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Politik

Asiatische Ausbeutung in Afrika?

Seit China und Indien als neue mächtige Konkurrenten auf den Weltmärkten auftreten, rückt Afrika wieder mehr ins Blickfeld: als Rohstofflieferant und Absatzmarkt. Ist das neue Interesse eher Fluch als Segen?

Chinas Präsident Hu Jintao beim Treffen mit Sudans Präsident Omar al-Bashir in Peking, Quelle: dpa

Chinas Präsident Hu Jintao (2.v.r.) beim Treffen mit Sudans Präsident Omar al-Bashir (l.) in Peking

Das neue Interesse von aufstrebenden Ländern wie China und Indien an Afrika hat sich schon in vielen Bereichen positiv ausgewirkt. Die Preise für Rohstoffe sind gestiegen und damit auch die Einnahmen vieler afrikanischer Länder. Durch die neue Konkurrenz sind Produkte und auch Kapital günstiger zu bekommen. Doch das Hauptproblem ist geblieben, so Tatjana Chahoud vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik: Mit dem neuen Wirtschaftswachstum kommt nicht automatisch ein Entwicklungsschub für Afrika.

Denn: Von Rohstoffökonomien wisse man, dass hier sehr oft Geld ind die Taschen von Eliten fließe und dass es viel Korrelation gebe, sagt Chahoud. Der zweite wichtige Punkt sei die Rolle von China und Indien als potentielle Konkurrenten für Exporte. "Das, was an ausländischen Direktinvestitonen perspektivisch nach Afrika fließt, geht vor allen Dingen in den Bereich mineralische Rohstoffe und Erdöl", sagt Chahoud.

China und Indien sichern Absatzmärkte und Energiereserven

Die Sicherung von Absatzmärkten und der Energiereserven der Welt ist für China genauso wie für Indien ein wesentlicher Faktor für die eigene Entwicklung, betont die Chinaexpertin Wenping He. Sie ist Professorin am Institut für westasiatische und afrikanische Studien an der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften.

"Etwa seit 1990 wurde in China offiziell die Strategie verkündet sich nach außen zu wenden. Warum? Weil es für chinesische Unternehmer eine harte Konkurrenz im eigenen Land gab", sagt He. Im eigenen Land habe es wenig Raum für weiteres Wachstum gegeben. Die Globalisierung sei deshalb eine Notwendigkeit gewesen, meint sie. "Es geht dabei nicht nur um Afrika, sondern darum, in die ganze Welt zu gehen."

Sudan: Brückenkopf in der chinesischen Afrikastrategie

Plakat in Nigeria mit der Aufschrift 'Long live Nigeria-China friendship', Quelle: AP

Plakat in Nigeria: "Long live Nigeria-China friendship"


Als einer der Brückenköpfe in Chinas Afrikastrategie gilt der Sudan. China hat Milliarden Euro investiert, um Öl im Sudan fördern und exportieren zu können. Das afrikanische Land zählt zu den ärmsten der Welt. Gleichzeitig herrscht in der Hauptstadt Khartum Goldgräberstimmung. Ein Neubau wächst neben dem anderen aus dem Wüstenboden. Es gilt als offenes Geheimnis im Sudan, dass die neuen Reichen Millionenbeträge aus den sprudelnden Ölquellen in die eigenen Taschen umgeleitet haben.

Die sudanesische Opposition stellte bei der Veröffentlichung des Staatshaushaltes verwundert fest, dass die Regierung die Einnahmen aus der Gold- und Ölproduktion bewusst vergessen hatte. So könne niemand kontrollieren, wie viel Staatsgelder unterschlagen worden sind, meint Alfred Taban.

Der Herausgeber der unabhängigen Zeitung "Khartum Monitor" ist einer der profiliertesten Regierungskritiker. Der Südsudanese beurteilt das chinesische Engagement im Sudan als zerstörerisch. "Die Chinesen kamen, als wir einen Bürgerkrieg im Südsudan hatten. Sie fingen 1999 an, Öl zu produzieren und zu exportieren", meint Taban. Diese Ressourcen hätten aber nur gefördert werden können, weil hunderte Dörfer im Südsudan dem Erdboden gleich gemacht worden seien. "Die Nuer wurden vertrieben und viele wurden umgebracht, damit die Chinesen das Öl fördern konnten. Dieses Öl wurde mit dem Blut und dem Schweiß der Südsudanesen gefördert", sagt er. Deswegen seien die Menschen heute wütend auf die Chinesen.

"Afrikanische Staaten müssen road map ihrer Interessen definieren"

Die Zeiten, als China und Indien den afrikanischen Kontinent im Anti-Kolonialkampf unterstützten, sind lange vorbei, urteilt auch der Entwicklungsexperte Kiflemariam Gebrewold aus Äthiopien. Heute vertrete jedes Land vor allem seine eigenen Interessen.

"Indien war wichtig, wenn es um die Staatenbewegung der Blockfreien geht. China war sehr wichtig in der Zeit der Befreiungsbewegungen", sagt Gebrewold. Es gebe schließlich kaum eine afrikanische Befreiungsbewegung, die nicht zu irgendeinem Zeitpunkt in China gewesen sei. Die neuen Umstände seien aber völlig verändert, auch wenn dies viele afrikanische Staaten noch nicht richtig erfasst hätten. Das sei nicht die Schuld der Chinesen und der Inder, denn sie verträten ihre Interessen, glaubt er. "Es liegt an afrikanischen Staaten, eine road map ihrer Interessen zu definieren."

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