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Asien

Asien blickt auf Teheran

In ganz Asien werden die Entwicklungen Im Iran aufmerksam verfolgt. Die Positionen allerdings fallen unterschiedlich aus. Thomas Bärthlein gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Reaktionen aus Asien.

Protestierende Exil-Iraner in Singapur (Foto: AP)

Proteste von Exil-Iranern in Singapur

Die Regierungen des Iran und Chinas unterstützen einander regelmäßig auf der internationalen Bühne. Aber in diesen Tagen arbeitet auch die Opposition aus beiden Ländern eng miteinander zusammen. Iranische Internet-User überschwemmen geradezu Proxy-Server und andere Seiten, die ihnen helfen, die Zensur zu umgehen. Und viele davon werden von Exil-Chinesen betrieben, die eine lange Erfahrung damit haben, Zugang zu vom Staat blockierten Websites zu ermöglichen.

Parallelen zur eigenen Realität

08.03.2007 Quadriga Shi Ming

Der Journalist Shi Ming

Im chinesischen Internet finden plötzlich heiße Debatten über die politische Entwicklung im Iran statt. "Es gibt Blogger, die offenbar im Auftrag des Staates schreiben", hat Shi Ming beobachtet. Er ist Journalist und Spezialist für das Internet in China. "Da heißt es dann etwa: Ihr seht, was die demokratischen Wahlen mit sich bringen! Das ist doch Chaos – und bei uns in China finden Wahlen nicht statt, deswegen haben wir es viel besser als die Iraner." Solche Kommentare blieben aber nicht lange unbeantwortet, prompt würden sich andere Blogger darauf zu Wort melden. Und zwar durchaus selbstkritisch: "Die Iraner sind doch viel tapferer als wir Chinesen. Wir sind Duckmäuser. Wir lassen uns alles gefallen von diesem Staat."

Flaggen Iran Pakistan Symbolbild

Pakistans Dilemma

Der Iran hat nie ein breiteres chinesisches Publikum interessiert, aber in der aktuellen Debatte schwingen offensichtlich Erinnerungen und Parallelen zur Bewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens vor zwanzig Jahren mit. In anderen Ländern sieht man die Entwicklungen im Iran aus einer ganz anderen Perspektive. "Präsident Ahmedinejad ist populärer wegen seiner Haltung zu den USA und zur Nuklear-Frage", erklärt der Journalist Shamim-ur-Rahman von der pakistanischen Tageszeitung "Dawn". "Das ist den meisten Menschen in Pakistan wichtig: Wer hat sich gegen amerikanischen Druck gewehrt, und wer ist in Sachen Atomwaffen hart geblieben?"

Afghanistans Position

Andererseits legen Pakistan und auch Afghanistan größten Wert auf Stabilität im Iran. Sie haben kein Interesse an einer weiteren Krise in der ohnehin schwer gebeutelten Region; vielmehr wollen sie die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen mit Teheran ausbauen. Afghanistan steht dem Iran besonders nahe, schließlich verstehen die meisten Afghanen Persisch, und viele haben im Iran gelebt. Aber selbst die schiitische Geistlichkeit in Afghanistan betont immer wieder ihre Unabhängigkeit von Teheran und folgt keineswegs blind dem geistlichen Führer dort.

Nicht über einen Kamm scheren

Aiatullua Shaikh Asef Mohseni

Aiatullua Shaikh Asef Mohseni

Es sei falsch, die schiitischen Gruppierungen einfach als 'Fünfte Kolonne' der iranischen Ayatollahs zu bezeichnen, sagt Said-Musa Samimy, der Leiter der Afghanistan-Redaktion der Deutschen Welle. Bestes Beispiel sei Ayatollah Mohseni aus Kandahar. "Er hatte selbst zur Zeit von Ayatollah Khomeini in den Achtzigerjahren religiös-politische Differenzen, und deshalb hat er damals Iran verlassen und ist nach Pakistan gekommen!" Dennoch dürfte ein Triumph der konservativen Hardliner im Iran nicht ohne Auswirkungen auf Afghanistan bleiben. Und afghanische Beobachter sehen noch eine andere Parallele zur Entwicklung im eigenen Land: Schließlich stehen auch dort im Sommer Wahlen an. Vor diesem Hintergrund werden eventuelle Manipulationen jetzt bestimmt besonders aufmerksam registriert werden.

Autor: Thomas Bärthlein
Redaktion: Esther Broders