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Wissen & Umwelt

Asiatische Moskitos erobern Deutschland

Stechmücken übertragen Krankheitserreger. "Die jetzt entdeckte Buschmücke kann unter anderem das gefährliche West-Nil-Virus in sich tragen", sagt Alexander Mathis. Akute Gefahr sieht der Biologe zurzeit noch nicht.

Alexander Mathis vor dem Mikroskop. (Foto: Alexander Mathis)

Alexander Mathis staunte nicht schlecht, als er die erste Asiatische Buschmücke entdeckte

DW-WORLD.DE: Herr Mathis, wie haben sie reagiert, als Sie das erste Exemplar dieser neuen, aggressiven Mücke in den Händen hielten?

Prof. Alexander Mathis, Universität Zürich, Institut für Parasitologie: Da haben wir sehr gestaunt! Wir haben schon auf den ersten Blick gesehen, dass es keine einheimische Mücke war. Danach konnten wir nachweisen, dass es tatsächlich eine neue Mückenart ist, die in Mitteleuropa eingeschleppt wurde: die Asiatische Buschmücke, mit dem wissenschaftlichen Namen Aedes japonicus.

Woher stammt diese eingeschleppte Mücke?

Die Buschmücke kommt aus dem fernen Osten. Natürlicherweise kommt sie in Japan, Korea und China vor. Aber weil die klimatischen Bedingungen dort nicht viel anders sind als in Deutschland, fühlt sie sich auch hierzulande wohl. Die Buschmücke ist zwar eine exotische Mücke für uns, aber sie ist keine tropische Mücke.

Die asiatische Buschmücke saugt Blut (Foto: idw/Kaufmann)

Menschen- und Vogelblut schmecken der Buschmücke gleich gut. Gefährlich wird´s, wenn sie bei ihrer Mahlzeit Krankheitserreger überträgt.

Wie sieht die Asiatische Buschmücke aus – kann man sie beim Landeanflug von unseren einheimischen Mücken unterscheiden?

Im Landeanflug wahrscheinlich nicht, aber wenn sie zum Stechen auf dem Arm sitzt, dann kann man sie schon von unseren einheimischen Stechmücken unterscheiden. Die sind ja eher etwas langweilig braun-grau. Die Asiatische Mücke dagegen ist ein bisschen stärker gefärbt, sie hat helle Längsstreifen auf dem Rücken und auch die Beine haben eine gelb-braune Ringelfärbung.

Ist die Asiatische Buschmücke gefährlich?

Nun, die wichtigste Rolle von Stechmücken ist ihre Rolle als Überträger von Krankheitserregern. Der interessante Aspekt ist, dass die Asiatische Buschmücke sowohl am Menschen als auch an Vögeln Blut saugt und somit Krankheitserreger von Vögeln auf den Menschen übertragen kann. Diese so genannte Brückenfunktion unterscheidet sie von den meisten anderen Mückenarten, die entweder an Vögeln, an Säugetieren oder an Menschen saugen.

Aus anderen Gebieten der Erde ist bekannt, dass die Buschmücke das gefährliche West-Nil-Virus überträgt, das Gehirnhautentzündungen verursachen kann. Besteht diese Gefahr auch in Mitteleuropa?

Bis jetzt haben wir noch keine Hinweise, dass es durch diese Mücke schon Krankheitsübertragungen gab. Aber die Gefahr besteht natürlich, denn das West-Nil-Virus zirkuliert in Wildvögeln und es könnte durchaus von Zugvögeln nach Mitteleuropa eingeschleppt werden.

Wie weit ist die Asiatische Buschmücke eigentlich schon nach Deutschland vorgedrungen?

In Deutschland haben wir sie bislang nur in Baden-Württemberg entdeckt. Wir werden aber nun untersuchen, ob sie möglicherweise schon sehr viel weiter verbreitet ist, als man denkt. Denn von der Größe ihres bislang bekannten Verbreitungsgebietes her - das sind etwa 1400 Quadratkilometer - können wir davon ausgehen, dass die Mücke schon einige Jahre hier ist. Sie hat sicherlich auch den letzten Winter überlebt, der in Mitteleuropa sehr streng war. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn man weiß, dass die Asiatische Buschmücke in ihrer Heimat bis in einer Höhe von 1500 Metern vorkommt. Sie ist also winterhart und wird sich in Deutschland ganz sicher weiter ausbreiten.

Das Interview führte Ulrike Wolpers

Redaktion: Judith Hartl