thomas Küchenmeister vom Aktionsbündnis "Landmine" blickt mit Sorge nach Asien. "Fast die Hälfte der Opfer der letzten 10 Jahre stammt aus dem asiatisch-pazifischen Raum", sagt Küchenmeister. Asien zählt sowohl bei der Herstellung als auch bei der Verwendung von Landminen zu den traurigen Spitzenreitern. Das einzige Land, das immer noch so genannte Anti-Personen-Minen verlege, ist Küchenmeister zufolge Myanmar. Gemeinsam mit Indien und Pakistan zählt das militärdiktatorisch regierte Land auch zu den wenigen Produzenten der hochgefährlichen Sprengkörper. Doch damit nicht genug. Auf der langen Liste der Staaten, die Landminen bisher nicht ächten, stehen auffällig viele asiatische Länder. Unter anderem China, Indien, Nordkorea, Südkorea, Laos, Myanmar, Nepal, Pakistan, Singapur, Sri Lanka und Vietnam.

Was die Grenze zwischen Nord- und Südkorea so heikel macht, ist die Tatsache, dass neben den bereits gestreuten Minen in der entmilitarisierten Zone noch hunderttausende Minen in Reservelagern liegen – zum Teil in Treibhäusern getarnt. Für den Fall eines Angriffs aus Nordkorea. Die Minenlager gehören zum größten Teil nicht etwa Südkorea, sondern den USA. "Deshalb wollen die Vereinigten Staaten der Antiminenkonvention immer noch nicht beitreten", vermutet Thomas Küchenmeister. Washington rechtfertigt den Einsatz der Minen an der innerkoreanischen Grenze damit, man könne damit die Gefahr eines nordkoreanischen Angriffs verringern und so die eigenen Truppen vor Ort schützen. Küchenmeister aber ist überzeugt: "Man könnte andere Wege finden, diese Grenze zu sichern, wenn schon kein Frieden geschaffen werden kann."

Bei jedem starken Regen wandern die Minen

Das Tückische an Landminen ist, dass sie bleiben, auch wenn es irgendwann einen Frieden geben sollte. Einmal gestreut, ist es schwer, sie zu entfernen, denn sie wandern. Bei jeder Überschwemmung durch starke Regenfälle am 38. Breitengrad werden die zum Teil sehr kleinen Minen mitgespült, können nicht mehr geortet werden, landen zum Teil in der südkoreanischen Kanalisation.

Dass die Minen auch Jahrzehnte nach einem Krieg noch die Bevölkerung töten und verletzen, zeigen die Beispiele Vietnam, Kambodscha und Laos. Hier explodieren immer noch Minen, die im Vietnamkrieg gelegt wurden, berichtet Küchenmeister. Allein über Laos seien Millionen von Tonnen von Landminen und Streubomben abgeworfen worden.

Ein kambodianischer Soldat, dem nach einem Landminenunfall beide amputiert wurden (Foto: dpa)

In Kambodscha, Laos und Vietnam explodieren immer noch Minen, die während des Vietnamkriegs gestreut wurden

Ähnlich ist die Situation in Afghanistan. François de Keersmaeker, Geschäftsführer von "Handicap International Deutschland" arbeitete vor zehn Jahren in Pakistan mit Landminenopfern aus Afghanistan zusammen. "Vielen von ihnen fehlte ein Bein, manchen sogar zwei, oft waren auch die Hände verletzt," erinnert er sich heute. In der Werkstatt von "Handicap International" erhielten sie nicht nur Physiotherapie, "wichtig war es vor allem ihnen wieder Mut zu machen, dass sie weiter leben und auch arbeiten können", erzählt De Keersmaeker.

Mittlerweile seien zwar immer mehr Felder, auf denen sich Minen befinden, ausgeschildert, berichtet De Keersmaeker, doch immernoch seien 90 Prozent der Opfer Zivilisten und gut 30 Prozent von ihnen Kinder. "Es fließen schon viele Mittel in die Finanzierung zur Räumung von Landminen", sagt auch Thomas Küchenmeister, "aber der Bereich der Opferhilfe ist noch extrem unterfinanziert."

Küchenmeister und De Keersmaeker glauben beide, dass die Ottawa-Konvention von 1997 bereits Fortschritte gebracht hat. Von ursprünglich 53 Herstellerstaaten produzierten heute nur noch 13 Länder Landminen. Neue werden kaum noch verlegt. Doch das ist nicht genug, finden De Keersmaeker und Küchenmeister. Und so hoffen sie, dass die Konferenz in Cartagena weitere Staaten zur Unterzeichnung der Anti-Minen-Konvention bewegen kann. Vor allem in Asien.

Autorin: Sarah Judith Hofmann

Redaktion: Silke Ballweg